Eigentlich arbeitet China im Weltraum aktuell an einem überaus nützlichen Projekt. Der Satellit Shijian-21 testet dort Technologien, die den Orbit der Erde zukünftig von Weltraumschrott befreien sollen. Nachdem die Mission anfangs erfolgreich gestartet war, kam es allerdings zu einer merkwürdigen Beobachtung durch das US-Militär. Ein zunächst unbekanntes Objekt tauchte in der Nähe auf und umrundet den Satelliten. Die offizielle Einschätzung der Space Force zweifelt ein Experte allerdings stark an.

China im Weltraum: Diese Mission ist ein Rätsel

Erst am 23. Oktober wurde Shijian-21 per Rakete in den Weltraum transportiert. Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete daraufhin, der Satellit sei „erfolgreich in den geplanten Orbit eingetreten“. Er solle „hauptsächlich dazu genutzt werden, um Technologien zur Eindämmung von Weltraumschrott zu testen und zu verifizieren“.

Während sich China Gizmodo zufolge mit weiteren Informationen zu Shijian-21 bedeckt hält, meldete das US-Militär, genauer die Space Force, am 3. November eine ungewöhnliche Aktivität: ein Begleitobjekt, das neben dem Satelliten fliegt. Es wurde als sogenannter „Apogäum-Kickmotor“ katalogisiert und mit „2021-094C“ bezeichnet. Diese werden in der Regel dazu genutzt, Satelliten vom Transferorbit in die geostationäre Umlaufbahn (GEO) zu transportieren. Dort platziert, befinden sich Satelliten im Idealfall immer über demselben Punkt der Erdoberfläche.

„Sehr selten“: Motor-Theorie wirft Zweifel auf

Glaub man allerdings einem Experten, ist diese Einordnung des entdeckten Objektes nicht zwingend auch zutreffend. Wie der Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik erklärt, ist es „sehr selten“, dass Satelliten besagten Motor nach der Nutzung im GEO abstoßen. Dies geschehe „fast immer“ bevor ein Satellit seine endgültige Position im GEO einnimmt. Es sei sogar „eine sehr schlechte Idee“ ein Objekt innerhalb der geostationären Umlaufbahn abzustoßen. Dies würde das Risiko einer Kollision bedeuten.

Wie SpaceNews.com bestätigt, ist „gegenwärtig nicht bekannt, ob es sich um einen [Apogäum-Kickmotor], ein mit den Tests zur Eindämmung von Weltraumschrott zusammenhängendes Objekt“ oder einen Teil anderer Tests handelt. Dazu kommt laut McDowell der scheinbar synchronisierte Abstand zwischen Satellit und Objekt: „Wenn sie [den Motor] nur abgestoßen und Bye-bye gesagt hätten, würden sie eine stetig zunehmende [räumliche] Trennung erwarten.“ Stattdessen vermutet der Astrophysiker, dass Shijian-21 und 2021-094C zusammen arbeiten und womöglich Radiosignale anderer GEO-Satelliten überwachen. Um das genauer zu beurteilen, müsse man aber erst abwarten, ob eines der beiden Objekte eine Art Manöver ausführt.

China könnte „Spione“ im Weltraum stationiert haben

„Ich weiß nicht warum die Space Force denkt, diese Zweitobjekte seien Apogäum-Kickmotoren – das ist nur eine (falsche) Schätzung ihrerseits, oder haben sie geheime Sensorendaten, die sie zu dieser Schlussfolgerung führen?“

Jonathan McDowell, Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik

Schon 2018 konnte Ähnliches bei Chinas Weltraum-Satelliten Tongxin Jishu Shiyan-3 (TJS-3) beobachtet werden. Dieser hatte einen „Sub-Satelliten“, mit dem er laut SpaceNews.com Paarmanöver einschließlich Manipulation durchführte. Auch damals erfolgte eine Einstufung als Motor.

Übrigens: Neben Weltraum-Projekten im Erdorbit führt China auch eine eigene Mars-Mission aus, wie Bilder zeigen.

Quellen: Gizmodo, SpaceNews.com

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