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Wie lange lebe ich noch? KI soll es vorhersagen können

Die Frage „Wie lange lebe ich noch?“ lässt sich wohl kaum beantworten. Oder doch? KI könnte eine Ahnung haben.

Mann hat Sanduhr in der Hand
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Einfach Erklärt: Was ist ein Algorithmus?

In der Mathematik, Informatik und anderen Disziplinen spielen Algorithmen eine wichtige Rolle. Dadurch haben sie längst auch Einzug in den Alltag von Laien erhalten – ob sie dies bemerken oder nicht. Man begegnet ihnen etwa in den Google-Suchergebnissen, auf Facebook oder in Form personalisierter Werbung.

Wahrsagerei und Künstliche Intelligenz gehen Hand in Hand – und das schon lange vor ChatGPT und Co. Letztendlich treffen Menschen schon seit etlichen Jahren wissenschaftlich gestützte Vorhersagen wie etwa das Wetter. Dazu dienen diverse Computermodelle, die häufig und zunehmend durch maschinelles Lernen gestützt werden. Auf dieser Basis könnte es KI auch möglich sein, deinen Tod vorherzusagen.

KI soll Tod vorhersagen können

Eine neue KI, die auf dem selben Grundgedanken wie ChatGPT basiert, soll in der Lage sein den Tod eines Menschen vorhersagen zu können – und das ist nur der Anfang. Hinter dieser Errungenschaft steckt die Arbeit eines Studienteams aus Dänemark. Ihre Lernmodell nannten sie life2vec.

life2vec basiert auf den Daten von mehreren Millionen Dänen und Däninnen. Darunter finden sich allgemeine Angaben wie das Alter und das Geschlecht. Aber auch spezifischere Informationen wie die Beschäftigung, die Nutzung des Gesundheitssystems und mehr flossen in die Arbeit der KI ein.

Aufgrund dieser Datenmenge gelang es dem Team anhand erster Stichproben verschiedene Vorhersagen etwa bezogen auf gewisse Persönlichkeitsmerkmale zu treffen. Die Umsetzung durch die KI ist dabei von einem speziellen Ansatz geprägt.

Modell behandelt Lebensdaten wie Sprache

„Wir haben ein Prinzip übernommen, das für die Sprachmodellierung entwickelt wurde … und es auf einige wirklich, wirklich, wirklich interessante Sequenzdaten über den Menschen angewendet“, zitiert Scientific American den Studienautor Sune Lehmann. Er arbeitet als Professor für Netzwerke und Komplexitätswissenschaft an der TU Dänemark und ist von der Arbeit der KI überzeugt.

Doch ihm schließen sich nicht alle an. Obwohl das Modell in der Studie bei der Vorhersage der Sterblichkeit in der Forschungspopulation über einen Zeitraum von vier Jahren eine Genauigkeit von mehr als 78 Prozent aufweist, gibt es kritische Stimmen. „Es ist schwierig zu wissen, wie man die Genauigkeit eines solchen Tools am besten beurteilen kann, weil es nichts Vergleichbares gibt“, argumentiert etwa Matthew Salganik, Soziologieprofessor an der Princeton University.

Kritiker bezweifeln Wahrheitsgehalt der KI

Neben einer Vorhersage zum ungefähren Todeszeitpunkt, stellt die KI Zusammenhänge zwischen Wesensmerkmalen und vergangenen und gegenwärtigen Lebensereignissen her. Hierbei handelt es sich im Vergleich zu anderen Modellen um eine bisherige Einmaligkeit.

Nichtsdestotrotz würde Christina Silcox, Forschungsdirektorin für digitale Gesundheit am Duke-Margolis Center for Health Policy „auf dieser Grundlage nicht [ihren] Job kündigen und auf die Bahamas ziehen“. Auch den Sterblichkeitsprognosen misst sie nicht allzu viel Bedeutung bei.

Sie macht darauf aufmerksam, dass sich spontane Lebensereignisse womöglich gar nicht –auch nicht anhand von errechneten Wahrscheinlichkeiten durch eine KI – vorhersagen lassen. Letztendlich könnte der Tod also nicht aufgrund einer vorhersagbaren Verkettung verschiedener Lebensentscheidungen, sondern ganz spontan kommen. Und das macht das Leben doch noch wertvoller.

Quelle: Scientific American, „Using sequences of life-events to predict human lives“ (Nature, November 2023)

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