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Archäologischer Fund: Über 400 Menschen „zum Leben erweckt“

Forscherinnen und Forscher haben einem recht großen archäologischen Fund mittels moderner Technologie quasi zu neuem Leben verholfen. Dadurch sind viele Erkenntnisse möglich.

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Nicht selten stoßen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei einem neuen archäologischen Fund auf menschliche Überreste. Manchmal weiß man durch den historischen Kontext, den Fundort und andere Hinweise, um wen es sich handelt. Oft genug aber bleiben die einstigen Menschen hinter den Skeletten anonym. Vor diesem Hintergrund ist es umso erstaunlicher, was jetzt an der Universität in Cambridge gelungen ist.

Archäologischer Fund: Leben von Menschen aus dem Mittelalter rekonstruiert

Grundlage für den Durchbruch ist ein schon länger zurückliegender archäologischer Fund: Schon 2010 fand man nämlich unter der ehemaligen Stätte des Krankenhauses of St. John the Evangelist (der heilige Johannes, dem Evangelisten) in England Hunderte nicht identifizierbare Gräber.

Für eine jetzt erst veröffentlichte Studie hat man die Knochen von mehr als 400 Erwachsenen und Kindern analysiert, die zwischen 1200 und 1500 vergraben wurden. Dabei kamen zahlreiche Daten aus verschiedenen wissenschaftlichen Feldern zum Einsatz, um bis zu 50 individuelle Charakteristika von jedem Skelett genauer zu erforschen. Man glaubt, dass man damit die umfangreichste Datensammlung zum mittelalterlichen England überhaupt zusammengestellt hat.

Auch spannend: Bei dieser Entdeckung konnte man im Nachhinein jede Menge Details extrahieren. Doch hier stellen wir dir sieben bizarre archäologische Funde vor, bei denen man im Dunkeln tappt.

Das waren die Menschen in den Gräbern

Durch die vielen gewonnen Informationen konnte das Forschungsteam sehr detailliert das Leben von damals als auch von einzelnen Individuen nachzeichnen. Dabei fanden sie Näheres zur Gesundheit und sogar dem Aussehen der Menschen heraus, wie sie in der Gesellschaft standen und wie das Krankenhaus funktionierte.

Die Menschen kamen wohl nicht aus einer einzigen sozialen Schicht. Zum archäologischen Fund gehören Waisenkinder, Personen mit akademischem Hintergrund und jene, die einst ein gutes Leben hatten und dann abstürzten. Auf einer extra für dieses Projekt eingerichteten Webseite können Interessierte ausgewählte Einzelschicksale der gefunden Personen nachlesen. Darunter sind rekonstruierte Biografien von Leuten, denen man Namen wie „Maria“ oder „Roger“ gegeben hat. Sogar Zeichnungen sind vorhanden, die zeigen, wie die Menschen damals aussahen und welchen Tätigkeiten sie wohl nachgingen.

Auch interessant: Etwa zehn männliche Skelette könnten von Akademikern stammen. Darauf deuten ihre symmetrischen Armknochen hin, die nahelegen, dass sie zu Lebzeiten keine körperlich schweren Arbeiten verrichten mussten.

So könnte das Krankenhaus funktioniert haben

Der archäologische Fund und die Untersuchung der vielen Skelette ermöglichten außerdem einen Einblick in das Krankenhaus selbst, unter dem sie entdeckt wurden. Viele verschiedene Menschen kamen dort zusammen, doch nur wenige konnte man behandeln, wie der federführende Forscher der Studie John Robb im Guardian zitiert wird.

Daraus ergibt sich die Frage, wie man damals entschied, wem man half. Man vermutet abschließend, dass man viele unterschiedliche Menschen behandelte, um eine größere Bandbreite an möglichen Spenderinnen und Spendern und deren Emotionen ansprechen zu können. Das soll das Überleben des Krankenhauses für 300 Jahre gesichert haben.

Quellen: „Pathways to the medieval hospital: collective osteobiographies of poverty and charity“ (Antiquity 2023), The Guardian, aftertheplage.org

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