Stehst du unter Stress, schüttelt dein Körper das Hormon Cortisol aus. Menschen, die sich besonders gut in andere hineinversetzen können, ändern dann laut einer Studie ihr Verhalten: Sie sind dann weniger altruistisch.

Stress: So ändert er das Verhalten

Eine Person, die altruistisch ist, verhält sich selbstlos und wendet Kräfte oder Ressourcen an, ohne eine Gegenleistung zu erwarten oder zu bekommen. Doch offenbar ändert sich das Verhalten von altruistischen Menschen, wenn sie unter Stress stehen und ihr Körper das Stresshormon Cortisol ausschüttelt.

Forschende der Universität Hamburg beschäftigten sich mit der Frage, wie und durch welche neurokogniktiven Mechanismen Stress die altruistische Entscheidungsfindung beeinflusst. Das Ergebnis ihrer Studie:

„Wie und durch welche Mechanismen Stress sich auf Altruismus auswirken kann, bleibt schwer fassbar. Wir beobachteten, dass das Stresshormon Cortisol mit vermindertem altruistischem Verhalten verbunden war.“

Stefan Schulreich et al.

Allerdings warnt Stefan Schulreich davor, die Ergebnisse zu verallgemeinern. So könne Stress Altruismus sogar in bestimmten Situationen fördern. Das könnte etwa der Fall sein, wenn man unmittelbar mit dem Leiden anderer konfrontiert ist (via Spektrum):

„Die Wissenschaft beginnt erst langsam zu verstehen, unter welchen Bedingungen Stress sich positiv oder negativ auf das Sozialverhalten auswirkt.“

Stefan Schulreich et al.

Das ist die Studie

Wie testeten die Forschenden überhaupt den Zusammenhang zwischen Stress und Cortisol und Altruismus? Das Forschungsteam setzte einen Teil der 35 Versuchspersonen (männlich und weiblich) mehrere Minuten unter Druck. Sie stellten ein unangenehmes Bewerbungsgespräch nach, das aufgezeichnet wurde. Der andere Teil der Versuchspersonen musste nur eine stressfreie Kontrollbedingung absolvieren.

Vor und nach dem Test sollten die Probandinnen und Probanden festlegen, wie viel Geld sie an eine gemeinnützige Organisation spenden wollten. Während sie diese Entscheidung treffen mussten, lagen sie in einem MRT-Hirnscanner.

Der MRT-Hirnscanner zeigte, dass Teilnehmenden mit einer starken Cortisolausschüttung weniger spendabel waren – doch nur, wenn sie normalerweise besonders gut darin waren, die Perspektiven und Absichten anderer Menschen wahrzunehmen. Bei also eher altruistischen Versuchspersonen veränderte sich die Aktivität des sogenannten „dorsolateralen Präfrontalkortex“ unter dem Einfluss von Cortisol.

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Quellen: „Altruism under Stress: Cortisol Negatively Predicts Charitable Giving and Neural Value Representations Depending on Mentalizing Capacity“ (The Journal Of Neuroscience, 2022), Spektrum

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