Noch immer erkranken jährlich bis zu 4.600 Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalbskrebs, etwa 1.600 sterben schließlich an der Krankheit. Eine HPV-Impfung kann vorbeugend helfen. Für bereits Betroffene gibt es jetzt Hoffnung aus der Forschung – mit Spermien.

Sie sollen eines der großen Probleme bekämpfen, die mit der klassischen Behandlung per Chemotherapie entstehen: Dabei wird in den meisten Fällen das Medikament per Infusion in den Blutkreislauf gegeben. Dort soll es die Tumorzellen erreichen und vernichten. Allerdings kann es auf seiner Reise durch den Körper auch gesunde Zellen schädigen. Das führt häufig zu gravierenden Nebenwirkungen der Behandlung.

Auf zur Gebärmutter

Forscher sind deshalb an einer Lösung interessiert, die das Medikament direkt zu den Tumoren bringt, ohne gesundes Gewebe in Mitleidenschaft zu ziehen. Sperma könnte das Transportmittel sein, dass das schafft, wie Mitarbeiter des Leibnitz-Instituts für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden und der Technischen Universität Chemnitz herausgefunden haben. Denn die Spermien haben einen großen Vorteil: Sie kennen den Weg zur Gebärmutter bereits, schwimmen schnell und zielstrebig darauf zu. Außerdem können sie an ihrem Ziel einige Tage überleben.

Für das Experiment beluden die Wissenschaftler Rinderspermien mit Doxotubicin, einem Medikament, das in der Chemotherapie etwa gegen Brust- und Lungenkrebs eingesetzt wird. Sie legten den kleinen Schwimmern eine Art Zaumzeug an, mit dem die Forscher sie von der Gebärmutter aus mittels Magneten zum Tumor steuern konnten. Die „Fesseln“ lösten sich, wenn ein Spermium den Tumor berührte. Es durchdrang die Zellwand und entlud seine toxische Ladung.

Natürliche Freunde

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 87 Prozent der Krebszellen konnten die Spermien innerhalb von drei Tagen vernichten. Bis die Methode an Menschen getestet wird, ist noch einiges an weiterer Forschungsarbeit nötig. Bei anhaltendem Erfolg der Methode aber könnten noch andere Erkrankungen der Gebärmutter derartig behandelt werden – schließlich sind Eizelle und Spermium natürliche Freunde.

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