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Archäologie: Neuer Fund in Lübeck macht traurig

Ein archäologischer Fund rückt Lübeck in den Mittelpunkt der Wissenschaft. Er verweist auf eine ganz bestimmte Bevölkerungsgruppe.

Archäologen untersuchen Grab
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Die 5 wichtigsten archäologischen Funde aller Zeiten

Jahrtausende menschlicher Kultur bringen auch nach langer Zeit immer wieder erstaunliche Erkenntnisse hervor.Wir zeigen dir die fünf wichtigsten archäologischen Funde aller Zeiten.

Archäologische Funde öffnen uns ein Fenster die Vergangenheit. Doch neben seltenen Artefakten, wertvollen Schmuckstücken und opulenten Gräbern finden sich auch traurige Funde der ärmeren, längst verstorbenen Bevölkerung. Ein Massengrab in Lübeck regt zum Nachdenken an.

Archäologischer Fund galt den Ärmsten der Armen

Der archäologische Fund findet sich unweit vom Werkhaus St. Annen. Das ehemalige Augustinerinnen-Kloster galt rund 200 Jahre lang als eine Zuflucht für den armen Teil der Stadtbevölkerung. In der Sozialeinrichtung lebten nicht nur unzählige Frauen, Männer und Kinder – sie starben auch dort.

Eine riesige Grube ist die letzte Ruhestätte für etliche Tote, die zwischen 1639 bis 1868 im Kloster verstorben sind. „Wir haben hier kein Massengrab im herkömmlichen Sinn, sondern so etwas wie ein Gemeinschaftsgrab“, erklärt die Archäologin Katharina Ostrowski zum Fund. Die Besonderheit drückt sich durch die individuellen Särge aus, die jede Leiche erhielt.

Kinder und Babys zur Ruhe gesetzt

Manche von ihnen deuten auf einen höheren, gesellschaftlichen Status hin. So haben vermutlich Lehrer, Beamte und Ärzte jene Särge erhalten, die über besonders aufwendige Verzierungen verfügen. Andere Teile des archäologischen Funds erzählen weit tragischere Geschichten. So findet sich das Skelett eines Babys zwischen den Knochen zweier erwachsener Menschen.

„Ob die zusammengehört haben, wissen wir leider nicht“, gibt Ostrowski gegenüber der FAZ zu. Fakt ist, dass es sich hierbei nicht um die einzige Kinderleiche handelt. Von den insgesamt 200 bisher geborgenen Leichen stammen zwanzig Skelette von Kindern und Babys.

Insgesamt 50.000 Bestattungen

Der archäologische Fund an sich überrascht nicht. Man wusste von dem Armenfriedhof in der Nähe des Klosters. Doch das schiere Ausmaß hatte man nicht erahnt. Die drei Archäolog*innen, die das Gemeinschaftsgrab weiterhin freilegen und untersuchen, gehen davon aus, dass man in der zweihundertjährigen Geschichte rund 50.000 Tote hier vergraben habe müsste. Teilweise stapelte man bis zu sieben Särge übereinander.

Andere Details der Entdeckung bleiben vorerst im Dunkeln. Die Weise, wie das Grab angelegt wurde, deutet auf einen zwischenzeitlichen Platzmangel hin. Wie dieser entstanden sein muss, beispielsweise durch eine lokale Seuche, weiß man jedoch noch nicht. Man entnahm einigen der Leichen Proben, um womöglich etwas über die Todesursache herauszufinden.

Quelle: FAZ

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