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Künstlich oder natürlich? Das wissen wir über den Coronavirus-Ursprung

Künstlich oder natürlich? Es verdichten sich wissenschaftliche Erkenntnisse zum Coronavirus-Ursprung.
Künstlich oder natürlich? Es verdichten sich wissenschaftliche Erkenntnisse zum Coronavirus-Ursprung.
Foto: iStock.com/wildpixel
Was wissen wir über die Herkunft des Erregers? Es verdichten sich wissenschaftliche Erkenntnisse, ob der Coronavirus-Ursprung künstlich oder natürlich ist.

Mindestens seitdem die ganze Welt über das Coronavirus spricht, gibt es Gerüchte über den "wahren" Coronavirus-Ursprung. So kursieren Gerüchte darüber, dass die Herkunft nicht natürlich ist, sondern der Erreger einem Versuchslabor entstammt. Bis heute können wir nicht zu 100 Prozent sagen, woher Sars-CoV-2 wirklich kommt. Doch die wissenschaftlichen Erkenntnisse verdichten sich nun.

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Coronavirus-Ursprung: Das ist bekannt

Die neuen Erkenntnisse, die Wissenschaftler mittlerweile erlangt haben, unterstützen offenbar die Theorie, dass ein natürlicher Coronavirus-Usprung wahrscheinlicher ist als ein künstlicher. Zu dieser Theorie kamen der Evolutionsbiologe Andrew Rambaut von der Universität Edinburgh und seine Kollegen bereits im März 2020.

Im Fachblatt Nature schilderten sie ihre Erkenntnisse wie folgt: "Obwohl die Beweise zeigen, dass Sars-CoV-2 kein absichtlich manipuliertes Virus ist, ist es derzeit unmöglich, die anderen hier beschriebenen Theorien seiner Herkunft zu beweisen oder zu widerlegen. Da wir jedoch alle bemerkenswerten Sars-CoV-2-Merkmale [...] bei verwandten Coronaviren in der Natur beobachtet haben, glauben wir nicht, dass irgendeine Art von laborbasiertem Szenario plausibel ist."

Nun erklärt der Evolutionsbiologe per Twitter, dass die Untersuchungen, die es seit der Nature-Studie gegeben hat, diese aufgestellte Theorie stützen.

So könnte das neue Coronavirus entstanden sein

Andrew Rambaut geht bei insgesamt zwölf Tweets auf verschiedene wissenschaftliche Arbeiten, die zum Coronavirus-Ursprung erschienen sind, ein. Laut des Forschers finden sich neuen Analysen zufolge all jene Genvarianten, die Sars-CoV-2 besonders machen, im Erbgut von Coronaviren, die es in Fledermäusen und Pangolinen gibt.

Ist ein Tier mit solchen Viren infiziert, so sei es möglich, dass das Erbgut des einen Virus mit den Genen des anderen vermischt werden kann. Das, was daraus resuliert, erhält eine neue Kombination von Eigenschaften – also Genmutationen:

  • Es gibt die Genmutation, die dem Virus ermöglicht, sich an die menschliche Zelle, an das Spike-Protein, zu binden. Die Rezeptor-Bindungs-Domäne (RBD) des Proteins kommt in einem Pangolin-Coronavirus vor. Pangolinen-Viren fehlen aber die anderen charakteristischen Mutationen von Sars-CoV-2. Es könnte daher sein, dass das Fledermaus-Virus RaTG13, das Sars-CoV-2 am ähnlichsten ist, diese RBD-Mutation einst besaß, aber verloren hat. Oder aber, es wurde mit einem RBD-Erbgutstück ausgetauscht, welches typisch für die Fledermaus ist.
  • Es gibt die Genmutation, die dem Spike-Protein die Eigenschaft ermöglicht, das Virus in Lungenzellen zu schleusen. Diese ist bereits in einem anderen Coronavirus entstanden, das Forscher in einer Fledermaus entdeckt und HKU9 genannt haben. Es könnte sein, dass diese Mutation von jenem Virus aufgeschnappt wurde, aus dem sich später das uns bekannte Sars-CoV-2 entwickelt hat.

Der Evolutionsbiologe kommt letztlich zu folgender Zusammenfassung: "All die Dinge, die Sars-CoV-2 besonders machen und die entscheidend dafür sind, wie es Menschen infiziert, wie es übertragen wird und sich unter uns verbreitet, sind Eigenschaften, die in einem Fledermausvirus zusammengekommen sind." Außerdem erklärt er weiter: "Die Tatsache, dass es Menschen infiziert und erfolgreich weitergegeben wird, ist einfach Zufall mit einer großen Dosis von Beurteilungsverzerrung."

Auch dieses Team stellte fest, dass eines der älteren Merkmale, das Sars-CoV-2 mit seinen Verwandten teilt, die RBD ist, welche es dem Virus ermöglicht, Rezeptoren auf der Oberfläche menschlicher Zellen zu erkennen und an diese zu binden.

Weitere Studie zum Ursprung

Ende Juli 2020 präsentierte ein weiteres internationales Forscherteam seine Ergebnisse zum Coronavirus-Usprung. Auch demnach existiere Sars-CoV-2 vollkommen unbemerkt seit mehreren Jahrzehnten in Fledermäusen. Es fand heraus, dass sich die Abstammungslinie, zu der Sars-CoV-2 gehört, vor etwa 40 bis 70 Jahren von anderen Fledermausviren trennte.

Obwohl das RaTG13-Coronavirus dem Sars-Cov-2-Virus zu 96 Prozent ähnelt, haben sich die beidem Virus-Arten mindestens seit 1969 unterschiedlich weiterenwickelt, heißt es auf Seiten der Pennsylvania State University, an welcher einer der Hauptautoren der Studie, Maciej Boni, beschäftigt ist.

Es scheint, als kämen Forschende aus aller Welt der Frage nach dem Coronavirus-Ursprung immer näher. Kürzlich sorgte allerdings eine aus China geflohene Virologin von der Universität Hong Kong, für Aufregung. Sie behauptete nämlich unter anderem, dass das chinesische Militär beim Coronavirus-Urprung die Finger im Spiel gehabt habe.

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