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In der Antarktis: Forscher finden Hinweis auf mögliche Katastrophe

Die Turquet’schen Oktopusse der Antarktis bieten durch ihre DNA-Studien aufschlussreiche Einblicke in den Klimawandel.

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Die Antarktis – wer hat sie eigentlich entdeckt?

Im Jahr 1820 stieß eine russische Expedition erstmals auf Ausläufer der Antarktis. Gerade mal ein Jahr später entdeckten amerikanische Forscher ihr Festland.Doch waren sie tatsächlich die ersten Menschen, die den Kontinent erforschten? Tatsächlich scheint es, als sei sie schon lange vorher besucht worden.


In den abgelegenen Meeresbuchten der Antarktis bieten zwei verschiedene Gruppen des Turquet’schen Oktopus (Pareledone turqueti) interessante Einblicke in die Klimageschichte der Erde. Neueste DNA-Studien haben aufgedeckt, dass diese räumlich voneinander getrennten Populationen früher eine einzige, große Gemeinschaft bildeten. Diese genetische Verknüpfung weist auf ein signifikantes Ereignis in der Vergangenheit hin: den Kollaps des gewaltigen Westantarktischen Eisschilds (WAIS), der sie nun voneinander trennt, der vor etwa 125.000 Jahren stattfand.

Antarktis: Das verrät uns Oktopus-DNA

Die Untersuchung dieser Oktopuspopulationen in den Weddell- und Rossmeeren hat Belege für einen genetischen Austausch vor etwa 70.000 Jahren erbracht. Dieser Genfluss impliziert, dass einst alte Seewege über den WAIS existierten, die wahrscheinlich durch seinen Kollaps während vergangener Zwischeneiszeiten ermöglicht wurden. Dieser Befund stimmt mit Theorien vergangener Klimaänderungen überein und wirft Bedenken hinsichtlich der aktuellen Stabilität des Eisschilds angesichts steigender globaler Temperaturen auf.

Der potenzielle Zusammenbruch des WAIS ist ein kritisches Anliegen in der heutigen Klimakrise. Während die historische Auflösung des Eisschilds ein natürlicher Teil des Klimazyklus der Erde war, wird die aktuelle Situation durch vom Menschen verursachte globale Erwärmung verschärft. Dies wirft die Frage auf, ob die westliche Antarktis einem ähnlichen Kollaps ausgesetzt ist, eine große Unsicherheit in der zeitgenössischen Klimamodellierung.

Klimamodelle haben im Laufe der Jahre unterschiedliche Vorhersagen über das Schicksal des antarktischen Eises gemacht. Frühere Modelle prognostizierten einen minimalen Eisverlust innerhalb des Jahrhunderts, aber aktuelle Beobachtungen zeigen eine gegensätzliche Realität. Heute verliert die Westantarktis Eis in einem alarmierenden Tempo, mit einer Region, die massive Eisberge schneller abgibt als der Rest des Kontinents.

Beunruhigende Klimaprognose

Der Thwaites-Gletscher in der Westantarktis, gemeinhin als „Doomsday Glacier“ bezeichnet, ist besonders besorgniserregend. Sein potenzieller Kollaps könnte allein zu einem signifikanten Anstieg des globalen Meeresspiegels beitragen. Jüngste Berichte deuten darauf hin, dass dieser Gletscher kaum noch Halt findet, was die Ängste hinsichtlich seiner Stabilität und der breiteren Auswirkungen auf den globalen Meeresspiegel und das Klima verstärkt.

Die Forschung über den Turquet’schen Oktopus und den WAIS bietet wertvolle Einblicke in die mögliche Zukunft des Klimas unseres Planeten. Sie legt nahe, dass der Kipppunkt für einen zukünftigen Kollaps des WAIS nahe sein könnte, was Bedingungen ähnlich denen der letzten Zwischeneiszeit widerspiegelt. Die Auswirkungen eines solchen Kollapses sind tiefgreifend, mit einer Prognose eines drastischen Anstiegs des Meeresspiegels und einer Umgestaltung der globalen Küstenlinien.

Quelle: „Genomic evidence for West Antarctic Ice Sheet collapse during the Last Interglacial“ (Science, 2023)

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