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Gefährliches Selbstexperiment: Ein rumänischer Forensiker spielte mit einem Strick – und dem Tod

Ein rumänischer Arzt erforschte Anfang des 20. Jahrhunderts den Tod durch das Erhängen.
Ein rumänischer Arzt erforschte Anfang des 20. Jahrhunderts den Tod durch das Erhängen.
Foto: iStock.com/vovashevchuk
Was passiert mit einem Menschen, während er sich erhängt? Nun, um diese Frage zu beantworten, startete ein rumänischer Forensiker Anfang des 20. Jahrhunderts ein absurdes Selbstexperiment.

In mehreren Versuchsreihen, die jeweils nur wenige Sekunden andauerten, versuchte der Forensiker Nicolae Minovici im letzten Jahrhundert den Tod durch das Erhängen zu erkunden. Im Rahmen eines der absurdesten und radikalsten Selbstexperimente der Welt erhängte sich Minovici aufgrund dessen gleich mehrmals – und spürte somit wissenschaftlichen Irrtümern nach.

Wissenschaftliches Selbstexperiment: Forensiker erkundete das Erhängen

Im Jahr 1905 publizierte der rumänische Gerichtsmediziner Nicolas Minovici die Arbeit "Etude sur la pendaison" ("Studie über das Erhängen"), die das besagte Thema auf 238 Seiten ausschöpft und nach einer eingängigen Untersuchung jegliche Fragen zu dieser Todesart ausräumt. Denn die Selbstexperimente, die dieser Studie zugrunde liegen, klingen ebenso verrückt wie lebensmüde: Minovici erhängte sich selbst ganze zwölf Mal.

"Das Hängen ist ein gewalttätiger Akt, bei dem der Körper, aufgehängt am sich in einer an einem festen Punkt befestigten Schlinge befindenden Hals und seinem eigenen Gewicht überlassen, über das Seil einen starken Zug ausübt, was eine plötzliche Bewusstlosigkeit herbeiführt, die Atemfunktion stoppt und zum Tod führt" – diese wissenschaftliche Definition liefert der Arzt in seiner Studie.

Minovicis Team simulierte den Tod mit dem Seil

Mithilfe seiner Kollegen simulierte der Wissenschaftler den Tod mit dem Seil, indem das Team nicht nur äußerliche physische Prozesse, sondern auch die subjektive Wahrnehmung während des gefährlichen Vorgangs studierte.

Die Simulation startete zunächst mit dem Versuch, den Zeigefinger so lange an die Halsschlagader zu drücken, bis dem Probanden schwarz vor Augen wurde. Der nächste Versuch zielte darauf ab, die gesamte Blutzufuhr für den Kopf des Probanden zu unterbrechen, indem Minovici und seine Kollegen eine unvollständige Erhängung simulierten – der Wissenschaftler wollte die Blutzufuhr zu seinem Kopf durch das Ziehen an einer Seilschlinge selbst unterbrechen, verlor nach sechs Sekunden jedoch das Bewusstsein.

Im Laufe des Selbstexperiments wurden die Versuche der Wissenschaftler immer riskanter. So ließ sich Minovici zuletzt tatsächlich von seinen Assistenten an einer Schlinge vom Boden heben. Obwohl er sich dabei am Kehlkopf und Zungenbein verletzte, wurde auch dieser Versuch mehrmals wiederholt, berichtet Spektrum.

Das radikale Selbstexperiment klärte einen wissenschaftlichen Irrtum auf

In der Studie selbst verweist Minovici mehrmals auf die Gefahr der Selbstexperimente, wertet diese jedoch letztlich als Erfolg. Denn: Der Forensiker konnte nicht nur die Symptome des Erhängens detailliert beschreiben, sondern auch die bis dahin herrschende Annahme korrigieren, dass Erhängte ersticken würden. Der Tod sei vielmehr auf die unterbrochene Blutzufuhr im Gehirn zurückzuführen.

Ebenso abstrus erscheint übrigens das behäbige Pechtropfenexperiment, das vor nunmehr 93 Jahren ins Leben gerufen wurde. Als spannend, jedoch moralisch fragwürdig, offenbart sich außerdem ein Versuch, innerhalb dessen Affen menschliche Gehirne eingepflanzt wurden.

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