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Erde: Forscher wollen den Planeten belauschen – die Technologie dafür nutzen wir schon täglich

Im kosmischen Sinne mag die Erde zwar nicht besonders groß sein. Für den Menschen ist sie es aber schon. Von daher mutete die Idee, den gesamten Planeten belauschen zu wollen, gigantisch an.

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Was würde passieren, wenn die Erde aufhört, sich zu drehen?

So verändert sich die Erde, wenn sie sich aufhören würde zu drehen.

In der Forschung kommen allerlei Instrumente und Werkzeuge für Beobachtungen und Messungen jedweder Art zum Einsatz. Um zum Beispiel neue Erkenntnisse zur Erde zu gewinnen, gibt es Satelliten im Orbit oder es werden Grabungen und Bohrungen durchgeführt. Für ein neues Projekt will man aber den Planeten umfangreich von unterhalb der Oberfläche belauschen. Dafür will man auf eine bereits umfassend vorhandene Technologie zurückgreifen.

Die Erde belauschen: Glasfaserkabel sollen es möglich machen

Norwegische Forschende haben in einer neuen Studie diesen ungewöhnlichen Vorschlag gemacht. Um die Erde und auch die Ozeane umfangreich studieren zu können, will man dafür die vielen schon verlegten Glasfaserkabel verwenden. Diese werden in erster Linie für die Telekommunikation wie zum Beispiel das Internet genutzt, könnten aber auch für die Wissenschaft zweckentfremdet werden.

Insgesamt sollen circa 1,2 Millionen Kilometer an Glasfaserkabeln bereits in Böden und Meeren weltweit verlegt worden sein. Diese könnten einerseits selbst für viele neue Erkenntnisse sorgen. Zusätzlich bestünde aber auch die Möglichkeit, sie zum Beispiel mit Satelliten und anderen Gerätschaften zu kombinieren, um so den gesamten Globus in Echtzeit überwachen zu können.

Auf die Weise könnte man Stürme und Erdbeben besser registriert und verfolgt werden sowie die Reiserouten von Schiffen oder Walen. Auch defekte Pipelines könnte man so ausfindig machen.

Auch spannend: Tief im Inneren verbirgt sich übrigens der Erdkern, der sich eigentlich langsam aber stetig dreht. Nun haben Forschende festgestellt, dass der Erdkern offenbar zum Stehen gekommen ist.

Besondere Glasfaser-Eigenschaften sollen es möglich machen

Glasfaserkabel sorgen nicht nur für schnellstes Internet. Das Material bringt auch Eigenschaften mit, die vielleicht noch nicht sehr bekannt sind. Tatsächlich kann es nämlich akustische Signale aufgreifen. Jeder noch so kleine Knick und jede kleine Biegung im Kabel, die durch akustische wie auch tatsächliche Wellen verursacht wird, kann erkannt und interpretiert werden.

Erst letztes Jahr gab es dazu eine Untersuchung, bei der man Wale mit Hilfe eines einzigen, etwa 120 Kilometer langen Kabels geortet hat. Insgesamt 800 Wal-Gesänge nahm man auf diese Weise wahr – und einen Sturm, der 13.000 Kilometer entfernt wütete.

Glasfasertechnik noch nicht perfekt für die Wissenschaft

Noch steht dem allumfänglichen Lauschangriff der Wissenschaft auf die Erde das ein oder andere Hindernis im Weg. Dazu gehört unter anderem, dass die Resultate der Kabel allein auch viele störende Beiprodukte enthalten können, die es schwer machen, die exakten Daten aus ihnen zu extrahieren. Deshalb können zusätzliche Mittel wie Satelliten zusätzliche Informationen liefern.

Nichtsdestotrotz arbeitet man bereits an der Lösung dieses und anderer Probleme. Das Potenzial für einzigartige Forschung sei jedenfalls aufgrund der immensen Präsenz an Kabeln gegeben und viele neue Entdeckung seien dadurch möglich.

Quellen: „Sensing whales, storms, ships and earthquakes using an Arctic fibre optic cable“ (Scientific Reports, 2022), „Eavesdropping at the Speed of Light: Distributed Acoustic Sensing of Baleen Whales in the Arctic“ (Frontiers in Marine Science, 2022)

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