Die Hitzewellen nehmen kein Ende, so scheint es. Doch so wird es sehr wahrscheinlich in Zukunft auch sein. Da sind Hitzeschlag und andere Gefahren für den Körper nicht zu unterschätzen. Wenn wir immer heißere Sommer kriegen, bleibt die drängendste Frage: Wieviel Hitze überlebt ein Mensch überhaupt?

Hitzeschlag und mehr: Was macht uns Hitze aus?

Im Juni wurden neue Hitzerekorde für Deutschland gemessen und die derzeitige Hitzewelle könnte sie sogar noch toppen. So schwitzen wir wieder und sehnen uns nach zumindest ein wenig kühleren Temperaturen. Denn unser Körper ist einfach nicht für Hitze gemacht. Neben Hitzeschlägen kommt es deshalb an heißen Tagen auch immer wieder zu Todesfällen. Wie heiß ist zu heiß für uns?

Anhand von vier Faktoren empfinden wir Hitze und Hitzewellen als angenehm oder unerträglich.

  1. Lufttemperatur
  2. Luftfeuchte
  3. Wind
  4. Sonneneinstrahlung

Faktor 1: Die „gefühlte Temperatur“

Viel wichtiger als die tatsächliche Lufttemperatur ist die „gefühlte Temperatur“, wie Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes, zu n-tv.de sagte. Dahinter steckt das Wärmeempfinden der Menschen im Freien, das nicht den Tatsachen entsprechen muss.

Du kennst das: Wenn du am Strand liegst, holst du dir leicht einen Sonnenbrand, unter anderem, wenn der Wind trügerische Kühle verschafft. Vielleicht warst du auch schon einmal in Thailand oder anderen tropischen Ländern. Dann wirst du gemerkt haben, dass sich auch schon 30 Grad bei einer hohen Luftfeuchtigkeit unerträglich anfühlen können, während 50 Grad bei trockener und windiger Hitze okay sind.

Faktor 2: Die Luftfeuchte

Die Luftfeuchtigkeit spielt also eine große Rolle. Das liegt daran, dass unsere Körpertemperatur konstant bei rund 37 Grad gehalten werden muss, auf der Haut sind das 33 bis 34 Grad. Wird es in der Umgebung wärmer, muss der Körper überschüssige Energie abbauen: Wir schwitzen. Dabei verdunstet Schweiß auf der Haut und kühlt sie so zudem.

Dieser Vorgang funktioniert aber nur, wenn die Umgebungsluft trocken ist, sie also Feuchtigkeit aufnehmen kann. Ist sie feucht, kühlt das Schwitzen weniger, bei 100 Prozent gar nicht mehr.

Faktor 3 und 4: Der Wind und die Sonneneinstrahlung

Logischerweise sind auch die Windverhältnisse und die Sonneneinstrahlung entscheidend dafür, ob wir einen Hitzeschlag erleiden oder uns das Ganze nicht viel ausmacht. Beide Faktoren treiben die „gefühlte Temperatur“ nach oben (oder unten, je nachdem). In Deutschland kann die Differenz zur tatsächlichen Lufttemperatur sogar bis zu 15 Grad betragen.

Ab wann wird uns Hitze gefährlich?

Der deutsche Wetterdienst DWD spricht bereits ab einer „gefühlten Temperatur“ von 32 Grad Celsius von „starker Wärmebelastung“ und gibt dementsprechende Warnungen heraus, wie auch in der aktuellen Hitzewelle. „Extrem“ wird es für den menschlichen Körper schon bei 35 Grad im Schatten. Zur Erinnerung: Die „gefühlte Temperatur“ liegt dann bei circa 38 Grad oder mehr. „Mittlerweile weiß man, dass ab dieser Temperatur die Sterblichkeit deutlich zunimmt“, so Matzarakis.

Und wie lange kann es ein Mensch in praller Hitze aushalten, bis er stirbt? Der Meteorologe antwortet:

  • In einem geparkten Auto steigt die Temperatur im Sommer in wenigen Minuten auf 60 Grad.
  • Dann dauert es 5 bis 8 Minuten, bis die Kernkörpertemperatur zu steigen beginnt.
  • Lebensgefährlich wird es ab 41 Grad Körpertemperatur.

Übrigens: Die optimale Wohlfühltemperatur liegt bei Menschen zwischen 17 und 25 Grad Celsius.

Hitzeschlag und Co.: Das sind die größten Gefahren

In diesem Fall lauern mehrere Gefahren oder sind bereits schon eingetreten.

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  • Hitzeschlag: Wenn der Körper mehr Wärme aufnimmt als er abgeben kann. Körpertemperatur: bis 41 Grad. Mögliche Folge: Tod in weniger als 24 Stunden (ohne Gegenmaßnahmen).
  • Hitzekollaps: Konstante Hitze pumpt viel Blut in die Haut, das den stabilen Blutdruck gefährdet. Mögliche Folgen: Kurzfristige Bewusstlosigkeit und Kreislaufkollaps möglich.
  • Hitzeerschöpfung: Wenn der Körper dehydriert ist, zum Beispiel, weil an heißen Tagen zu wenig getrunken wurde. Folgen: Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, erhöhte Körpertemperatur, Krämpfe, Kopfschmerzen.
  • Hitzekrämpfe: Treten häufig bei Menschen auf, die bei Anstrengung viel schwitzen. Der Körper verliert dadurch Salz und Flüssigkeit, was zu Muskelkrämpfen führt.
  • Sonnenstich: Durch starke Sonneneinstrahlung verursacht. Mögliche Folgen: Hirnhautentzündung, gefährliche Schwellung des Hirngewebes.

„Tödliche Hitze“

Im Rekordsommer 2018 sollen allein in Hessen und Berlin mehr als 1.000 Menschen durch hohe Temperaturen umgekommen sein, wie das Robert-Koch-Institut mitteilte. Besonders Kinder und ältere oder geschwächte Menschen sind davon betroffen. Daher sollten sie niemals im heißen Auto gelassen werden.

Kein Wunder, dass Forscher bereits im Juni vor „tödlicher Hitze“ warnten. Doch damit ist das Ende der Hitzewellen noch lange nicht erreicht. Einmal abgesehen von der aktuellen Hitzewelle waren auch diese Wetterrekorde extrem.

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