Stirbt ein Baby unerwartet im Schlaf und ohne erkennbaren Grund, spricht man von einem Plötzlichen Kindstod; international auch „sudden infant death syndrome“ (SIDS). Bisher standen Wissenschaftler*innen bei der Ursachenforschung vor einem Rätsel. Eine eindeutige Erklärung für den tragischen plötzlichen Tod gab es nicht. Nun könnten Forscherinnen aus Australien jedoch eine mögliche Ursache entdeckt haben.

Plötzlicher Kindstod: Mögliche Ursache entdeckt

In ihrer Studie zum Plötzlichen Kindstod untersuchte das australische Forschungsteam das Enzym Butyrylcholinesterase (BChE). Dieses hat einen großen Einfluss auf die Kommunikation des Gehirns. Ist es im Gehirn eines Babys nicht aktiv genug, könnte es dazu führen, dass es nicht automatisch aufwacht, sollte die Atmung aussetzen. Das würde erklären, warum der Plötzliche Kindstod fast immer im Schlaf auftritt.

„BChEsa, gemessen in getrockneten Blutflecken, die 2-3 Tage nach der Geburt entnommen wurden, war bei Babys, die später an SIDS starben, niedriger als bei überlebenden Kontrollen und anderen Nicht-SIDS-Todesfällen. Wir schließen daraus, dass ein zuvor nicht identifiziertes cholinerges Defizit, identifizierbar durch abnormales -BChEsa, bei der Geburt von SIDS-Babys vorhanden ist und eine messbare, spezifische Anfälligkeit vor ihrem Tod darstellt.“

Carmel Therese Harrington et al.

In ihrer Studie untersuchten die Forscherinnen Blutproben von 67 Babys, die im Alter zwischen einer Woche und zwei Jahren gestorben waren. Sie verglichen diese mit gesunden Babys.

Plötzlicher Kindstod: Fälle in Deutschland
Im Jahr 2020 starben in Deutschland 84 Kinder am Plötzlichen Kindstod. Vor mehr als 30 Jahren starben noch über 1.000 Kinder jährlich an SIDS (laut Kindernotfall Bonn; Universitätsklinikum Bonn).

Ein wissenschaftlicher Durchbruch?

Können wir sagen, dass es sich bei den Ergebnissen der Studie um einen wissenschaftlichen Durchbruch handelt? Zum Teil. Zunächst müssen sie in weiteren Untersuchungen bestätigt werden, erklärt etwa Jakob Maske, Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte dem WDR.

Bisher sieht es danach aus, als könnte mit dem Butyrylcholinesterase-Enzym vorausgesagt werden, ob ein Risiko für den Plötzlichen Kindstod besteht. Man könnte BChE als Biomarker nutzen. Die Wissenschaftlerinnen möchten nun ein Screening-Test entwickeln.

Quellen: „Butyrylcholinesterase is a potential biomarker for Sudden Infant Death Syndrome“ (The Lancet, 2022); Kindernotfall Bonn; WDR

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