Plastik im Meer ist ein Problem, was uns durch die mediale Berichterstattung anscheinend überall begegnet. Das Problem wirkt daher omnipräsent – und daher vermutlich auch weniger bedrohlich. Zahlen und Fakten zeigen jedoch, dass die Meeresverschmutzung durch Tüten, Flaschen und andere Müll durchaus jeden von uns betrifft.

Immer mehr Plastik in den Weltmeeren

Wie der WWF schreibt, vergrößert sich die Menge an Plastik im Meer jedes Jahr beachtlich. Derzeit geht man davon aus, dass jährlich etwa 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen an Kunststoff in den Ozeanen landen. Ein Großteil dieses Mülls bleibt dem Menschen hierbei verborgen, weil er entweder in einer größeren Meerestiefe treib oder bereits auf den Meeresboden gesunken ist. Nur ein Bruchteil wird an die Küsten geschwemmt.

Die Heinrich Böll-Stiftung liefert hier genauerer Zahlen. So sollen allein 39 Prozent des weltweiten Plastikmülls offen in den Meeren treiben. 34 Prozent sammeln sich an den Küsten und ganze 27 Prozent liegen verborgen an den Böden der Ozean. Interessant ist hierbei das Verhältnis, betrachtet man etwa europäische Gewässer wie das Mittelmeer. Durch Industrie und Tourismus verbucht dieses bereits einen Anteil von sieben Prozent des weltweiten Mikroplastikaufkommens in den Meeren – bei nur einem Prozent der weltweiten Wasserfläche.

Nach derzeitigen Schätzungen befinden sich 80 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren. Eine so große Menge bleibt nicht ohne Folgen, denn die Meeresströmungen sorgen dafür, dass sich die Abfälle teils in riesigen Formationen ansammeln. Ein besonderes Beispiel hierfür ist der sogenannte „Great Pacific Garbage Patch“ im Nordpazifik. Fast schon zynisch sprechen Naturschützer:innen hierbei von einem Kontinent, einer durch Menschen erzeugten Landmasse, die ungefähr viereinhalb Mal so groß ist wie Deutschland. Der WWF hat eine interaktive Karte erstellt, auf sämtliche bereits bekannte Mengen an Plastik im Meer zu sehen sind. Außerdem zeigt diese Karte, wie sich der Plastikmüll durch die Meeresströmungen verteilt.

Woher kommt das ganze Plastik

So sehr wir uns auch über unsere Mülltrennung hierzulande freuen, kommen viele Verpackungen aus Kunststoff aus den Industrienationen wie zum Beispiel aus Deutschland. Wie der NABU berichtet, exportiert Deutschland jedes Jahr ungefähr eine Million Tonnen Plastik mit einem Gesamtwert von circa 254 Millionen Euro.

Viele Jahre galt die Volksrepublik China als größter Abnehmer für Plastikabfälle. Das Land hat jedoch vor einigen Jahren seine Grenzen für die Einfuhr von Plastikabfällen gesperrt. Hauptabnehmer sind derzeit Malaysia, die Niederlande und die Türkei. Allein nach Malaysia verschiffte die Bundesrepublik 2020 knapp 170.000 Tonnen Verpackungsmüll. Vieles davon ist Plastik aus deutschen Unternehmen, dass so über Umwege im Meer landet.

Gefahr durch Plastik und Mikroplastik in den Meeren wächst 

Bereits jetzt sind 3.000 Arten von der enormen Menge an Plastik in den Weltmeeren beeinträchtigt, etwa durch verschluckte Verpackungen oder ähnliches. Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass bis 2050 vermutlich jeder Meeresvogel Plastikteile oder Mikroplastik in sich tragen werde. Gerade Kunststoffteile in den Mägen von Tieren löst schwere Komplikationen bei der Verdauung aus. Infolgedessen können die Tiere verenden.

Mikroplastik, das Häufig durch den Abrieb von Kunststoffverpackungen entsteht, oder aus kosmetischen Produkten, hat bereits jetzt eine nachweislich schädigende Wirkung auf Organismen wie Muscheln. Außerdem gefährden immer größere Plastikablagerungen Korallenriffe. Außerdem ist bereits jetzt fangfrischer Fisch durch Mikroplastik kontaminiert. Somit landen Teile unseres selbst produzierten Abfalls wieder in unserem Körper. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Menge an Plastik im Meer im Laufe des Jahrhunderts reduziert, weil die Weltmeere eine der wichtigsten Biotope auf unseren Planeten sind. Milliarden Menschen leben an ihren Küsten. Diesen Lebensraum zu säubern, wird neben dem Klimawandel vermutlich eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sein.

Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. Hier kannst du den Betroffenen helfen.

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