Im Mai 2016 war Astronaut Alexander Gerst zum Kommandanten der Internationalen Raumstation ISS ernannt worden. 2018 soll er sechs Monate dort verbringen. Es ist seine zweite Mission auf der ISS, zuletzt hielt er sich 2014 sechs Monate lang auf der Raumstation auf. Gerst soll unter anderem Forschungsprogramme vorantreiben, die sich häufig über mehrere ISS-Missionen erstrecken. Auch die Erforschung von Muskelschwund und von Plasmakristallen in der Schwerelosigkeit werden zu seinen Aufgaben gehören.

Mit Gerst geht auch eine Zeitkapsel auf die Reise zur ISS. Sie enthält zum einen Wünsche für die Zukunft in 50 Jahren von Schülerinnen und Schülern aus deutschen Schulen. Zum anderen konnte jeder Alltagsfotos einreichen, die auf der Kapsel gespeichert werden. Nach ihrem Aufenthalt im All soll sie dann im Haus der Geschichte in Bonn ausgestellt und 50 Jahre lang verwahrt werden – bis sie schließlich, im Jahr 2068 wieder geöffnet wird.

Gewicht: Aerogel polstert und hält lange

Nun zeigt das DLR auf seinem Blog eine Art Making Of der Zeitkapsel. Sie muss nämlich vielen Anforderungen gerecht werden. Zunächst einmal müssen Objekte, die zur ISS fliegen, relativ leicht sein. Die Kapsel besteht aus einer Aluminiumkugel mit 400 Gramm Gewicht, das ist schon relativ leicht. Auszubildende des DLR-Standorts in Braunschweig frästen dann aus der Kugel zwei dünnwandige Halbschalen mit einem mehrgängigen Gewinde.

Aber auch Auszubildende des DLR aus Köln arbeiteten an der Zeitkapsel. Sie fertigten die Metallzylinder im Innern, die verschiedene Objekte enthalten: einen Datenträger, auf dem die Wünsche und Fotos gespeichert sind sowie symbolische Dinge wie seltene Meteoritenstücke, eine Mini-Sonnenuhr und ein Miniautur-Papierflugzeug. Um sie vor Erschütterungen im All zu schützen, musste als Polsterung ein Material her, dass auch 50 Jahre hält. Das DLR-Institut für Werkstoffforschung stellt ein spezielles Aerogel bereit, das es erst seit ein paar Jahren gibt. In Klimakammern wird es einem künstlichen Alterungsprozess unterzogen – „gewissermaßen Zeit im Zeitraffer“, wie das DLR schreibt. Das Gel basiert auf Silizium und Sauerstoff und wurde so verändert, dass es zu 90 Prozent aus Luft besteht. Damit polstert es und ist extrem leicht.

Sicherheit: Kapsel außer Gefahr

Was auf die ISS fliegt, muss aber nicht nur leicht, sondern auch sicher sein. Besonders in einer Vakuum-Umgebung könnte ein gefährlicher Überdruck entstehen. Das Energiepotenzial wurde deshalb von drei Mitarbeitern des DLR anhand einer Formel gegengecheckt. Das Ergebnis: Es geht keine Sicherheitsgefahr von der Kapsel aus.

Überlebende Daten: M-Disc statt Mikrofilm

Auch der Datenträger, auf dem die Wünsche und Fotos gespeichert sind, musste noch auf seine Überlebensdauer getestet werden. Eine Speicherung auf Mikrofilm, wie es die Filmindustrie für DVDs und CDs mittlerweile wieder nutzt, wäre zu groß für die kleine Zeitkapsel gewesen. Die Lösung fand sich zunächst in einer Glas-Disc, die langlebig, handlich und leicht zugleich war. Doch der Hersteller hatte die Produktion eingestellt. Eine M-Disc im Blu-Ray-Format wurde als Alternative auserkoren. Sie ist angeblich 1.000 Jahre immun gegen das digitale Verblassen von Daten.

Was hinter der Kapsel steckt: das „Projekt 4D“

Hinter der Kapsel steckt das „Projekt 4D“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Kooperation mit der Europäischen Weltraumagentur (ESA), der Stiftung Lesen und dem Haus der Geschichte in Bonn. Schüler und Schülerinnen wurden eingeladen, ihre Wünsche für die Zukunft in 50 Jahren zu formulieren. Über 1.600 Teambeiträge von etwa 8.000 Teilnehmern wurden eingereicht. Darüber sind 2.000 beim DLR eingegangen. Alle Wünsche und Fotos fliegen demnach 2018 mit der Zeitkapsel ins All und werden erst 2068 veröffentlicht.

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