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Antarktis: Gewaltiger Eisberg bewegt sich auf den offenen Ozean – sie ist so groß wie London

Die Antarktis ist von gewaltigen Rissen durchzogen. Sie können zum Abbruch gewaltiger Eismassen führen – Forschende sind daher wachsam.

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Die Antarktis – wer hat sie eigentlich entdeckt?

Im Jahr 1820 stieß eine russische Expedition erstmals auf Ausläufer der Antarktis. Gerade mal ein Jahr später entdeckten amerikanische Forscher ihr Festland.Doch waren sie tatsächlich die ersten Menschen, die den Kontinent erforschten? Tatsächlich scheint es, als sei sie schon lange vorher besucht worden.

In Gebieten mit extremen Temperaturen macht sich der Klimawandel besonders stark bemerkbar. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jede klimatische und landschaftliche Veränderung auf menschliche Einflüsse zurückführbar ist. Den Fall eines kürzlich verzeichneten Abbruchs am Rand der Antarktis etwa sehen Forschende als von der Erderwärmung unabhängiges Ereignis an.

Antarktis: Brunt-Schelfeis bricht ab

Am Nord- und Südpol beobachten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten massive Schmelzen, die ihren Ursprung im Klimawandel haben. Sie können mitunter zu Rissen und infolgedessen zur Abspaltung größerer Eismassen vom Festland führen. Doch kann dieser Prozess, das sogenannte „Kalben“, auch auf natürliche Weise zustande kommen.

Zwischen 19:00 und 20:00 Uhr Ortszeit löste sich das 150 Meter dicke Brunt-Schelfeis vom Rest der Antarktis. Mit einer Fläche von circa 1.550 Quadratkilometern ist der Eisberg fast doppelt so groß wie Berlin und nähert sich damit eher der britischen Hauptstadt London an. Grund dafür war ein unter dem Namen Chasm-1 bekannter Riss, der im Laufe der vergangenen Jahre einen starken Zuwachs verzeichnete.

„Unsere Glaziologen und Betriebsteams haben sich auf dieses Ereignis vorbereitet“, erklärt Professorin Dame Jane Francis, Direktorin der British Antarctic Survey (BAS). „Messungen des Schelfeises werden mehrmals täglich mit einem automatisierten Netz von hochpräzisen GPS-Instrumenten durchgeführt, die die Station umgeben. Diese messen, wie sich das Schelfeis verformt und bewegt, und werden mit Satellitenbildern von ESA, NASA und dem deutschen Satelliten TerraSAR-X verglichen.“

Anschließend würden die gesammelten Daten zur Analyse nach Cambridge geschickt. Auf diese Weise behalten die Forschenden auch dann den Überblick über die Lage vor Ort, wenn ihre Station nicht besetzt ist.

„Kalbungsereignis wurde erwartet“

„Dieses Kalbungsereignis wurde erwartet und ist Teil des natürlichen Verhaltens des Brunt-Schelfeises“, ergänzt Professor Dominic Hodgson, ein Glaziologe der BAS. „Es hat nichts mit dem Klimawandel zu tun. Unsere wissenschaftlichen und operativen Teams überwachen das Schelfeis weiterhin in Echtzeit, um seine Sicherheit zu gewährleisten und die wissenschaftliche Arbeit auf Halley aufrechtzuerhalten“.

Die glaziologische Struktur des Brunt-Schelfeises sei äußerst komplex. Das mache die Auswirkungen von Kalbungsereignissen an der Caird-Küste der Antarktis unvorhersehbar. Im Jahr 2016 etwa verlegte das BAS vorsorglich die Halley-Forschungsstation 23 Kilometer landeinwärts von Chasm-1, nachdem der Riss begann sich zu erweitern.

Quelle: British Antarctic Survey

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