Dass der Klimawandel globale Auswirkungen hat, ist nicht erst seit gestern bekannt. Beim anstehenden Klimagipfel in Glasgow sollen mitunter Lösungswege gefunden werden, um seinen fatalen Folgen entgegenzuwirken. Inwiefern aber schmelzende Polkappen die Erdkruste beeinflussen, war bislang nicht gängig. Eine neue Studie zeigt auf, wie weitreichend die Folgen dieser Entwicklung sein könnten.

Klimawandel: Polkappen bewegen Großes

Seit sich die Wissenschaft für die Polkappen interessiert, ist auch bekannt, dass ihr Schmelzen den Meeresspiegel anhebt – das ist einfache Physik. Nicht ganz so klar war bislang aber, dass dieser Vorgang als folge des Klimawandels auch die Erdkruste maßgeblich beeinflusst. Dieser Einfluss kann noch Hunderte, wenn nicht sogar Tausende, Kilometer entfernt gemessen werden.

„Wissenschaftler haben viel direkt unter Eisschilden und Gletschern gearbeitet“, erklärt die Geophysikerin Sophie Coulson. „Sie wussten also, dass dies die Region, in der sich die Gletscher befinden, definieren würde, aber sie hatten nicht erkannt, dass es ein globales Ausmaß hat.“

Im Rahmen einer in den Geophysical Research Letters veröffentlichten Studie untersuchten Coulson und ihr Team Satellitendaten aus den Jahren 2003 bis 2018. Dabei entdeckten sie, dass sich die Erdkruste in einigen Regionen eher horizontal als vertikal verschiebt. „Stell dir ein Holzbrett vor, das auf einer Wanne mit Wasser schwimmt“, so Coulson. „Wenn du das Brett nach unten drückst, bewegt sich das Wasser unter dem Brett nach unten. Wenn du es anhebst, siehst du, wie sich das Wasser vertikal bewegt und den Raum füllt.“

Wichtige Erkenntnisse

„Auf kürzeren Zeitskalen stellen wir uns die Erde als eine elastische Struktur vor, wie ein Gummiband, während sie sich auf Zeitskalen von Tausenden von Jahren eher wie eine sich sehr langsam bewegende Flüssigkeit verhält“, erläutert die Physikerin. Eiszeitliche Prozesse würden sehr, sehr lange brauchen, um sich abzuspielen, „und deshalb können wir die Ergebnisse noch heute sehen“.

Das Verständnis aller Faktoren, die die Bewegung der Kruste verursachen, sei für eine Vielzahl geowissenschaftlicher Probleme maßgebend. „Um zum Beispiel tektonische Bewegungen und Erdbebenaktivitäten genau beobachten zu können, müssen wir in der Lage sein, diese durch den heutigen Verlust von Eismasse verursachten Bewegungen herauszufiltern“, sagte sie.

Der „starke Ozonverlust“ über der Arktis könnte das Schmelzen der Polkappen schneller vorantreiben.

Quelle: „The Global Fingerprint of Modern Ice-Mass Loss on 3-D Crustal Motion“ (2021, Geophysical Research Letters); The Harvard Gazette

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