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Achtung vor dem Kribbeln: Herpes soll zu Alzheimer führen

Herpes, Proteine und Alzheimer hängen laut Forschern miteinander zusammen. Führt die Bekämpfung des einen zur Minderung des anderen?
Herpes, Proteine und Alzheimer hängen laut Forschern miteinander zusammen. Führt die Bekämpfung des einen zur Minderung des anderen?
Foto: imago/Science Photo Library
Was zunächst erschreckend klingt, könnte künftig für innovative und tatsächliche Behandlungsmöglichkeiten für Demenz-Patienten sorgen.

Ruth Itzhaki, Professorin für molekulare Neurobiologie an der Universität von Manchester will mit ihrer Forschung herausgefunden haben, dass der Herpes-Virus ein Auslöser für Alzheimer ist. Ihre Schlussfolgerung: Anstelle von Medikamenten, die gegenwärtig lediglich die Symptome der Demenzkrankheit mindern, diese aber nicht heilen, könne man die Erkrankung in Zukunft durch Medikamente tatsächlich behandeln.

Herpes, Protein und bestimmtes Gen erhöhen Alzheimer-Risiko

Laut Itzhaki entdeckten sie und ihr Team bereits 1991, dass der Herpes-Virus HSV1 bei vielen älteren Menschen im Gehirn präsent ist. Sechs Jahre später konnte man nachweisen, dass ein höheres Risiko für Alzheimer besteht, wenn diese Personen außerdem das Gen APOE4 in sich tragen.

HSV1, der durch Stress angeregt wird und so bei vielen für Fieberbläschen sorgt, könne im Gehirn mehrfach aktiv werden und auf diese Weise zu gehäuften Schäden führen. Die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, läge in diesen Fälle zwölfmal höher für Träger des Gens APOE4, die auch den Herpes-Virus im Kopf haben.

Weitere Untersuchungen zeigten zudem, dass eine HSV1-Infektion im Gehirn unter anderem zur Akkumulation von Beta-Amyloid und Tau-Proteinen führt, was wiederum ein typisches Merkmal der Alzheimer-Krankheit ist.

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Herpes ist ein Hauptfaktor bei Alzheimer

Itzhaki glaubt, dass der Herpes-Virus und die damit verbundene Protein-Ansammlung einer der Hauptfaktoren für Alzheimer ist und das Gehirn älterer Personen befällt, wenn ihr Immunsystem mit fortschreitendem Alterungsprozess abschwächt. Dort würde HSV1 eine latente Infektion verursachen und durch Stress, geschwächte Abwehr sowie Gehirnentzündugen reaktiviert werden.

Welche neuen Behandlungen gibt es?

Glaubt man den Daten, könnten sich antivirale Wirkstoffe dazu eigne, Alzheimer zu behandeln. Diese wären sicherer, hielten neue Viren davon ab, sich auszubilden und begrenzten so virale Schäden. Laut Itzhaki hat eine Langzeitstudie in Thailand bereits erste erfolgversprechende Ergebnisse einer solchen Behandlung gezeigt. Dort wurde Alzheimer durch die Anwendung spezifischer Anti-Herpes-Wirkstoffe vorgebeugt.

Ist Herpes mit Protein bekämpfbar?

Interessanterweise wurde erst kürzlich eine neue potenzielle Behandlungsmethode von Herpes-Viren bekannt. Mithilfe eines bestimmten Proteins soll Herpes in Zukunft womöglich besser therapiert werden können.

Laut Ärztezeitung wurde von einer Forschunggruppe des Universitätsklinikums Erlangen nämlich ein bisher unbekannten Abwehrmechanismus des menschlichen Körpers entdeckt. Der Fokus der Untersuchung lag dabei vor allem auf Proteinen, die Herpes-Viren in ihrer Entwicklung behindern.

So rufen einige der sogenannten TRIM-Proteine den Abbau eines anderen zellulären Proteins, Perizentrin, hervor. Dieser Abbau verändert wiederum die Struktur des Zellkerns von Herpes-Viren und behindert so deren Vermehrung.

Möglicherweise ließe sich aus der Kombination beider Entdeckungen zunächst Herpes durch Proteine bekämpfen, um so später zugleich das Alzheimer-Risiko einschränken zu können.

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