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Geheimnis um Kinderskelett gelüftet: Er war „Vertrauter“ eines mächtigen Mannes

Der archäologische Fund eines Kinderskeletts in Italien ließ Forschende rätseln. Doch nun konnte dessen Identität aufgeklärt werden.

Ein begrabenes menschliches Skelett.
© Mulderphoto - stock.adobe.com

5 ärchäologische Funde, die noch heute Rätsel aufgeben

Einige Überbleibsel der Vergangenheit lassen auch nach tausenden von Jahren noch viele Fragen unbeantwortet.Wir zeigen dir 5 archäologische Funde, die auch heute noch eine Menge Rätsel aufgeben.

Oftmals sind es Details an archäologischen Funden, die Forschenden helfen, deren Mysterien zu entschlüsseln. So auch bei einem geheimnisvollen Kinderskelett, das man letzten Monat entlang der bedeutenden römischen Handelsstraße Via Appia entdeckte. Ein Kleidungsstück identifizierte den Minderjährigen als möglichen Teil eines einflussreichen Umfeldes mit Verstrickungen bis in das höchste Amt seiner Zeit.

Archäologischer Fund: Rätselhaftes Kinderskelett

Eher zufällig entdeckte man bei Sanierungsarbeiten unweit der St. Nikolaus Kirche das Grab eines etwa 15-jährigen Jungen. Dabei ließen zwei Details an dem archäologischen Fund Forschende aufmerken, berichtet die italienische Zeitung Roma Repubblica.

Ungewöhnlich ist zum einen, dass das Grab mit einer der Kirchenmauern verbunden war, diese jedoch nicht verändert worden war. Es wirkt, als ob das Begräbnis respektieren werden sollte. Zum anderem waren dem jung verstorbenen Teenager zwei metallene Gürtelschnallen beigelegt.

Gewaltiger Schatz: Dieser archäologische Fund versetzt Forschende ob seiner Größe ins Staunen.

„Sehr seltenes“ Kleidungsstück liefert Antworten

Letztere im Speziellen seien ein guter Indikator, um die Identität des Toten zu klären, ist sich Stefano Roascio, Archäologe des Parks Via Appia, sicher: „Vom Typ her ist der Doppelschnallengürtel für die damalige Zeit sehr selten. Das deutet darauf hin, dass der Verstorbene einen höheren Status gehabt haben muss“.

Die spezielle Form des Gürtels ermöglichte es Roascio und seinem Team, ihn bis zu seinem Entstehungsort zurückzuverfolgen. „Durch sorgfältige Untersuchung der Art der Schnallen konnten wir sie einer wichtigen Produktionsstätte in Pisa zu ordnen. Deren uns bekannte Formen scheinen mit den bei der Ausgrabung gefundenen Objekten perfekt kompatibel zu sein“.

Jene Produktion wurde damals von der einflussreichen Familie Gaetani unterstützt. Dabei ging der Einfluss des Clans aus Pisa jedoch weit über die Kleidungsherstellung hinaus. Auch bedeutende Konsuln und Bischöfe entstammten ihrem Geschlecht. Ihr Einfluss reichte sogar bis an die Spitze der katholischen Kirche.

Möglicher „Vertrauter“ des Papst

„Die Gaetani von Pisa pflegten Beziehungen zu Benedetto Caetani, noch bevor er Papst Bonifatius VIII. wurde,“ erläutert Roascio. Dabei unterstützten sie das spätere Oberhaupt des Vatikans bei seinem Aufstieg vom einfachen Kardinal hin zum Papst. Sogar eine eigene Bank sollen die Gaetani gegründet haben, um Bonifatius zu finanzieren.

„Es ist plausibel anzunehmen, dass der Tote dieser adligen Familie angehörte, die der Papst zu seinen Vertrauten ernannt hatte“, schlussfolgert Roascio. Dies könnte auch die besondere Aufmachung des archäologischen Fundes erklären. Vermutlich ließ Papst Bonifatius die Kirche an einer Stelle errichten, an der seine Vertrauten, die Gaetani, lebten. Um das Grab des verstorbenen Familienmitglieds seiner Unterstützerinnen und Unterstützer zu ehren, ließ er es vermutlich in die Kirchenfassade integrieren.

Quelle: Roma Repubblica

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