In einer Entfernung von circa 420 Lichtjahren zur Erde liegen die Gestirne Scorpius (Scorpion) und Ophiuchus (Schlangenträger). Dort haben Astronom:innen zwischen 70 und 170 „freischwebende Planeten„, sogenannte Einzelgänger-Planeten, entdeckt. Sie verfügen über Massen ähnlich denen der Planeten unseres Sonnensystems, kreisen aber nicht um einen Stern. Erstmals wurden Objekte wie diese in den 1990er Jahren entdeckt. In einer Menge wie nun wurden sie aber bei keiner vorherigen Beobachtung gezählt.

Milchstraße: Wandernde Planeten entdeckt

Ein Team von Astronom:innen, das Daten von mehreren Teleskopen der Europäischen Südsternwarte (ESO) verwendete, hat die Planeten unmittelbar vor der Milchstraße entdeckt. Es ist die größte jemals entdeckte Gruppe solcher Objekte. Die Beobachtung solcher Himmelskörper ist nicht einfach, so dass bisher relativ wenig über sie bekannt ist.

Um dennoch eine solche Menge der Objekte zu finden, hat das Team Beobachtungsdaten des NOIRLab Astro Data Archive aus 20 Jahren ausgewertet. Die Forscher:innen maßen dabei kleine Bewegungen, Farb- und Helligkeitsveränderungen von Dutzenden Millionen Quellen über einen großen Bereich des Himmels. Auf diese Weise konnten sie SciTechDaily zufolge die verwaisten Planeten zuverlässig identifizieren.

„Die Fundgrube des NOIRLab Astro Data Archive war für diese Studie von grundlegender Bedeutung. Wir benötigten sehr tiefe und weiträumige Bilder sowohl im optischen als auch im nahen Infrarot, die eine lange Zeitspanne abdecken. Daher waren die Dark Energy Camera und NEWFIRM für unser Projekt sehr interessant, da sie zu den empfindlichsten Weitwinkelkameras der Welt gehören.“

Hervé Bouy, Astronom am Laboratoire d’Astrophysique de Bordeaux und Projektleiter der Studie

Archivdaten sind unerlässlich

Durch die Untersuchung der entdeckten wandernden Planeten erhoffen sich die Astronom:innen eine Erklärung dafür, wie diese mysteriösen Objekte genau entstehen. Einige glauben, dass sie durch die Kontraktion von Gaswolken entstehen, die zu klein sind, als dass sie ein Stern bilden könnten. Andere sind der Meinung, dass diese Planeten aus ihrem Muttersystem herausgeschleudert wurden. Doch welcher Mechanismus wahrscheinlicher ist, bleibt bislang unklar.

„Dieses Projekt zeigt, wie wichtig es ist, den Zugang zu Archivdaten verschiedener Teleskope zu ermöglichen, nicht nur in den USA, sondern weltweit. Dies ist etwas, woran NOIRLab und insbesondere das CSDC seit einigen Jahren hart arbeiten und dies auch weiterhin mit Unterstützung der NSF tun.“

Chris Davis, Program Officer bei der National Science Foundation für das NOIRLab der NSF

Quellen: SciTechDaily; „A rich population of free-floating planets in the Upper Scorpius young stellar association“ (2021, Nature Astronomy)

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