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„Selbst Experten erstaunt“: Meteorologe warnt vor wahnsinniger Rekord-Hitze

Die Jetstreams der Erde deuten auf extreme Hitzewellen sowie weitere, teils gefährliche Wetterphänomene hin.

Erde
u00a9 imago images / CHROMORANGE

Klimawandel: Die Auswirkungen auf Natur und Gesellschaft

Der menschengemachte Klimawandel verändert unsere Welt mit vielfältigen Folgen. Welche Bereiche sind akut betroffen?

Die globale Klimakrise wird von Tag zu Tag deutlicher. Ein besonders beunruhigendes Phänomen ist das chaotische und unvorhersehbare Verhalten der Jetstreams der Erde. Die Muster dieser globalen Luftströme, vor allem der südliche Teil über Nordamerika, zeigen inzwischen eine Zufälligkeit, die an ein Van Gogh-Gemälde erinnert. In der Vergangenheit waren sie über weite Entfernungen hinweg kontinuierlich und verliefen überwiegend von Westen nach Osten, aber die aktuelle Fragmentierung ist beispiellos und führt zu intensiven Hitzewellen, die selbst erfahrene Meteorologen wie Jeff Berardelli nur schwer verstehen können.

Jetstreams: Meteorologen bemerken eigenartiges Verhalten

„Wenn ich mir diesen Jetstream ansehe, kommt mir das Wort Wahnsinn in den Sinn“, schrieb Berardelli vorvergangenen Dienstag in einem Tweet. „Es ist sogar noch erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass es Mitte Juni ist! Diese Konstellation, die wahrscheinlich durch die Klimaerwärmung verstärkt wird, führt zu einer Rekord-Hitze, die so extrem ist, dass selbst Experten erstaunt sind!“

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Michael E. Mann, ein bekannter Klimawissenschaftler und Autor, der das Verhalten planetarischer Wellen ausgiebig untersucht hat, zeigt sich ebenfalls fassungslos über die Fragmentierung der Jetstreams. Gelegentlich werden diese sozusagen blockiert und halten Wettersysteme für längere Zeit in bestimmten Regionen fest. Die Häufigkeit dieser Blockaden scheint sich durch den Klimawandel jedoch maßgeblich erhöht zu haben.

Die Auswirkungen dieser sich verändernden Muster seien offensichtlich: Die traditionellen Jetstreams würden „langsam und wackelig“, so Mann, wahrscheinlich aufgrund des Klimawandels. Eine aktuelle Studie belegt, dass die steigenden Temperaturen in der Arktis die Jetstreams in der nördlichen Hemisphäre abschwächen. El Niño, ein weiterer Faktor, der zu diesen Veränderungen beiträgt, hat die Dinge noch komplizierter gemacht, indem er die Breitengrade der Jetstreams verändert und damit die südlichen Regionen der USA dem brutalen Hitzedom ausgesetzt hat.

Nicht nur Schuld des Klimawandels

Die Folgen dieser Veränderungen sind beängstigend greifbar. Allein in den USA sind derzeit 40 Millionen Menschen mit Hitzewarnungen konfrontiert, und in der letzten Woche sind weit verbreitete Stromausfälle zur Regel geworden. Das Epizentrum des Hitzedoms, das sich über Mexiko befindet, hat sogar ein großes Vogelsterben ausgelöst. Der Klimatologe Maximiliano Herrera habe die Hitzewelle in Teilen Mexikos als „Kategorie 7“ auf der Hitzeindex-Skala eingestuft, so Berardelli . Das sei ein Hinweis auf eine noch nie dagewesene Größenordnung, die die bisherige „jenseits von extrem“ liegende Kategorie 5 weit übertrifft.

Die Klimakrise ist eindeutig keine ferne zukünftige Bedrohung, sondern eine anhaltende, eskalierende Katastrophe. In der Vergangenheit waren anomale Jetstream-Muster mit extremen Wetterereignissen entweder auf der Nord- oder der Südhalbkugel verbunden, selten mit beiden gleichzeitig. Die derzeitige Situation stellt jedoch eine Ausnahme dar, da anormale Jetstreams weltweit ungewöhnliche Wetterereignisse verursachen.

„Es ist erwähnenswert, dass die Extreme, die wir erleben, nicht nur auf den Klimawandel zurückzuführen sind“, betont Berardelli allerdings. Dieser sei nur ein Teil der Ursachen. „Der Wechsel von La Niña zu El Niño spielt wahrscheinlich ebenso eine Rolle wie der Ausbruch des Vulkans Hunga Tonga, der Wasserdampf in die Stratosphäre bläst.“ Während es in Texas und Mexiko extrem heiß ist, sei es an der Westküste eiskalt. „Sie können darauf wetten, dass Sie bei extremen Wetterlagen sowohl heiße als auch kalte Extreme erleben werden.“

Quellen: Twitter/@WeatherProf; Twitter/@MichaelEMann; „Warming Arctic brings jet-stream waviness and extreme weather“ (Nature, 2022)

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