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Deutschland im NFC-Fieber: Warum sich Menschen Chips implantieren lassen

Datenchips unter der Haut sollen Mitarbeitern das lästige Herumtragen von Karten ersparen.
Datenchips unter der Haut sollen Mitarbeitern das lästige Herumtragen von Karten ersparen.
Foto: ADAM BERRY/AFP/Getty Images
Schon lange sind NFC-Chips und -Gadgets kein bloßer Zukunftsgedanke mehr. Alleine in Deutschland haben schätzungsweise mehr als 2.000 einen solchen Chip implantiert.

Es mag sich sehr nach einem Science-Fiction-Szenario anhören, doch immer mehr Menschen lassen sich NFC-fähige Datenchips unter die Haut implantieren, um sich beispielsweise das lästige Herumtragen von Karten zu sparen. Wie euronews berichtet, wird die Zahl der Nutzer alleine in Deutschland auf zwischen 2.000 und 3.500 geschätzt. Doch was genau hat es eigentlich mit diesen Chips auf sich und kann sich sowas wirklich jeder einpflanzen lassen?

Ankunft im Alltag

Wenngleich der Gedanke an einen Chip unter der Haut, mit dem man Türen öffnen oder bezahlen kann, sehr nach einer nerdingen Zukunftsfantasie klingt, ist diese Vorgehensweise bereits im Alltag vieler Personen angelangt. Der Gründer des Unternehmens "I am Robot", Sven Becker, bezeichnet seine NFC-Chips gengenüber euronews als "Upgrade".

Seine Firma verkauft diese Upgrades an eine Kundengruppe, die sich seiner Aussage nach einmal quer durch die Gesellschaft erstreckt. Viele davon nutzen die Chips als Visitenkarte, jedoch ermöglichen sie tatsächlich die Speicherung verschiedenster Daten – von gesundheitlichen Informationen für Ersthelfer bis hin zum Testament.

NFC-Gadgets

Gadgets, die sich mit der NFC-Technologie (Near Field Communication) befassen, gibt es auf dem Markt bereits viele. Diese wollen meist für einen einfacheren Alltag sorgen, in dem man weniger mit sich herumtragen muss. Mit dem Speichern von Passwörtern auf diesen Datenträgern soll aber auch die Kapazität des Gehirns geschont werden.

Ein Beispiel dafür bietet das US-amerikanische Unternehmen Tokenize. Hier setzt man auf praktische Accessoires, die einen begleiten sollen. Token, der Ring, mit dem das Start-up wirbt, soll dabei in Kombination mit dem richtigen Zubehör, den Zugang zum Haus oder Auto, das Entsperren des Laptops oder das Zahlen an der Kasse ermöglichen, ohne dafür Schlüssel oder Geldkarten bei sich tragen zu müssen – das alles funktioniert dabei via NFC.

Token

Gadget oder Implantat

Der Vorteil eines solchen Gadgets ist, dass man sich jederzeit dazu entscheiden kann, es abzulegen oder zu Hause zu lassen. Jedoch kann es dementsprechend auch wesentlich leichter entwendet werden als ein Implantat, das man sich unter der Haut hat einsetzen lässt.

Zwar wirbt auch Tokenize für die mit dem Token verbundene Datensicherheit, die über einen komplexen Fingerabdruck-Scanner auf der Innenseite des Ringes erzeugt werden soll, allerdings kann man davon ausgehen, dass einem so ein Microchip zumindest nicht von einem Taschendieb abgenommen wird.

Zukunftspotential

Vor allem in Ländern wie China, wo Überwachung allgemein groß geschrieben wird, wäre es denkbar, dass Chips wie jene des Unternehmens "I am Robot" auch künftig großflächig Anwendung finden könnten. Hier wäre beispielsweise die Speicherung der digitalen ID denkbar, wie sie derzeit von der Payment-App AliPay betrieben wird. Potential zum Orwell'schen "Big Brother" ist hierbei jedenfalls vorhanden.

Auch Becker selbst steht dem Gedanken, dass wir künftig alle gechippt sein könnten, kritisch gegenüber. Er bezeichnet ihn als "gruselig" und vertritt die Meinung, es solle jeder Mensch selbstständig darüber entscheiden dürfen, ob er ein "Upgrade" haben möchte, oder nicht. Noch dazu gibt er zu bedenken, dass die NFC-Technologie noch lange nicht massentauglich sei, was unter anderem auf die bislang nur gering ausgebaute Infrastruktur zurückführbar ist.

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