Der Begriff „Methan“ fällt in Diskussionen rund um die Thematik Klimawandel regelmäßig. Das Gas ist Bestandteil des weltweiten Kohlenstoffkreislaufes und führt durch die Aufnahme von Strahlung in der Atmosphäre zu einer Erwärmung der Luft. Der Großteil des von der Menschheit verursachten Methanausstoßes ist auf die Haltung sogenannter Nutztiere zurückzuführen, da besonders Rinder bei der Verdauung größere Mengen des Gases produzieren. Allerdings emittieren auch große Kläranlangen, Deponien und Ölanlagen eine Menge Methan. Nun fanden Forscherinnen und Forscher einen Weg, das Treibhausgas einzufangen und daraus wiederum eine Lücke in der Lebensmittelproduktion zu schließen.

Klimawandel durch Methan: Zwei Fliegen mit einer Klappe

Methangas muss nicht in die Atmosphäre gelangen und dort Schaden verursachen. Das Gas kann zuvor eingefangen werden. Nun ergab eine Analyse der Standford University, dass das eingefangene Methan auch einen großen Nutzen für die Lebensmittelkette haben kann.

Werden Bakterien gezielt mit Methan gefüttert, wachsen sie zu proteinreichem Fischmehl heran. Fischmehl wird als Fischfutter verwendet, doch bisher konnte es ausschließlich aus Fischen gewonnen werden. Somit könnte das neue Fischmehl den globalen Fischfang reduzieren und die Versorgung der Fische in der Haltung wäre gedeckt.

Umsetzung: Bakterien in Bioreaktoren

Methanotrophen, die sich von Methan ernährenden Bakterien, verwandeln das Gas nicht von allein in nützliches Fischfutter. Für die Zucht benötigt es gekühlte und mit Wasser gefüllte Bioreaktoren und neben unter Druck stehendem Methan auch Stickstoff, Sauerstoff, Spurenmetalle und Phosphor. Diese werden dem Bioreaktor hinzugefügt, wodurch die Methanotrophen beginnen, eine proteinreiche Biomasse zu produzieren.

„Dies würde zu mehreren Vorteilen führen. Dazu gehören niedrigere Konzentrationen eines starken Treibhausgases in der Atmosphäre, stabilere Ökosysteme und positive finanzielle Ergebnisse.“

Craig Criddle, Co-Autor der Studie, Professor für Zivil- und Umweltwissenschaften Ingenieurwissenschaften an der Stanford School of Engineering

Klimaschonende Alternative kann tatsächlich günstiger sein

Die Analyse ergab, dass das Heranzüchten des Fischmehls durch Bakterien durchaus günstiger sein kann, als die herkömmliche Produktion von Fischmehl. Bisher fallen insbesondere Kosten für Land, Wasser und Dünger an, um aus Pflanzen und Fischen das Fischmehl zu produzieren. Da sich die Nachfrage nach Meereslebewesen bis 2050 laut Untersuchungen der Stanford University verdoppeln wird und die Meere schon jetzt als „leergefischt“ bezeichnet werden, scheint die Lösung effektiv.

Bei der Produktion mit Methanotrophen ist der größte Kostenfaktor Strom, weshalb besonders Staaten wie Mississippi und Texas geeignet wären. Hier sänken die Produktionskosten um über zwanzig Prozent, ergab die Analyse der Universität. Damit wäre es möglich, Fischmehl für 1.214 US-Dollar pro Tonne zu produzieren. Der Durchschnittspreis für herkömmliches Fischmehl liegt bei 1.600 US-Dollar pro Tonne.

Ausblick in die Zukunft: Methan bekämpft den Klimawandel

Etabliert sich das kostengünstige Methanothropen-Fischmehl, könnte die Biomasse in Zukunft auch als Ersatz für Sojabohnen und Tierfutter allgemein genutzt werden. Somit würde noch weniger Methan in die Luft gelangen und auch Regenwaldrodungen könnten perspektivisch abnehmen. Bleibt das Treibhausgas also am Boden und wird verarbeitet, könnte dem Klimawandel immens entgegengewirkt werden.

Auch die Nahrung der Menschen wird sich in der Zukunft ändern müssen. Besonders Insekten und Quallen gelten als nachhaltige Lebensmittel. Außerdem wird momentan mit Hochdruck nach alternativen Kraftstoffen geforscht.

Quelle: Stanford University

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