Das die Weltbevölkerung ein historisches Allzeithoch erreicht hat, kann niemand mehr abstreiten. Millionen-Metropolen spannen sich um den gesamten Globus. Wir haben uns sprichwörtlich bin in den letzten Winkel der Welt ausgebreitet. Doch wie viel Menschen leben auf der Welt? Und sind wir wirklich zu viel, wie manche meinen?

Wie viele Menschen leben auf der Welt?

Es gab noch nie so viele von uns wie heute. Unsere Spezies hat sich auf (fast) jedem Kontinent niedergelassen. Es scheint, als hätten wir der Evolution ein Schnippchen geschlagen, denn nach einer neusten Zählung bevölkern 7,88 Milliarden Menschen die Erde.

Derzeit kommen jedes Jahr etwa 82,4 Millionen Erdenbewohner hinzu. Allein Deutschland verzeichnet jedes Jahr circa 226.000 Geburten. Wie viele Menschen auf der Welt also leben, kann lediglich geschätzt werden. Im besten Fall sind Prognosen möglich, aber eine genaue Anzahl lässt sich nicht ermitteln.

Erdbevölkerung: Wie viele wir werden könnten

Man könnte meinen, die Weltbevölkerung schießt ins Exponentielle, aber der Schein trügt, wie neuste Studien belegen. Schenkt man den UN-Projektionen für den weltweiten Bevölkerungszuwachs von 2019 Glauben, ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht.

Der zeigt, dass im Jahr 2050 „mit 95-prozentiger Sicherheit“ zwischen 9,4 und 10,1 Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Dem Bericht der Vereinten Nationen zur Folge könnte die Weltbevölkerung bis auf höchstens 12,7 Milliarden bis in das Jahr 2100 ansteigen.

Menschenmasse New York
Wie viele wir sind, wird vor allem in Metropolen sichtbar – wie etwa am Times Square in New York. Credit: Getty Images / Doug Armand

Wird die Weltbevölkerung zum Problem?

Der größte Teil der Weltbevölkerung ist heute in Asien beheimatet. Das mag nicht verwundern, denn seit Jahrtausenden weist Asien eine höhere Bevölkerung auf als etwa Europa. Derzeit leben auf dem größten Kontinent der Erde knapp 60 Prozent aller Menschen.

17,2 Prozent aller Menschen leben auf dem Kontinent Afrika. Nur 9,6 Prozent der Weltbevölkerung leben in Europa, 8,4 Prozent in Südamerika und lediglich 4,7 Prozent in Nordamerika. Schlusslicht bilden Australien und Ozeanien mit gerade mal 0,6 Prozent.

Gibt es eine mögliche Obergrenze?

Wissenschaftler:innen der University of Washington haben hingegen ein anderes Modell vorgestellt, dass mittelfristig eher einen Abwärtstrend des Wachstums vorhersagt. Laut der Studie, die im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht wurde, soll die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2064 steigen.

Bis dato werden laut Prognose knapp 9,7 Milliarden Menschen die Erde bevölkern.

Doch danach soll Schluss sein:

Zum Ende des Jahrhunderts werde es einen Rückgang geben. Die Bevölkerung schrumpft auf 8,8 Milliarden Menschen weltweit.

Laut der Studie könnte die Weltbevölkerung dadurch sinken, dass jungen Frauen insbesondere in den Ländern des globalen Südens ein besserer Zugang zu Bildung ermöglicht wird.

Moderne Verhütungsmittel und Aufklärungskampagnen könnten in den kommenden Jahrzehnten dafür sorgen, dass sich der Kinderwunsch auf statistisch gesehen 1,5 Kinder pro Familie beschränken wird.

Doha in Katar
Die Stadt Doha in Katar wurde erst 1850 als „Al-bida“ gegründet. Heute leben in der Metropolregion knapp eine Millionen Menschen. Credit: Getty Images / Matteo Colombo

So könnte die Erdbevölkerung schrumpfen

Die Studie der University of Washington zeigt, dass sich die Entwicklung der Bevölkerung regional unterscheidet.

Folgende Entwicklung spielt hierbei eine wichtige Rolle:

  • Demografie und wirtschaftliche Situation: Es ist allseits bekannt, dass die Demografie eines Landes zu einem Großteil von seiner wirtschaftlichen Stärke abhängt. Industrieländer wie Deutschland etwa weisen ein hohes Bruttoinlandsprodukt bei einer sinkenden Geburtenrate auf. In 23 Ländern der Welt wird sich die Bevölkerung eher verkleiner, darunter gehören auch führende Industrieländer wie Japan, Italien und Spanien.
  • „Alte“ Gesellschaften: Nicht zuletzt sorgt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes dafür, dass sich Menschen auf Grund der höheren Ausbildungsmöglichkeiten viel später bis gar nicht für die Gründung einer Familie entscheiden. Die Konsequenz: eine überalterte Gesellschaft mit nur sehr geringem Nachwuchs. In Deutschland ist bereits heute jede zweite Person älter als 45 Jahre alt.
  • Sterberate: Die Weltbevölkerung wird im Durchschnitt immer älter. In den nächsten Jahrzehnten soll sich die Zahl der über 80-Jährigen versechsfachen. Das heißt von rund 140 Millionen steigt diese auf rund 865 Millionen. Die Zahl der Kinder unter fünf Jahren wird auf 41 Prozent sinken. 2017 waren es rund 680 Millionen Kinder, 2100 soll es nur noch rund 400 Millionen Kinder unter fünf Jahren geben.

Das sind Herausforderungen des Bevölkerungswachstums

Bevor die Weltbevölkerung sinkt, stehen der Menschheit jedoch bedeutende Herausforderungen bevor.

Nicht zuletzt sorgt ein exponentieller Wachstum auch für exponentiell wachsende Probleme, die eine Eigendynamik entwickeln können. 

Diese Herausforderungen gilt es zu meistern:

  • Armut: Viele Menschen werden in Ländern des globalen Südens geboren. Gerade in armen Regionen dieser Welt, ist die eigene soziale Absicherung noch stark an die eigene Familie gebunden.
  • Fehlende Gleichberechtigung: In vielen Ländern der Welt sind Frauen noch immer schlechtergestellt. Das Abtreibungsverbot, die Fremdbestimmung durch Männer und soziale Ungleichheiten etwa durch Berufsverbote für Frauen, verschärft das Problem zusätzlich.
  • Fehlende Bildungsstrukturen: Vor allem in den Ländern des globalen Südens ist es bis heute schwierig Aufklärungsarbeit zu leisten. Dies liegt weniger an den Menschen als an der fehlenden Infrastruktur.

Sind wir zu viele Menschen auf der Welt?

Vor allem in jüngster Zeit stellen sich viele Menschen die Frage, ob wir bereits „zu viele sind“.

Diese Frage ist schwierig bis gar nicht zu lösen. Experten verweisen immer wieder auf die Statistiken. Demnach geht ein Großteil des Bevölkerungsanstiegs auf die Länder des globalen Südens zurück, etwa auf Indien, Nigeria oder Ägypten.

Ein Blick auf die bloßen Zahlen zeichnet jedoch ein anderes Bild. Wusstest du zum Beispiel, dass Deutschland eine höhere Bevölkerungsdichte aufweist als China?

Oder das der Stadtstaat Monaco weltweit der mit am dichtesten besiedelte Ort der Erde ist?

Alternativen

Außerdem gibt es noch genügend Platz woanders. Der Blick zu den Sternen zeigt uns seit längeren, dass es noch andere Orte geben könnte, auf denen wir leben könnten. Wenn wir unsere unbedeutenden irdischen Streiterein beilegen, könnte die Erdbevölkerung noch zu ganz anderen Horizonten aufbrechen.

Quellen: BR Wissen, The Lancet, UN-Bevölkerungsprojektionen 2019, Statistisches Bundesamt, Laenderdaten.info, eigene Recherche

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