Ob in der frühen Antike oder in den heutigen Verhörräumen einiger Gefängnisse rund um den Globus, das Foltern war schon immer eine attraktive Methode, um den inneren Sadisten ausleben zu können und dabei sogar noch an sein Ziel, beispielsweise in Form von benötigten geheimen Informationen, zu gelangen. Du denkst jetzt, dass ist doch vollkommen krank? Zurecht, allerdings lass dir dabei eines gesagt sein: Auch du würdest Menschen quälen, wenn man den Informationen eines sehr speziellen Experiments traut.

Milgram-Experiment zeigt: Fast jeder würde Foltern

Vor mittlerweile mehr als 50 Jahren zeigte der US-amerikanische Psychologe Stanley Milgram der Welt, dass sich so gut wie jeder Mensch verleiten lassen würde, einen anderen Menschen zu foltern. Das nach ihm selbst benannte Milgram-Experiment bewies bereits damals, wie einfach es ist, die Willenstärke eines Menschen zu brechen und ihn moralisch verwerfliche Dinge nicht nur ausführen, sondern sogar genießen zu lassen.

Die Probanden sollten damals unter der Leitung eines Aufpassers anderen Menschen Stromschläge zuführen, wenn diese eine der ihnen gestellten Aufgaben falsch beantworteten. Den Probanden erzählte man, dass sich die Intensität der Elektroschocks mit steigender Fehlerquote erhöhe. Allerdings wussten sie dabei nicht, dass es sich bei den von ihnen bestraften Personen um Schauspieler handelte, die gar keine echten Schläge erlitten. Zum Glück aller Beteiligten, denn viele der Testpersonen verteilten letzten Endes sogar tödliche Stromstöße von mehr als 450 Volt, wenn der Studienleiter sie dazu aufforderte, obwohl sie selbst in der Hand hatten, wie weit das Experiment gehen soll.

Auch 50 Jahre später noch brandaktuell

Obwohl das Milgram-Experiment über ein halbes Jahrhundert zurückliegt, kamen aktuellere Studien zu einem durchaus ähnlichen Ergebniss. Erst im Jahr 2017 wurde ein ähnlicher Versuch durchgeführt und noch immer zweifelte nur ein geringer Teil der Probanden, bevor sie die gefährlichen Stromschläge verteilten. Um keine nachhaltigen (mentalen) Probleme bei allen Studienteilnehmer zu forcieren, wurde das Experiment, das zum Foltern einlädt, allerdings etwas entschärft.

Statt der im Ursprungsexperiment angeblich maximal verabreichbaren 450 Volt, die für einen normalen Menschen einen tödlichen Ausgang hätten, reduzierte man auf schmerzhafte, aber nicht lebensgefährliche 150 Volt. Die gemischte Teilnehmergruppe, das autoritäre Umfeld, geschaffen durch den Studienleiter sowie den Vorwand, man würde zum Wohle der Wissenschaft agieren, erinnerten allerdings stark an das Milgram-Experiment aus dem Jahr 1961. Anschließend schickte man die Probanden auch in ein psychologisches Gespräch, um mentale Folgen für die Psyche zu verhindern.

Das Ergebnis war ebenso schockierend wie damals: Nur rund ein Viertel der Teilnehmer äußerte Bedenken und lediglich acht von ihnen entschieden sich, es ganz abzubrechen, obwohl auch alle anderen bei einem Abbruch die Aufwandsentschädigung erhalten hätten. Und das, obwohl sich alle Beteiligten bewusst waren, dass sie ihrem Gegenüber in dem Moment reale Schmerzen zufügten.

Gruppenzwang animiert zum Foltern

Es gibt gleich mehrere Erklärungen dafür, warum sich die Probanden zum Foltern so einfach animieren haben lassen. Ein Ansatz sieht vor allem die Rolle des autoritären Studienleiters dabei als besonders relevant an, ein anderer ist es, dass die Teilnehmer sich zwar nicht sicher waren, wie sie sich verhalten sollten, aber anstatt sich selbst zu hinterfragen einfach stumpfsinnig ihren Mitmenschen folgten. Dadurch fühlten sie sich sicher, dass es schon nicht so schlimm sein würde, wenn eine große Gruppe sich hinreißen lässt, innerhalb des Milgram-Experiments bis ans Äußerste zu gehen.

Ein Forscher erklärt außerdem, dass es ein Bedürfnis ist, sich widerspruchsfrei zu verhalten und es damit schwer wäre, den Schritt von der 180-Volt-Stärke zu den 195-Volt-starken Schlägen nicht mehr zu gehen.

Eine Studie, die neben dem Milgram-Experiment ebenfalls fasziniert und dich mindestens genauso erschrecken dürfte, fand heraus, was mit dir passiert, wenn du dein Leben künftig ohne Smartphone bestreitest. Und: Forscher foltern anscheinend gerne, doch in diesem Fall war es nur eine Lego-Figur, die an ihr Limit gebracht wurde.

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