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Antarktis: Forscher machen beunruhigende Entdeckung – „Folgen werden jeden betreffen“

Der sogenannte „Doomsday“-Gletscher Thwaites in der Antarktis versetzt die Wissenschaft aktuell in Alarmbereitschaft.

Gletscher in der Antarktis
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Gletscherschwund: "Wir haben 14 Mal den Bodensee verloren"

Der Wissenschaftler Philipp Rastner spricht über die moderne Gletscherforschung und was der dramatische Eisverlust für globale Auswirkungen hat.

In der Antarktis gibt es einen Gletscher, dessen Abschmelzen besonders dramatische Auswirkungen haben kann. Sollte Thwaites kollabieren, würde er zu einem dramatischen Anstieg des Meeresspiegels führen. Forschende fanden nun heraus, dass er auf unerwartete Weise schneller schmilzt.

Antarktis-Gletscher „ist in Schwierigkeiten“

Eine neue Studie, die am 15. Februar im Fachjournal Nature veröffentlicht wurde, sowie eine weitere Untersuchung deuten an, dass die Risse und „Stufen“-Formationen unter Thwaites deutlich schneller schmelzen als bislang angenommen.

Mithilfe eines torpedoförmigen Roboters untersuchten die Forschenden Temperatur und Salzgehalt unter dem Gletscher. „Der Gletscher ist immer noch in Schwierigkeiten“, erklärt Peter Davis, Ozeanograph am British Antarctic Survey und leitender Autor der anderen Studie. Demnach „braucht es nicht viel, um den Gletscher aus der Balance zu bringen“.

Die Entdeckung, die dabei überraschte: Die Unterwasserlandschaft von Thwaites weist überall im Eis treppenartige Terrassen und Spalten auf. In diesen Bereichen schreitet das Schmelzen besonders schnell voran. „Der Gletscher schmilzt nicht nur weg, er schmilzt aus“. Dieser Vorgang „könnte der primäre Auslöser für den Kollaps des Schelfeis sein“, heißt es in der Nature-Studie.

Nicht nur in der Antarktis: Thwaites bedroht auch uns

Obwohl der Gletscher weit entfernt ist, spielt Thwaites auch für Deutschland eine Rolle. Das liegt nicht zuletzt an seinen Ausmaßen. Laut CNN ist in etwa so groß wir der US-amerikanische Bundesstaat Florida und befindet sich in der westlichen Antarktis.

Dass der Gletscher sich dort hält, liegt zum Teil an Schelfeis, das bis auf die Oberfläche des Ozeans hervorragt. Dieses fungiert wie ein Korken, der den Gletscher auf dem Land festhält und somit eine wichtige Verteidigung gegen den Anstieg des Meeresspiegels darstellt.

„Obwohl der Ort so abgelegen ist, werden die Folgen des Geschehens auf Thwaites jeden betreffen.“

David Rounce, Glaziologe (Carnegie Mellon University)

Milliarden Tonnen Eis pro Jahr

Mit zunehmendem Klimawandel verändert sich der Gletscher in der Antarktis demnach immer schneller. Bereits jetzt gibt er jährlich Milliarden Tonnen an Eis in den Ozean ab. Damit trägt er zu vier Prozent des Meeresspiegelanstiegs bei.

Sollte Thwaites selbst komplett zusammenbrechen, würde dies einen Anstieg um 70 Zentimeter bedeuten und Küstenregionen auf der ganzen Welt zerstören. Da der Gletscher gleichzeitig als Damm für das umgebende Eis der West-Antarktis dient, könnte es laut Wissenschaftler*innen bei einem Kollaps auch bis zu 300 Zentimetern Anstieg kommen.

Quellen: Nature: „Suppressed basal melting in the eastern Thwaites Glacier grounding zone“(15. Februar 2023), CNN

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