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„Müssen uns anschnallen“: Forscher warnen vor zerstörerischem Ereignis – es kann Folgen für die gesamte Erde haben

Verschiedene Expertenteams warnen inzwischen vor dem Wetterphänomen El Niño. Es kann durch die Erderwärmung zu neuen Hitzerekorden führen und früher auftauchen als bislang vermutet.

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Es gibt neue Prognosen zum Wetterphänomen El-Niño. Laut aktuellen Erkenntnissen könnte dieses deutlich früher in Erscheinung treten als bisher angenommen. Erste Warnungen zu einem möglichen „Super-El-Niño“-Ereignis gab es bereits vor wenigen Monaten. Die prognostizierte Entwicklung ist den Fachleuten zufolge durch den Klimawandel bedingt. Selbst die Vereinten Nationen (UN) hatten sich deshalb zu Wort gemeldet.

Klimawandel: „Super-El-Niño“ ursprünglich für August vorhergesagt

Bisherige Vorhersagen stellten in Aussicht, dass uns das Phänomen im August erreichen könnte. Diese spezielle Folge des Klimawandels sei in der Lage, so Forschende, globale Ausmaße anzunehmen. Gleich sieben Klimamodelle auf der ganzen Welt deuteten darauf hin.

El-Niño tritt auf, wenn das Oberflächenwasser des östlichen Pazifiks wärmer ist als normal. Das kann schon unter gewöhnlichen Umständen katastrophale Auswirkungen haben. Da El Niños durch den vom Menschen verursachten Klimawandel aber auch stärker werden, sind die daraus resultierenden Wetterereignisse zugleich immer schwieriger zu bewältigen.

Hinter El-Niño verbergen sich nicht zyklisch veränderte Meeresströmungen im ozeanografisch-meteorologischen System (El Niño-Southern Oscillation, ENSO) des Pazifiks nahe dem Äquator. Der Name des Phänomens leitet sich von „El Niño de Navidad“ ab und bezieht sich auf das neugeborene Jesuskind, weil dessen Geburt zeitlich mit dem Auftretens des Wetterereignisses aufeinanderfällt. Er stammt von peruanischen Fischern, die den Effekt aufgrund der dadurch ausbleibenden Fischschwärme wirtschaftlich zu spüren bekommen.

Das australische Bureau of Meteorology teilte vor kurzem in einem Update mit, dass alle sieben von ihm untersuchten Modelle – einschließlich der Modelle von Wetterdiensten in Großbritannien, Japan und den USA – zeigten, dass die Meeresoberflächentemperaturen im August die El-Niño-Schwelle überschreiten.

Nach Angaben eines leitenden Wissenschaftlers der US National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) treten El Niños in der Regel etwa alle vier Jahre auf. „Wir sind fällig“, sagte Dr. Mike McPhaden von der NOAA (via The Inertia). Dem Bureau of Meteorology zufolge bestehe immerhin eine 50-prozentige Chance, dass sich vor Ende des Jahres ein El Niño entwickle.

Neue Daten sprechen von Mai bis Juli

Dass sich das Phänomen anders entwickelt, zeigen immer mehr Korrekturen ursprünglicher Prognosen. So schätzte die Weltorganisation für Meteorologie der Vereinten Nationen (WMO) schätzt zuletzt, dass sich El Niño mit relativer Sicherheit und bis Ende Juli mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit sowie bis Ende September mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit entwickeln wird.

„Jetzt sollte sich die Welt auf die Entwicklung von El Niño vorbereiten“, gab WMO-Chef Petteri Taalas in einem Statement an.

Neueste Schätzungen von NOAA sprechen jetzt davon, dass ein zumindest mäßiger El Niño bereits im Zeitraum von Mai bis Juli beginnt und sich bis in den Winter der nördlichen Hemisphäre fortsetzt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich El Niño bis Juli bildet und bis in den Winter der nördlichen Hemisphäre anhält, liegt jetzt bei 82 Prozent, mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent im späteren Verlauf des Sommers, so die NOAA.

Die Wahrscheinlichkeit eines zumindest mäßigen El Niño am Ende des Jahres wird mit 80 Prozent angegeben, mit einer Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent für ein starkes El Niño-Ereignis.

„Ein mäßiger bis starker El Niño erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass 2024 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen wird, und die Wahrscheinlichkeit, dass es das erste Jahr sein könnte, in dem die Temperatur 1,5°C übersteigt, erheblich.“

Zeke Hausfather, Leiter der Klimaforschung beim Zahlungsdienstleister Stripe, in einer E-Mail gegenüber Axios

Folgen für die gesamte Erde

Klar scheint dagegen, dass „dies (…) die Wetter- und Klimamuster weltweit verändern“ wird, wie Wilfran Moufouma Okia, Leiter der Abteilung für regionale Klimavorhersagedienste der WMO, vor Reportern in Genf sagte (via Science Alert). „Wir rechnen in den kommenden zwei Jahren mit einem ernsthaften Anstieg der globalen Temperaturen.“

Und mit dieser Meinung ist er nicht allein. „Die wirklich großen Wetterereignisse wirken sich auf den gesamten Planeten aus, mit extremen Dürren, Überschwemmungen, Hitzewellen und Stürmen“, warnt Dr. Mike McPhaden von der NOAA (US National Oceanic and Atmospheric Administration). „Wenn das passiert, müssen wir uns anschnallen. Es könnte aber auch im Sande verlaufen. Wir sollten so oder so wachsam und vorbereitet sein.“

Die WMO wies darauf hin, dass 2016 „das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen war, und zwar aufgrund eines sehr starken El-Niño-Ereignisses und der vom Menschen verursachten Erwärmung durch Treibhausgase“.

Da sich der El-Niño-Effekt auf die globalen Temperaturen in der Regel im Jahr nach seinem Auftreten bemerkbar macht, werden die Auswirkungen wahrscheinlich im Jahr 2024 am deutlichsten zu spüren sein, so der Bericht.

Quellen: Bureau of Meteorology, The Inertia, Weltorganisation für Meteorologie der Vereinten Nationen, ScienceAlert, NOAA, Axios

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