Mittlerweile schlagen der Klimawandel und dessen Folgen immer größere Wellen in der öffentlichen Debatte. Für viele scheint das Thema aber nach wie vor zu abstrakt zu sein und sie nehmen die Auswirkungen, die diese Veränderungen auf sie selbst haben, nicht wahr. Das liegt mitunter daran, dass es sich bei der globalen Erwärmung und der damit einhergehenden Luftverschmutzung um einen weitestgehend schleichenden Prozess handelt. Eine jüngst veröffentlichte Metastudie macht deutlich, inwieweit du schon heute davon betroffen bist.

Klimawandel: KI wertet 67 Jahre der Forschung aus

Unter Zuhilfenahme des BERT-Sprachmodells analysierte ein internationales Team von Wissenschaftler:innen rund 100.000 Studien aus den Jahren 1951 bis 2018. „Wir haben überwältigende Beweise dafür, dass der Klimawandel jeden Kontinent und jedes System beeinträchtigt“, erklärte Studienautor Max Callaghan im Gespräch mit der Agence France-Presse (AFP). Schon heute würden die Auswirkungen der Erderwärmung gut 85 Prozent der Weltbevölkerung betreffen.

Was ist BERT?
Das Akronym „BERT“ steht für „Bidirectional Encoder Representations from Transformers“. Konkret handelt es sich dabei um ein maschinelles Lernverfahren von Google. Der Konzern nutzt das Modell, um die Suchanfragen seiner Nutzer:innen besser zu verstehen und die bestmöglichen Ergebnisse zu liefern. In seiner heutigen Form kann die Künstliche Intelligenz (KI) aber auch dazu genutzt werden, um komplexe Texte, wie etwa Studien, auszuwerten.
Hier erfährst du mehr über das Sprachmodell.

Was verrät uns die Metastudie?

Gemeinsam mit Forscher:innen des Berliner Forschungsinstituts Mercator hat Callaghan den Globus kartiert. Der Fokus des Teams lag dabei auf messbaren Auswirkungen des Klimawandels. Basierend auf den ausgewerteten Studien stellten die Autor:innen fest, dass rund 80 Prozent der Erde selbst und 85 Prozent ihrer Bevölkerung von Temperatur- und Niederschlagsveränderungen betroffen sind.

Die Studien würden unverhältnismäßig viele Auswirkungen in reichen Ländern dokumentieren, während sie in armen Ländern weniger auffällig seien, so der Studienleiter.

„Unsere Ergebnisse zeigen eine beträchtliche ‚Zuordnungslücke‘, da robuste Beweise für potenziell zurechenbare Auswirkungen in Ländern mit hohem Einkommen doppelt so häufig vorkommen wie in Ländern mit niedrigem Einkommen. Auch wenn es noch Lücken bei der sicheren Zuordnung von Klimaauswirkungen auf regionaler und sektoraler Ebene gibt, veranschaulicht diese Datenbank die potenziellen aktuellen Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels auf der ganzen Welt.“

M. Callaghan et al. (2021, Nature Climate Change)

Arm und reich – Süden und Norden

Die adressierte Lücke entstehe vor allem dadurch, dass die Folgen des Klimawandels im globalen Süden nicht ausreichend erforscht seien. Das sei auf einen „relativen Mangel an Forschung über Klimaauswirkungen in weniger entwickelten Ländern zurückzuführen“, schreibt Max Callaghan in einem Gastbeitrag auf Carbon Brief.

„Es sei darauf hingewiesen, dass eine geringere Anzahl von Beweisen nicht bedeutet, dass der Klimawandel keine Auswirkungen auf Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen hat. Vielmehr zeigt die Tatsache, dass die veröffentlichten Beweise spärlich sind, selbst dort, wo wir vom Menschen verursachte Veränderungen der Temperatur oder des Niederschlags beobachten können, dass dringend mehr wissenschaftliche Untersuchungen über die Auswirkungen des Klimawandels im globalen Süden erforderlich sind.“

Max Callaghan

Die Auswirkungen des Klimawandels

Vor allem in den vergangenen zwei Jahren scheinen die Rufe nach dem Kampf gegen den Klimawandel lauter geworden zu sein. Anstoß dazu gab mitunter die zunehmende Präsenz von Bewegungen wie den Fridays for Future auf der internationalen Bühne. Prognostiziert wurden die Folgen des Klimawandels aber schon vor circa 50 Jahren.

Im Auftrag des Club of Rome sollte ein MIT-Computer 1973 globale Nachhaltigkeit modellieren. Stattdessen berechnete er, wann es zum globale Kollaps kommen könnte. Das Jahr 2020 prognostizierte er als relativen Startpunkt für dieses Ereignis, wenn keine rechtzeitigen Maßnahmen ergriffen würden. Schon heute warnt außerdem die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) vor einer globalen Wasserkrise. Sie soll bis 2050 mehr als fünf Milliarden Menschen betreffen, sofern nicht umgehend Gegenmaßnahmen ergriffen würden.

Es bleibt abzuwarten, ob im Rahmen der UN-Klimakonferenz 2021 in Glasgow Lösungswege ermittelt werden können.

Quellen: „Machine-learning-based evidence and attribution mapping of 100,000 climate impact studies“ (2021, Nature Climate Change); Carbon Brief; Towards Data Science; Agence France-Presse (via Le Journal de Montréal); eigene Recherche

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