Auch fortschrittliche Zahnbürsten und höchst effektive Zahnpasta reichen nicht aus, wenn du sie nicht häufig genug nutzt. Wie oft Zähne putzen oft genug ist, wissen wir in der Theorie schon seit Kindheitstagen. Wir verraten dir aber, was genau die Wissenschaft dahinter besagt – und worin die Risiken bestehen, wenn du zu oft oder zu selten Mundhygiene betreibst.

Wie oft Zähne putzen ist genug?

Die meisten von uns lernten schon spätestens in der Grundschule eine griffige Faustregel: Dreimal täglich solltest du je drei Minuten lang Zahnpflege betreiben. Doch ist diese Vorgabe noch immer aktuell? Immerhin gibt es ganz unterschiedliche Arten von Zahnbürsten. Eine davon mal eben in der Mittagspause auszupacken, dürfte allgemein eher ein unrealistisches Szenario darstellen. Wie oft Zähneputzen ist dann aber nötig?

Die Forschung geht in diesem Fall in eine relativ deutliche Richtung: Zwei- bis dreimal täglich solltest du deine Zähne putzen und dabei auch die Zahnseide nicht vergessen. Damit beugst du nicht nur Karies vor. Diverse Studien weisen darauf hin, dass von mangelhafter Mundhygiene selbst dein Herz ernste Schäden davontragen kann.

Regelmäßig Zähne putzen – darum ist es wichtig

Nicht ausreichende Mundhygiene kann einige unangenehme Folgen mit sich bringen. Schon 2010 stellte ein Team der University of Bristol fest, dass schädliche Bakterien vom Mundraum in den Blutkreislauf gelangen können. Infolge dessen könne es im schlimmsten Fall sogar zu einem Herzinfarkt kommen.

„Wenn die Blutplättchen zusammenklumpen, umschließen sie die Bakterien vollständig.  Dies bietet einen Schutz nicht nur vor dem Immunsystem, sondern auch vor Antibiotika, die zur Behandlung der Infektion eingesetzt werden könnten.  Leider kann die Verklumpung der Blutplättchen nicht nur den Bakterien helfen, sondern auch kleine Blutgerinnsel, Wucherungen an den Herzklappen (Endokarditis) oder Entzündungen der Blutgefäße verursachen, die die Blutzufuhr zu Herz und Gehirn blockieren können.“

Prof. Howard Jenkinson (via University of Bristol)

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Umfangreiche Risiken

Eine weitere Studie rund um die Risiken mangelhafter Mundhygiene veröffentlichte ein Team rund um Yoonkyung Chang von der Abteilung für Neurologie im Mokdong-Krankenhaus der koreanischen Ewha Womans University College of Medicine. Sie wollten herausfinden, ob die Entzündung das ist, was das Risiko eines unregelmäßigen Herzschlags und einer Herzinsuffizienz erst hervorruft.

Um ihre These zu beweisen oder zu widerlegen, nutzten die Wissenschaftler:innen im Voraus erhobene Daten von über 160.000 Menschen im Alter von 40 bis 79 Jahren. Keine der Personen wies eine Vorgeschichte mit den beiden Gesundheitsrisiken auf. Anhand von Merkmalen wie der Mundhygienegewohnheiten und dem Lebensstils wurden sie 10,5 Jahre lang beobachtet. Drei Prozent, also 4.911 Proband:innen entwickelten ein Vorhofflimmern, 4,9 Prozent (7.971) eine Herzinsuffizienz.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen lag in einer wesentlichen Frage: Wie oft Zähne putzen? Die einen pflegten ihren Mundraum dreimal am Tag – das war die „gesündere“ Gruppe. Wer das tat, konnte das persönliche Risiko für die Entwicklung unregelmäßigen Herzschlags verringern. Der Studie zufolge ist der Grund dafür die Menge an Bakterien in den Taschen zwischen Zahn und Zahnfleisch.

Weitere Untersuchungen nötig

Das Problem sei damit nicht endgültig gelöst, doch geben sich die Forscher:innen zuversichtlich: „Wir haben eine große Gruppe über einen langen Zeitraum untersucht, was unsere Ergebnisse untermauert“, zitiert die Presseagentur Reuters den Seniorautor Dr. Tae-Jin Song. Trotzdem sei weitere Forschung nötig, insbesondere an nicht-koreanischer Bevölkerung.

„Es ist sicherlich zu früh, um das Zähneputzen zur Vorbeugung von Vorhofflimmern und kongestiver Herzinsuffizienz zu empfehlen. Während die Rolle der Entzündung für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen immer offensichtlicher wird, sind Interventionsstudien erforderlich, um Strategien zu definieren, die für die öffentliche Gesundheit von Bedeutung sind“.

Dr. Tae-Jin Song (via Reuters)

Kann man sich zu oft die Zähne putzen?

Auch wenn weitere Forschung nötig ist, um wirklich zu wissen, welche Folgen Zähneputzen haben kann, sind sich viele Experten einig. Es lohne sich nicht, auf die Frage „Wie oft Zähne putzen?“ mit Extremen zu reagieren. Das bestätigt auch Andreas Schwitalla, Berliner Oranchirurge, gegenüber Fitbook. Er rät dazu, auf drei Dinge zu achten:

  1. Hygiene ernst nehmen: zweimal täglich die Zähne putzen sollte schon sein
  2. Die richtige Technik anwenden: Die Fegetechnik bedeutet, die Zahnbürste leicht schräg anzusetzen und die Beläge zwischen Zahnfleisch und Zahn quasi wegwischen, unbedingt ohne Druck putzen.
  3. Zähne nicht zu oft putzen: Ein Putzzwang kann zu freiliegenden Zahnhälsen und Empfindlichkeit auf Wärme und Kälte führen. Eine halbe Stunde sollte nach der letzten Mahlzeit vergangen sein.

Quellen: University of Bristol; „Improved oral hygiene care is associated with decreased risk of occurrence for atrial fibrillation and heart failure: A nationwide population-based cohort study “ (2020, European Journal of Preventive Cardiology); Reuters; Fitbook

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