Am äußersten Rand unseres Sonnensystems liegt eine Welt, der die Menschheit den Planetenstatus aberkannt hat. Warum Pluto kein Planet mehr ist, wurde vielfach diskutiert. Trotzdem belegten 2015 Aufnahmen der NASA-Sonde New Horizon, wie unglaublich vielseitig Pluto ist. Zehn Fakten zeigen, dass der Zwerg eine Welt für sich ist.

Heiß umstritten: Ist Pluto ein Planet?

2006 hat die Internationale Astronomische Union dem Pluto den Planetenstatus aberkannt. Noch 2019 sprach der damalige NASA-Chef Jim Bridenstine, dass Pluto für ihn ein Planet bleibe. Dass die Entscheidung der Wissenschaftler:innen bis heute eine Kontroversen über den Status des einstigen Planeten auslöst, liegt auch auf erst jetzt gewonnenen Wissen über Pluto.

So mussten Astronom:innen die Größe des Planeten seit seiner offiziellen Entdeckung 1930 immer wieder korrigieren. Aufgrund besserer Teleskoptechnik schrumpfte das vermutete schwere Objekt hinter Neptun immer weiter ein.

2015 flog nach über neun Jahren NASAs New Horizon-Raumsonde an unserem entferntesten Nachbarn vorbei. Bei dieser Flyby-Mission gelangen der Sonde Aufnahmen einer Welt, die Astronom:innen überraschten. Der Zwergplanet stellt sich für seine Größe als ungewöhnlich vielseitig heraus, wie diese zehn Fakten zeigen.

Pluto
Im Juli 2015 machte die NASA-Sonde New Horizon in einem Flyby-Manöver dieses Bild des Zwergplaneten. Es zeigt eine vielseitige Welt. Credit: imago / agefotostock Credit: imago / agefotostock

Die zehn spannendsten Fakten um den Zwergplaneten Pluto

Astronom:innen staunten nicht schlecht, als sie die Daten der New Horizon-Sonde auswerteten. Die Oberfläche des Pluto ist in seiner chemischen Zusammensetzung wie auch in seiner Geografie nicht mit anderen Himmelskörper zu vergleichen, die nicht als Planeten kategorisiert werden. Zehn Fakten zeigen, was Pluto auszeichnet.

#1 Kleiner als der Mond

Als Zwergplanet kategorisiert ist einer von unzähligen Objekten im Kuiper Gürtel, einer Region außerhalb der Planetenzone, in der viele Felsbrocken von über 100 Kilometern Durchmesser kreisen. Pluto ist bisher eines der größten dieser Objekte mit einem Durchmesser von 2.376 Kilometern. Zum Vergleich: Unser Mond hat einen Durchmesser von 3.474 Kilometer.

#2 Schwierig zu finden

Astronom:innen können Pluto nur schwer ausfindig machen. Der amerikanische Astronom Percival Lowell bemerkte bereits 1905, dass eine unbekannte Kraft an Uranus und Neptun ziehen müsste. Er schlussfolgerte, dass sich ein weiterer großer Planet hinter Neptun befindet.

1930 entdeckte sein Landsmann Clyde Tombaugh dann den unbekannten neunten Planeten am Lowell Observatorium.

Erde, Mond, Pluto, Charon
Pluto (Mitte) fehlt fast ein Drittel der Masse unseres Erdmondes. Credit: imago / StockTrek Images Credit: imago / StockTrek Images

#3 Pluto besteht zu einem Drittel aus Wasser

So klein und weit entfernt der Stein am Rande unseres Sonnensytems auch sein mag, besteht gut ein Drittel der Oberfläche aus gefrorenen Wasser. Der Rest des Planeten setzt sich aus Fels sowie Methan- und Stickstoffeis zusammen.

#4 Obwohl er kein Planet ist: Plutos Berge sind riesig

Auf die Größe des Zwergplaneten bezogen, sind seine Berge gigantisch. Die höchsten Gipfel sind bis zu 3.500 Meter hoch und damit vergleichbar mit den Rocky Mountains. Weil Pluto jedoch kein Planet mit genügen Felsmaterial ist, glaube die Wissenschaftler:innen, dass die Berge teils aus gefrorenen Wassereis bestehen, auf denen sich die Methan- und Stickstoffeisschichten angereichert haben.

#5 Der eisige Zwerg

Wie in #4 beschrieben, ist nahezu die komplette Oberfläche des Zwergplaneten mit Methan- und Stickstoffeis überzogen. Auf seiner elliptischen Bahn beträgt der größte Abstand zur Sonne mehr als 7,3 Milliarden Kilometer. Trotz Lichtgeschwindigkeit braucht das Licht unserer Sonne fast 25 Minuten, um Pluto zu erreichen.

Von der Oberfläche des Pluto aus betrachtet wirkt die Sonne daher wie ein ganz gewöhnlicher Stern am Nachthimmel. Somit gehört der Pluto zu einem der kältesten Orte unseres Sonnensystems mit Minus 225 Grad Celsius.

Oberfläche Pluto mit Mond Charon
So könnte es auf der Oberfläche des Zwergplaneten aussehen. Credit: imago / Panthermedia Credit: imago / Panthermedia

#6 Plutos Schlangenhaut

2015 überraschte es Astronomen, wie Plutos Eisflächen das Sonnenlicht reflektierten. Die Unregelmäßigkeiten zeigten eine sehr bewegte Oberflächenstruktur. Teils zeigte sich Pluto in einem „snakeskin“ einer Schlangenhaut. Die Schuppen des Zwergplaneten sind riesige Eisformationen die durch Winde entstehen.

Auf Planeten wie der Erde werden solche durch Winde ausgelösten Eiszungen mehrere Meter hoch. Auf Pluto entdeckte man hingegen Berge von Teils 500 Metern Höhe.

#7 Plutos Herz, die Tombaugh Ebene

Auf dem von der NASA 2015 veröffentlichten Foto des Pluto befindet sich eine herzförmige weiße Ebene. Diese Region weist keinerlei Krater, Felsen oder Berge auf. Hierbei handelt es sich laut Forschenden um den vermutlich jüngste Teil des Zwergplaneten. Vermutlich entstand diese Eben durch einen Meteoriteneinschlag vor mehr als 100 Millionen Jahren. Plutos Herz ist demnach der Überrest eines gewaltigen Einschlags.

#8 Extreme Umlaufbahn um die Sonne

Plutos Umlaufbahn um die Sonne ist ein einziges Extrem. Der Zwergplanet umkreist unseren Heimatstern in einer elliptischen Bahn. Ist er an seinem weitesten Punkt 7,3 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt, nähert er sich ihr im Laude einer Umdrehung bis auf 4,4 Milliarden Kilometer an.

In seinen 248 Erdenjahren, die er für eine voll Umdrehung benötigt, ist Pluto teils näher an der Sonne dran als Neptun.

#9 Plutos temporäre Atmosphäre

Weil die Umlaufbahn Plutos um die Sonne so extrem ist, beeinflusst das auch die Atmosphäre des Zwergplaneten. Kommt er der Sonne nahe, taut ein Teil der Eisoberfläche bestehend aus Methan und Stickstoff. Dadurch entsteht um Pluto eine temporäre Atmosphäre, die bei wachsender Distanz wieder als Schnee auf die Oberfläche fällt.

#10 Pluto: Kein Planet, aber fünf Monde

Obwohl Pluto kein Planet ist, besitzt er fünf Monde. Das allein sorgt schon für allerlei Diskussionen, weil Monde per Definition nur um Planeten kreisen können. Die Monde heißen Charon, Styx, Nix, Kerberos und Hydra. Während Hydra der am weitesten entfernte Mond ist, ist Charon so dicht an Pluto dran, dass manche Astronom:innen von einem Doppelzwerg-System sprechen.

Pluto und Charon
Der Mond Charon ist fast halb so groß wie Pluto. Credit: imago / Science Photo Library Credit: imago / Science Photo Library

Pluto ist mehr als ein Planet

Auch wenn es für den Planetenstatus nicht reicht, zeigt Plutos Beschaffenheit, welche Überraschungen sich selbst in den kleinsten Himmelskörpern verbergen. So liefert etwa der Saturnmond Titan nach neusten Erkenntnissen etwa optimale Bedingungen für Leben. Es müssen also nicht immer Planeten sein, die große Entdeckungen in unserem Sonnensystem ermöglichen.

Quellen: Space.com, Deutschlandfunk Nova, eigene Recherche

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