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Archäologischer Fund: „Monumentaler“ Tempel entdeckt – dort praktizierte ein antiker römischer Kult

Der archäologische Fund römischer Tempelreste ist eine kleine wissenschaftliche Situation. In den Ruinen praktizierte einst ein außergewöhnlicher Kult.

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In der Stadt Spello, rund zweieinhalb Stunden nördlich von Rom, gelang Forschenden ein herausragender archäologischer Fund. Man stieß nämlich auf Tempelreste aus der Ära des Kaisers Konstantin des Großen, der im vierten Jahrhundert nach Christus herrschte. Wie ein Experte meint, könnte der Fund sehr bedeutend für die Geschichtsschreibung Roms sein.

Archäologischer Fund: Brief eines Kaisers wies Forscher den Weg

Über 1.000 Jahre lang lagen die Ruinen gut versteckt unter der italienischen Kleinstadt. Doch eine Abschrift eines Briefes von Kaiser Konstantin belegte, dass dort einst ein prächtiger Tempel gestanden haben muss, heißt es in einer Mitteilung der amerikanischen Saint Louis University. An dieser forscht und unterrichtet Grabungsleiter Professor Douglas Boin zur römischen Religionsgeschichte.

In dem Brief erlaubt Konstantin dem Volke Spellos in ihrer Heimatstadt ein religiöses Fest abzuhalten, statt dazu in eine weitentfernte andere Stadt zu reisen. Im Gegenzug jedoch verlangte der Regent, dass die Bürgerinnen und Bürger in Spello einen Tempel zu Ehren seiner Familie, den Flavieren, errichten. Die kultische Verehrung adliger Herrschender, sowohl lebender wie toter, war im prä-christlichen Rom weit verbreitet. Teils verehrte man gar Abbilde der Adligen und brachte ihnen Opfer dar.

Anhand Angaben aus dem Brief machten sich Boin und ein internationales Team auf die Suche nach dem untergegangenen Tempel. Nach wochenlangen Grabungen wurden sie beinahe zufällig unter einem Parkplatz fündig. Dabei staunten die Forschenden nicht schlecht über den archäologischen Fund. Der Experte spricht von einer wahrhaft „monumentalen Struktur“. Bedeutender als die Ruinen an sich, sind jedoch die Erkenntnisse, die man anhand ihrer nun über das religiöse Leben im antiken Rom gewinnen kann.

Auch spannend: Der archäologische Fund dieser Mumie ist „einmalig“. Er zeugt von einer tragischen Geschichte.

Vielfältiges religiöses Leben im alten Rom

Konstantin, der Große saß von 306 bis 337 auf dem Thron. Als erster zum Christentum konvertierter römischer Kaiser ging er in die Geschichte ein. In seine Herrschaft fiel die sogenannte konstantinische Wende, bei der der christliche Glauben immer mehr Einfluss im öffentlichen Leben Roms gewann. Dennoch verlief dieser Wandel eher fließend, wie der neue archäologische Fund beweist. Christentum, heidnisch Praktiken und Kaiserkult koexistierten dabei nebeneinander und beeinflussten einander.

„Es gab bemerkenswerte religiöse Kontinuitäten zwischen der römischen und der frühen christlichen Welt“, merkt Boin an. So hielt selbst ein christlicher Herrscher wie Konstantin den antiken Kaiserkult am Leben und unterstützte diesen aktiv. Der archäologische Fund zeugt vom Durchhaltevermögen der heidnischen Traditionen, die bereits Jahrhunderte vor dem Christentum das Leben in der Region bestimmten. Er zeigt auch, wie die römischen Herrscher ihre modernen Interessen und Werte vertraten, ohne dabei die Vergangenheit zu zerstören oder zu begraben.

Mit den jüngst entdeckten Tempelresten hat die Archäologie nun handfeste Beweise für diese spirituellen und kulturellen Kontinuitäten, betont Boin. Alle zukünftigen Studien zum Kaiserkult im vierten Jahrhundert werden sich auch auf diesen bahnbrechenden archäologischen Fund beziehen müssen, so der Fachmann. Er selbst plant, mit seinem Team im Sommer die Untersuchungen vor Ort fortzusetzen.

Quelle: Saint Louis University

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