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Zweifelhaft: Das neue Smartphone von LG soll Stechmücken in die Flucht schlagen

Als wirksamster Schutz vor Mücken gelten aber immer Duftstoffe und abweisende Kleidung.
Als wirksamster Schutz vor Mücken gelten aber immer Duftstoffe und abweisende Kleidung.
Foto: imago
72 Prozent aller Moskitos soll LGs neues Smartphone K7i abwehren können. Experten zweifeln jedoch an der versprochenen Wirksamkeit.

LG hat in Indien das K7i veröffentlicht. Das Low-End-Smartphone kostet umgerechnet 104 Euro und scheint mit seinem 1,1-GHz-Prozessor und der 8-MP-Kamera nichts besonders zu sein. Es hat aber ein Feature eingebaut, das den User nicht nur vor juckenden Blessuren, sondern auch vor Krankheiten schützen soll.

Das K7i hat an der Rückseite einen Ultraschalllautsprecher. LG nennt diese Technologie „Mosquito Away“ und hat sie für bestimmte Märkte auch schon in Klimaanlagen und andere Geräte eingebaut. Indien ist einer dieser Märkte, da hier die Stechmücken Krankheiten wie Denguefieber, Malaria und das Chikungunya-Virus verbreiten.

Mindestens zehn andere Studien sprechen dagegen

Laut LG konnte das K7i in Tests durchschnittlich 72 Prozent aller Moskitos abhalten, die solche Krankheiten verbreiten. Experten sind skeptisch. Ultraschall zur Abwehr von Moskitos, Gelsen und anderen Insekten sei ein Mythos. „Mindestens zehn Studien haben in den vergangenen 15 Jahren gezeigt, dass Ultraschallwellen-Geräte keinen abwehrenden Effekt auf Stechmücken haben“, sagt Roger Gold, Entomologe an der AM Universität in Texas gegenüber Ars Technica.

LG hält natürlich an den Ergebnissen der Studie fest. Schließlich sei die Studie ja auch von Indiens „Institute of Biotechnology and Toxicology“ „zertifiziert“ worden. Diese Organisation beschreibt sich selbst als „Bindeglied zwischen der Industrie und dem Regulierungssystem.“ Die Aussagekraft der Studie darf also bezweifelt werden.

Duftstoffe und abweisende Kleidung helfen

Die Geräte, die mit hochfrequenten Tönen arbeiten, versuchen die Fluggeräusche männlicher Stechmücken nachzuahmen und damit weibliche Moskitos fernzuhalten. Die Weibchen, die zustechen, da sie eine Blutmahlzeit benötigen, meiden die Gesellschaft des anderen Geschlechts – außer beim Paarungsvorgang.

„Der Ansatz ist ja gut“, erklärt Heinrich Stemberger, Leiter des Instituts für Reise- und Tropenmedizin gegenüber futurezone: „Allerdings funktioniert das nicht. Entweder wird das Fluggeräusch der Männchen nicht gut genug imitiert oder die Angst der Weibchen vor diesen Tönen wird überschätzt.“

„Der wirksamste Schutz gegen Stechmücken ist die Kombination von auf der Haut aufgetragenen Duftstoffen und Kleidung, die mit einem Mücken abweisenden Mittel imprägniert wurde“, so Stemberger. Tests in den Everglades und Alaska, also Gebieten mit extrem hoher Gelsenbelastung [Mückenbelastung, Anm. d. Red.], haben gezeigt, dass diese Kombination den effektivsten Schutz gegen Stechmücken darstellt.

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