Wenn Menschen etwas vertuschen wollen, reagieren sie in der Regel so, dass sie das Gegenteil erreichen. Gerade in Zeiten des Internets generiert das Verheimlichen von Informationen oft noch mehr Aufmerksamkeit. Da kann ein Shitstorm schonmal vorprogrammiert sein. Es scheint, als würden wir auf geheimgehaltene Nachrichten sehr allergisch reagieren. Dieses Phänomen ist als Streisand-Effekt bekannt.

Streisand-Effekt: Die Ursprünge

Wie alles im Internet-Zeitalter, hat auch der nach der Sängerin Barbara Streisand benannte Effekt einen Ursprung. Im Prinzip geht es um eine besondere Form der Zensur, die durch das Internet-Zeitalter entstanden ist. Die Grenzen des Internets sind durchaus unübersichtlich.

So machte 2002 der Fotograf Kenneth Adelman für den Bundesstaat Kalifornien 12.000 Fotos, um die Erosion in den Küstengebieten zu dokumentieren. Die Bilder stellte er online. Auf einem war jedoch auch das Haus der Sängerin Barbara Streisand zu sehen. Kurzerhand verklagte die Sängerin Adelman auf eine stattliche Summe von 50 Millionen Euro, schließlich wollte sie ihren privaten Rückzugsort vor den Blicken Neugieriger schützen.

Das Problem: Aufgrund der absurd hohen Summe und der Klage an sich ging der Rechtsstreit viral. Nachrichtensender wurden auf die Klage aufmerksam. Vor dieser hatten lediglich sechs Personen das Foto ihres Anwesens heruntergeladen, darunter auch zwei ihrer Anwälte. Nachdem die Klage an die Öffentlichkeit gelangt war, hatten 420.000 User*innen das Bild ihres Anwesens heruntergeladen.

Der Bumerang

Der Streisand-Effekt funktioniert wie ein Bumerang. Der Fall zeigt, dass die Sängerin genau das Gegenteil von dem erreicht hat, was sie eigentlich wollte. In dem sie die Ansicht ihres Anwesens zensieren wollte, aktivierte sie erst die Netzgemeinschaft. In der Fachsprache ist ein solches Phänomen auch als „umgekehrte Psychologie“ bekannt.

Mit dem Aufstieg des Internets wurde dem Effekt eine neue Bedeutung beigemessen. Wir können viel schneller Nachrichten abrufen. So erfahren wir auch schneller, wenn schlechte Nachrichten der Öffentlichkeit vorenthalten werden sollen. Wie der digitale Guide IONOS schreibt, ermöglichte das auch Netzwerke wie Wikileaks, die feines Gespürt dafür haben, wann uns wichtige Informationen vorenthalten werden sollen.

Der Namensgeber des Streisand-Effekts, Mike Masnick, verhalf diesem Phänomen in einem Post von 2005 zu seinem Namen:

„Wie lange wird es dauern, bis die Anwälte erkennen, dass der einfache Versuch etwas zu zensieren, was sie nicht mögen, dazu führt, dass etwas, das die meisten Menschen nie sehen würden (wie das Foto eines Urinals in irgendeinem beliebigen Badeort), jetzt von sehr vielen Menschen gesehen wird? Nennen wir es den Streisand-Effekt.

Mike Masnick via Know Your Meme

Ein kaum zu berechnender Effekt

Das soziale Phänomen ist anscheinend lenkbar, doch das Gegenteil ist der Fall. Auch unseriöse Dienstleister nutzen den Effekt, um etwas Verschwörungstheorien zu verbreiten. So gibt es unzählige Beispiele von Berichterstattungen, die behaupten, Politiker*innen würden uns etwas verschweigen. Ziel solcher Lügen ist es, den Streisand-Effekt für eine Empörungswelle zu nutzen.

Es gibt noch viele andere Dinge, die unserem Gehirn einen Streich spielen können. Wenn du zum Beispiel wissen möchtest, was der Mandela-Effekt ist, haben wir auch hierfür einen Beitrag für dich. Außerdem zeigen wir dir, was intelligente Menschen von anderen unterscheidet.

Quellen: eigene Recherche, IONOS, Know Your Memes

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