Allein in Deutschland greift fast ein Viertel der Bevölkerung ab 18 Jahren regelmäßig zur Zigarette. Die schwersten Folgen durch das Rauchen, wie Lungenkrebs und Tod, sind seit langem bekannt. Neu ist dagegen die Erkenntnis, dass Tabakkonsum noch Jahrzehnte später selbst die körperliche Entwicklung der eigenen Urenkel beeinflussen könnte.

Rauchen und die Folgen: Rätselhafter Zusammenhang gefunden

Eine aktuelle Studie, die am 21. Januar 2022 in Scientific Reports veröffentlicht wurde, deutet den ungewöhnlichen Zusammenhang an. Demnach sollen die Urenkelinnen von Männern, die in ihrer vorpubertären Phase geraucht haben, als junge Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit überschüssiges Körperfett aufweisen.

Die beteiligten Forschenden erklären dazu, es handele sich um eine „der ersten menschlichen Demonstrationen generationsübergreifender Effekte einer Umweltbelastung über vier Generationen“, wie ScienceAlert berichtet.

„Wenn diese Zusammenhänge durch andere Daten bestätigt werden, wird dies eine der ersten menschlichen Untersuchungen mit Daten sein, die dafür geeignet sind, (…) die Ursprünge potenziell wichtiger generationsübergreifender Beziehungen auseinanderzunehmen.“

Jean Golding, Epidemiologe an der Bristol Universität (Vereinigtes Königreich)

Erste Nachweise der unbekannte Folgen des Rauchens

2014 hatte der leitende Autor, der Epidemiologe Jean Golding, mit einem Team Daten aus der als „Kinder der 90er“ bezeichneten Untersuchung „Avon Longitudinal Study of Parents and Children“ analysiert. Dabei handelt es sich um eine Beobachtungsstudie schwangerer Frauen und ihrer Familien, die in den frühen 1990er Jahren begonnen und ursprünglich auch von Golding durchgeführt wurde.

Die damalige Analyse legte offen, dass die Söhne von Vätern, die noch vor dem Alter von 11 Jahren mit dem Rauchen angefangen hatten, sehr wahrscheinlich einen höheren Body-Mass-Index (BMI) in ihrer Jugend aufweisen. Einschließlich einem durchschnittlich größeren Hüftumfang und höheren Ganzkörperfettanteil.

Im Rahmen der aktuellen Studie sind Golding und seine Kollegen nun noch tiefer in das „Kinder der 90er „-Datenset eingestiegen. Dabei zeigte sich, dass sich das Phänomen noch deutlich weiter über die Generationen erstreckt. Unter anderem von einem Großvater zu seiner Enkelin sowie von einem Urgroßvater zu dessen Urenkelin.

„Wir weisen jetzt nach, dass Enkelinnen, aber nicht Enkel in zwei Altersstufen [17 und 24 Jahre] Anzeichen von überschüssiger Fettmasse zeigen, wenn der Großvater väterlicherseits vorpubertär mit dem Rauchen begonnen hat [jünger als 13], im Vergleich zu später in der Kindheit (13-16 Jahre).“

Golding et al.

Waren es dagegen die Großväter mütterlicherseits, traf die gleiche Beobachtung auf deren Urenkelinnen, aber nicht Urenkel zu.

Weitere Untersuchungen nötig

Dass Rauchen mit solchen Folgen einhergehen kann, erlaubt Golding zufolge auch eine andere Betrachtungsweise der Umstände, aus denen Kinder übergewichtig sind. So muss dies nicht mit ihrer gegenwärtigen Ernährung und körperlichen Bewegung zu tun haben. Vielmehr könnte der Lebensstil ihrer Vorfahren eine Rolle spielen.

Dennoch sei sehr viel mehr Forschung zu dem Phänomen nötig, um zu verstehen, was dabei passiert. Auch sei man sich der Begrenzungen der eigenen Analyse bewusst. So fehle eine große Menge an Daten, wie etwa das Wissen der Teilnehmenden über die Kindheit und Begleitumstände ihrer Eltern und Großeltern.

Quellen: ScienceAlert, Scientific Reports: „Human transgenerational observations of regular smoking before puberty on fat mass in grandchildren and great-grandchildren

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