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Ozean: Riesiges Loch entdeckt – niemand weiß, was es enthält

Nahe der Halbinsel Yucatán fanden Forschende das weltweit zweittiefste blaue Loch. Es bietet extremer Biologie eine vielversprechende Heimat.

Ozean unter Wasser in einer natürlichen Höhle
u00a9 Tek - stock.adobe.com

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Am 8. Juni ist Tag des Meeres. Der Aktionstag soll auf die Bedrohung der Weltmeere aufmerksam machen.

Wissenschaftler*innen vom El Colegio de la Frontera Sur (Ecosur) berichten in einer neuen Veröffentlichung über die Entdeckung eines blauen Lochs auf dem Bodes des Meeres der Bucht von Chetumal in Mexiko nahe der Halbinsel Yucatán. Es ist die weltweit zweittiefste, bisher beobachtete Formation.

Riesiges blaues Loch im Meer: So viel wissen Forschende

Das neu gefundene Loch weist eine Tiefe von etwa 274 Metern und eine Oberfläche von rund 13.690 Quadratmetern auf. Es trägt den Namen Taam Ja‘, was in der Maya-Sprache „tiefes Wasser“ bedeutet.

Mit einer kreisrunden Öffnung in der Nähe der Oberfläche, nur circa 4,5 Metern unter dem Meeresspiegel, bilden die steilen, über 80 Grad geneigten Hänge eine große konische Struktur, die den Wissenschaftler*innen zufolge von Biofilmen, Sedimenten, Kalkstein und Gipsvorsprüngen bedeckt ist.

Obwohl das neue blaue Loch nahe der südöstliche Küste der Halbinsel Yucatán in bereits 2021 entdeckt wurde, haben die Forschenden ihre Erkenntnisse erst vor kurzem in einer in der Zeitschrift Frontiers in Marine Science veröffentlichten Studie detailliert beschrieben.

Die Untersuchung der mikrobiellen Vielfalt in diesen blauen Löchern kann einen Einblick in die Art des Lebens geben, das in dieser einzigartigen Umgebung überlebt.

Leben wird im blauen Loch begünstigt

Die National Oceanic and Atmospheric Association (NOAA) bezeichnet blaue Löcher als Unterwasser-Krater oder Einsturzlöcher. Sie bestehen den Expert*innen zufolge aus Karst (Kalziumkarbonatgestein) und sind als ökologische Hotspots bekannt.

„Blaue Löcher sind vielfältige Lebensgemeinschaften voller Meereslebewesen wie Korallen, Schwämme, Weichtiere, Meeresschildkröten, Haie und mehr. Die Meerwasserchemie in den Löchern ist einzigartig.“

NOAA

Das Problem: Blaue Löcher sind schlecht zugänglich, was ihre Erforschung erschwert. Die manchmal zu kleinen Öffnungen oder zu großen Tiefen, aber auch der begrenzte Sauerstoffgehalt im Wasser, der eine Erkundung ohne Spezialausrüstung gefährlich macht, sind dabei die größten Hindernisse.

Lohnenswert ist ihre Erkundung dennoch. Denn die gasreichen Umgebungen, die sich mit Schwefelwasserstoff füllen, bieten einer extremen Biologie eine Heimat. Ihre einzigartige Mischung aus Wassereigenschaften und biologischem Leben reizt Forschende zumindest, die Tiefen der blauen Löcher zu erforschen, um mehr über ihre Beschaffenheit und das Leben, das darin existieren kann, zu erfahren.

Quellen: „First insights into an exceptionally deep blue hole in the Western Caribbean: The Taam ja’ Blue Hole“ (2023, Frontiers in Marine Science), NOAA

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