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Wo kommen wir her? Neuer Schwung in der Debatte um die Wiege der Menschheit

Wo befindet sich die Wiege der Menschheit?
Wo befindet sich die Wiege der Menschheit?
Foto: iStock/1971yes
Die Frage nach der ursprünglichen Wiege der Menschheit lohnt sich. Zumal deren exakter Standort bis heute als umstritten gilt und Gegenstand einer angeregten akademischen Debatte ist.

Der Homo Spapiens vermochte es innerhalb weniger Jahrtausende, ein Wimpernschlag in der Geschichte unseres Planeten, so tiefgreifend in die Geschicke und Gegebenheiten seines Lebensraums einzugreifen, dass Wissenschaftler heute vom Anthropozän sprechen. Dem Zeitalter des Menschen. Aber wo kommt unsere Spezies eigentlich her? Wo liegt die Wiege der Menschheit?

Die Wiege der Menschheit: Erkenntnisse wühlen die Wissenschaft auf

Bisher war man sich innerhalb der Wissenschaft relativ einig, dass die ursprüngliche Wiege des Menschen in Afrika liegen müsse. Dort, irgendwo im Osten des Kontinents, spaltete sich der genetische Weg zwischen Affe und Homioid. Diese Gewissheiten werden jedoch immer wieder in Frage gestellt. Wanderte der erste Mensch doch nicht durch die afrikanische Steppe?

Ein Forscherteam um Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Paleoenvironment (HEP) in Tübingen geht davon aus, dass die Wiege der Menschheit eventuell doch nicht auf dem afrikanischen Kontinent zu finden sein könnte. Nach der Untersuchung von zwei Fossilien, einem Unterkiefer aus Griechenland und einem Zahn aus Bulgarien, gelangten sie 2017 zu der Meinung, dass sie es mit einer bisher unbekannten vormenschlichen Art zu tun haben könnten.

Hauptsächlich die verschmolzenen Zahnwurzeln ihrer Funde brachten die Forscher zu diesem Schluss. Denn während diese bei Menschenaffen in der Regel getrennt liegen, treten sie bei Menschen und ihren ausgestorbenen Verwandten überwiegend in dieser zusammengewachsenen Form auf. Kommen die ersten Vormenschen also aus Europa?

Ist Europa die Wiege der Menschheit?

Rund 7,2 Millionen Jahre alt sind die beiden Fossilien aus dem östlichen Mittelmeerraum. Damit ist der Hominid Graecopithecus freybergi, wie die Wissenschaftler ihre Entdeckung tauften, mindestens eine Millionen Jahre älter, als der bisher älteste aus Afrika bekannte Vormensch Sahelanthropus. 40 Kilogramm soll der "El Graeco" etwa gewogen haben und ungefähr so groß gewesen sein, wie ein heutiges Schimpansenweibchen. Zudem soll er sich auf vier Beinen fortbewegt haben.

Damit brachte das Forscherteam neuen Schwung in eine Debatte, welche in der Paläontologie schon seit längerem ausgetragen wird. Immer wieder stoßen Forscher auf Fossilienfunde in Südeuropa und vermuten in ihnen die ersten Menschen gefunden zu haben. Die Wiege der Menschheit wird somit zum Objekt akademischer Diskussionen.

Der erste aufrechtgehende Mensch

2019 regte Böhm den Diskurs aufs Neue an. Ihre Analyse versteinerter Knochenreste eines Menschenaffen, welche im Allgäu gefunden wurden, ergab, dass dieser aufrecht auf zwei Beinen durch die urzeitlichen Wälder des eurasischen Kontinents spazierte. Ein Aufreger, ging man doch trotz ihrer bisherigen Funde immernoch davon aus, dass die Wiege des Menschen in Afrika liegen müsse.

Böhm bestätigte diese Entdeckung in ihrer Überzeugung, dass diese Annahme falsch sei und dass man auf dem europäischen Kontinent nach dem Ursprung der Menschheit suchen müsse. Von dort aus seien die ersten Vertreter unserer Spezies nach Afrika migiriert.

Liegt unser Ursprung weniger in der Biologie, als in der Physik? Sind diese seltsamen Partikel für die Entstehung der Menschheit verantwortlich? Vielleicht müssen wir auch viel früher mit der Suche beginnen. Beispielsweise beim Urknall. Allerdings ranken sich bis heute zahlreiche Mythen um das Ereignis.

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