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Entgegen des galaktischen Karussels: Seltener Weißer Zwerg schießt explosionsartig durchs All

Ein seltener Weißer Zwerg, der einst durch eine partielle Supernova zerrissen wurde, flitzt mit enorm hoher Geschwindigkeit durch die Milchstraße.
Ein seltener Weißer Zwerg, der einst durch eine partielle Supernova zerrissen wurde, flitzt mit enorm hoher Geschwindigkeit durch die Milchstraße.
Foto: iStock.com/kevron2001
Ein einzigartiger Weißer Zwerg versetzt Astronomen bereits seit Jahren in Erstaunen, denn er bewegt sich mit hoher Geschwindigkeit in Gegenrichtung zur Rotation der Galaxie. Nun scheint das Rätsel gelöst.

Weiße Zwerge sind dichte und äußerst kleine Sternenkerne, die zurückbleiben, wenn sich Sterne ähnlich unserer Sonne am Ende ihres Brennzyklus befinden und demnach in sich zusammenfallen, ohne dabei jedoch eine Supernova zu zünden. Die Himmelskörper bestehen zumeist aus Kohlenstoff und Sauerstoff und sind umgeben von einer Hülle aus Helium und Wasserstoff. Über ein solches, enorm seltenes Exemplar eines Zwergsterns rätseln Astronomen bereits seit Jahren, denn dieser flitzt mit einer ungewöhnlich hohen Geschwindigkeit und entgegen des galaktischen Karussells durch unsere Milchstraße. Wurde der Stern einst durch eine Supernova zerrissen?

Rätsel um raren Weißen Zwerg aufgedeckt: Zerrissen durch eine Supernova

Astronomen der University of Warwick sichteten mithilfe der Daten des Gaia-Satelliten der ESA den Weißen Zwerg SDSS J1240+671, der ein außergewöhnliches Exemplar seiner Gattung darstellt. Der rare Sternenrest rast mit der hohen relativen Geschwindigkeit von 250 Kilometern pro Sekunde durch die Milchstraße, weiterhin bewegt sich der nur 0,41 Sonnenmassen leichte Weiße Zwerg in Gegenrichtung zur Rotation der Galaxie.

Ebenso merkwürdig erscheint die ungewöhnliche Elementzusammensetzung der Sternleiche, denn laut der getätigten Spektralanalysen besteht dieser aus einer Mischung der Elemente Sauerstoff, Neon, Magnesium und Silizium, ebenso sind Substanzen wie Aluminium, Calcium und Natrium präsent. Solche schwereren Atome entstehen jedoch zumeist nur während einer Supernova, sprich einer Explosion eines massereichen Sterns.

Der besagte Weiße Zwerg weist demnach zahlreiche Eigenschaften auf, die die These unterstützen, dieser habe eine thermonukleare Explosion erlebt,obgleich der Zwergstern für diese Erklärung eine zu geringe Masse aufweist. Das Team der Astronomen um Studienleiter Boris Gaensicke offenbarte ebenso die Möglichkeit, der Sternenrest sei einst Teil eines Doppelsternsystems gewesen, demnach gravitativ verbunden mit einem weiteren Stern.

Lediglich eine partielle thermonukleare Explosion

"Wenn der Weiße Zwerg sich in der Vergangenheit als Teil eines engen Doppelsystems offenbarte und eine thermonukleare Explosion erlebte, könnte dies einen Großteil seiner Masse weggerissen haben", eröffnet Gaensicke. "Das Resultat wäre ein Weißer Zwerg mit geringer Masse, der sehr schnell davonfliegt."

Dieses explosive Ereignis könnte sich den Astronomen zufolge vor etwa 40 Millionen Jahren ereignet haben. Eine solche Supernova würde ebenso die erhöhte Temperatur des abstrusen Weißen Zwerges erklären, der mit einem Wärmezustand von rund 20.500 Kelvin deutlich heißer ausfällt als andere Sternleichen, berichtet Scinnex.

Unklar bleibt letztlich, aus welchem Grund Elemente wie Eisen, Nickel, Chrom und Mangan innerhalb von SDSS J1240+671 nicht nachweisbar sind, obwohl ebendiese Atome während des Höhepunkts einer Supernova entstehen. Der Weiße Zwerg erlebte eventuell nur eine unvollständige Supernova, also eine Explosion, die verfrüht abbrach oder nur Teile des Sterns erfasste.

Übrigens: Einer der hellsten Sterne am Nachthimmel strahlt wieder in voller Pracht. Die bevorstehende Beteigeuze-Supernova soll die Verdunklung nicht ausgelöst haben. Forscher sehen dunkle Flecken als Ursache.

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