Mit Fitness-Apps wollen Nutzer in erster Linie eine Übersicht über ihre Aktivitäten und mehr Kontrolle über den eigenen Körper erlangen. Gesammelt werden neben Puls und Kalorienverbrauch aber viel mehr Daten über die Träger der Wearables, als diesen bewusst ist. Neben den Vitaldaten werden über die Geräte auch die Lokalisationsdaten, also wann man sich wo befindet, gespeichert. In Kombination mit den Daten darüber, wann man sich gerade bewegt oder ruht und schläft, lassen sich detaillierte Nutzerprofile erstellen. Eine Studie aus Deutschland hat dies ausführlich erforscht.

Datenschutzexperte Georg Markus Kainz hat einer Smartwatch von Polaris wegen ihrer Datensammelwut einst den „Big Brother Award“ in Österreich verpasst . Doch was rät er Nutzern, die nicht darauf verzichten wollen, ihre sportlichen Leistungen und Vitaldaten aufzuzeichnen?

Was ist Ihr Rat an Nutzer? Worauf sollten sie beim Kauf von Wearables achten?
Georg Markus Kainz: Sie sollten überprüfen, ob sie das Gerät auch offline nutzen können. Kann ich den Tracker an den PC anschließen und die Daten lokal auswerten, oder funktioniert es überhaupt nur mit einer Internet-Anbindung und über die Cloud? Das Problem ist, dass man keine Kontrolle mehr über die Daten hat, wenn sie in der Cloud landen.

Was ist aus Ihrer Sicht dabei das größte Problem, wenn Vitaldaten mit dem Anbieter geteilt werden?
Bei diesen Geräten handelt es sich im Gegensatz zu echten Medizinprodukten um nicht-geeichte Geräte. Wenn die Waage zu Hause plötzlich zehn Kilogramm zuviel anzeigt, ist das kein Problem. Aber wenn diese Daten plötzlich im Netz landen und ausgewertet werden, ist das heikel, wenn sie dann für Analysen herangezogen werden.

Können Sie das genauer erklären?
Fitness-Apps analysieren die Vitaldaten und vergleichen sie mit den Daten der anderen Nutzer, der Masse. Früher oder später wird das auch von Versicherungen ausgenutzt werden. Wenn man jetzt etwa bei einer Versicherung als junger, sportlicher Mensch einen Tarif eingeht, aber plötzlich krank wird und den Erfolg nicht mehr bringen kann – was passiert dann? Dann explodiert die Prämie.

Bei der Datenschutzreform gibt es das Prinzip „Privacy by Design“. Da müssten die Hersteller doch umdisponieren, oder nicht?
Ja. Das Sammeln von Daten müsste darauf beschränkt sein, wofür das Gerät eigentlich da ist. Da wird die Frage sein, ob die Hersteller darauf eingehen. Zur Zeit ist es so, dass alles gesammelt wird, weil nie wer nachgefragt hat. Nutzer sollten das also ganz aktiv tun. Außerdem wird es für die Hersteller ab Mai 2018 verpflichtend, darauf hinzuweisen, was sie mit den Daten machen und an wen genau sie diese weitergeben.

Würden Sie persönlich Fitness-Tracker tragen?
Nein, weil die Industrie in der letzten Zeit immer wieder bewiesen hat, dass sie mein Vertrauen missbraucht. Es wird an den Herstellern liegen, mein Vertrauen als Kunde zurückzugewinnen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.at.

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