Während moderne Science Fiction-Filme wie „I, Robot“ (2004) oder auch Genre-Klassiker „The Matrix“ (1999) seit etlichen Jahren eine äußerst düster-dystopische Welt, in der Roboter die Weltherrschaft an sich reißen, prognostizieren, ist die technologische Singularität für die meisten Menschen nicht mehr als das: Ein futuristisches Hirngespinst. Doch was, wenn wir uns nicht mehr so sicher sein können und nicht merken, dass wir uns bereits auf dem besten Weg zur Menschheit 2.0 befinden? Und was ist mit dem Begriff überhaupt genau gemeint? Wir versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen.

Technologische Singularität: Was ist das eigentlich?

Unter dem Begriff Singularität versteht man in der Naturwissenschaft Größen, die eine Tendenz zur Unendlichkeit aufweisen. Ein Beispiel ist die Massendichte eines alles und jeden verschlingenden, sich immer stärker ausbreitenden Schwarzen Lochs. Stellt man sich dieses Prinzip nun in etwas abgewandelter Form für unseren technischen Fortschritt vor, erreichen wir irgendwann einmal die technologische Singularität.

Unter ihr werden mittlerweile ganz verschiedene Ansätze in der Zukunftsforschung zusammengefasst. Grundlegend versteht man unter der technologischen Singularität jedoch den Moment, an welchem Maschinen sich mithilfe ihrer künstlichen Intelligenz so rasant selbst verbessern, dass der technische Fortschritt extrem beflügelt wird und der Mensch am Ende sogar die Kontrolle verliert.

Über den Zeitpunkt, an welchem die Technik den Menschen übermannt, sind sich die Prognosen jedoch alles andere als einig. Dass der Zustand sich jedoch schleichend manifestiert und möglicherweise sogar unerwartet für die an der Entwicklung Beteiligten eintritt, ist laut der meisten Prognosen sicher.

Besondere Aufmerksamkeit erlangte der Begriff durch das bereits 1998 erschienene Buch „The Singularity is near“. In Deutschland erschienen als „Menschheit 2.0“ von Raymond Kurzweil, in dem das Datum für die technologische Singularität auf das Jahr 2045 fällt. Bis dahin werden die meisten menschlichen Aufgaben bereits von sogenannten Social Robots übernommen worden sein, die allerhand Hilfe im Haushalt und dem alltäglichen Leben bieten.

Schauriger Stoff für Sci-Fi-Autoren oder futuristisches Furchtszenario?

Dies hört sich natürlich, vor allem, wenn man sich die zu Beginn genannten fiktiven Werke ansieht, erst einmal sehr weit entfernt und apokalyptisch an. Jedoch ist nicht zu bestreiten, dass der Mensch sich schon heute mehr als einmal auf von Maschinen herbeigeführte Automatismen verlässt. Sei es die Lieferung deines nächsten Amazon-Pakets per Drohne oder das autonome Fahren verschiedener Elektroautos, wie beispielsweise von VW.

Smarte Sprachassistenzen wie Alexa oder Siri sprechen mit uns als wären sie reale Begleiter:innen unseres Alltags, während Social Media-Bots, die über Algorithmen von Menschenhand gefüttert werden, agieren, als wären sie der nervige Familienfreund, der jeden deiner Posts ungebeten kommentiert. Dabei erkennen bestimmte Bots sogar Stimmen, Gesichter, Verhaltensmuster und sogar menschliche Emotionen und ahmen diese sogar nach.

Doch sorgt die technologische Singularität wirklich für die selbstherbeigeführte Zerstörung der Menschheit, wie wir sie kennen? Wird im Zuge dessen der Weg für eine von Kurzweil beschriebene „Menschheit 2.0“ geschaffen? Immerhin lässt sich sagen, dass die Bots auf dem Vormarsch sind und schon heute Jobs, in denen zuvor menschliche Intelligenz und Motorik gefragt waren, übernehmen. Dabei verdrängen sie zweifelsohne auch hart arbeitende Menschen aus ihren Arbeitsfeldern, die sich zu einer Umorientierung gezwungen sehen oder schlussendlich sogar in der Beschäftigungslosigkeit landen.

Schon jetzt ist die künstliche Intelligenz, wenn es um die Auswertung großer Datenmengen oder die Urteilskraft aus Folge einer komplexeren Berechnung geht, dem Menschen haushoch überlegen.

Warum der Mensch trotzdem nicht zu ersetzen ist

Warum wir die technologische Singularität also verhindern sollten, ist demzufolge klar. Doch wird sie uns überhaupt in all der Härte treffen, wie verschiedene Zukunftsforscher:innen sowie Drehbuchautore:innen es uns weismachen wollen? Immerhin gibt es Bereiche, in denen eine vollständige Machtübernahme der Roboter schwer vorstellbar ist. Das gilt vor allem auf der moralische und emotionale Ebene. Auch, was die Kreativität und die Originalität des menschlichen Gehirns anbelangt, könnte schwierig werden.

Egal wie viel Rechenleistung in einer Maschine steckt, egal, wie stark sie versucht, menschliches Verhalten nicht nur zu imitieren, sondern sogar zu optimieren: Die Liebe und Zuneigung, welche sich zwei reale Personen schenken, wird sie niemals vollständig ersetzen können (auch es jetzt bereits Prototypen gibt, die dies versuchen).

Genauso schwierig dürfte es im Falle der technologischen Singularität für die Maschinen sein, darüber zu entscheiden, ob ein Mensch „richtig“ oder „falsch“ gehandelt hat. Unsere Vorstellung von Moral hat sich über den Lauf der Zeit immer wieder verändert, gesellschaftliche Gepflogenheiten ebenso.

Ehe der Roboter ein ernstzunehmendes Gespür für sensible Themen entwickelt hat, vergehen also mindestens Jahre. Ähnlich verhält es sich mit der menschlichen Kreativität. Zwar gibt es bereits jetzt Bots, die sich erfolgreich daran versuchen, Bücher zu schreiben oder Gemälde zu schaffen. Die Originalität geht dabei jedoch in den meisten Fällen verloren.

Quellen: eigene Recherche, hpd.de, Absatzwirtschaft.de, Netzversteher, Matthes Seitz Berlin

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