Mit der Beta-Version der Software, die das Start-up Lyrebird derzeit kostenlos auf seiner Internetseite anbietet, lässt sich anhand von gerade einmal einer Minute Audiomaterial eine digitale Kopie deiner Stimme erstellen. So kannst du das Programm deine eigene Stimme, aber auch die anderer Personen wie VIPs imitieren lassen – vorausgesetzt, du verfügst über ausreichend Audiomaterial.

Obama als Versuchskaninchen

Bereits im September 2017 veröffentlichte Lyrebird ein Video, auf dem der ehemalige US-Präsident Barack Obama zu sehen ist. Der Ton des 30-sekündigen Clips wirkt ein wenig so, als hätte Obama durch eine Art Dosentelefon gesprochen, jedoch ist seine Stimme eindeutig zu erkennen. Dabei sagt der US-Präsident lediglich Sätze, die eine andere Person zuvor in einen Computer getippt hat.

Seit dem Video hat sich die Technologie hinter Lyrebird weiterentwickelt, was wiederum Fragen aufwirft. Zum einen stellt sich die Frage nach dem Potential und den Anwendungsgebieten der Software. Auf der anderen Seite jedoch zeigen sich mit diesem Projekt auch wesentliche Risiken, vor allem rund um einen möglichen Missbrauch eines solchen Programms.

Deep Fake

Immer wieder tauchen im Netz vermeintliche Videos prominenter Personen auf. Vor allem auf Pornoseiten werden diese „Deep Fakes“ zu einem ernstzunehmenden Problem. Hierbei werden die Gesichter der Darsteller zumeist mit Hilfe von Gesichtserkennungssoftware durch die der Geschädigten ersetzt. Im Angesicht dieser tiefgreifenden und realistischen Fälschungen könnte das neue Programm zu einem ernstzunehmenden Problem werden.

Auf ebendieses und ähnliche Probleme möchte auch Lyrebird mit seinem Projekt aufmerksam machen. So gab das Unternehmen bereits 2017 im Rahmen eines Blogbeitrags an, ihre Software lediglich dazu nutzen zu wollen, die Menschen auf die Präsenz dieser Möglichkeit aufmerksam zu machen.

„Mit großer Innovation kommt große Verantwortung“

Angelehnt an den Marvel-Helden Spiderman sprechen die Entwickler unter dem Titel „With great innovation comes great responsibility“ eine klare Warnung aus. Sie wollen ein Bewusstsein für die Möglichkeiten – allerdings auch für die Risiken – neuer Technologien schaffen und geben zu bedenken, dass sie nicht die einzigen gewesen sein werden, die auf die Idee einer Stimm-Imitation gekommen sind.

Im digitalen Alltag – vor allem vor dem Hintergrund immer neuer Datenaffären – wird es täglich wichtiger, die eigene Privatsphäre zu schützen. Mit Hilfe nur weniger Minuten Training, ist die Software bereits in der Lage, die Stimme zu imitieren. Je mehr Audiodateien man einspricht, desto präziser und realistischer wirkt auch die Stimme, die anschließend aus den Lautsprechern ertönt. Was könnte dann erst ein Unternehmen mit der Technologie anfangen, das zu nahezu jeder Tageszeit auf das Mikrofon in unseren Smartphones zugreifen kann?

Nicht nur schlechte Seiten

Wie Spiegel Online berichtet, sieht das kanadische Unternehmen selbst seine Software jedoch nicht ausschließlich als Warnung. So gibt der Mitbegründer Alexandre de Brébisson an, er hoffe, dass die Technik von Lyrebird die Interaktion mit Computern angenehmer machen werde. Erreicht werden solle dieses Ziel durch menschlichere Stimmen für Sprachassistenten wie Siri, Alexa und Co.

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Auch Menschen, die unter amyotropher Lateralsklerose (ALS) oder anderen Krankheiten leiden, die das Sprachvermögen beeinträchtigen, könne diese noch in den Kinderschuhen steckende Technologie wieder eine Stimme geben.

Auf die Nutzung kommt es an

Wie bei vielen Technologien, die sich derzeit aus den Forschungen verschiedener Universitäten und Wissenschaftler entwickeln, gibt es auch im Rahmen der Nutzung Lyrebirds Einschränkungen. Gerade vor dem Hintergrund der neu in Kraft getretenen Datenschutzgrundverordnung, könnte die Software zumindest auf europäischem Boden auf einige Grenzen und Kritiker stoßen.

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