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Unter unseren Füßen: Bahnbrechender Fund könnte die Energiewende revolutionieren

Der Fund von Wasserstoff in gewaltigen unterirdischen Reservoiren könnte das Voranschreiten der Verkehrs- und Energiewende auf einen neuen Stand bringen.

Stollen eines Bergwerks
u00a9 DZiegler - stock.adobe.com

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Forschende um Laurent Truche von der Universität Grenoble-Alpes haben in der albanischen Bulqizë-Chromitmine riesige unterirdische Wasserstoffreservoire entdeckt. Ihre Entdeckung widerspricht der Annahme, Wasserstoff bilde wegen seiner Flüchtigkeit keine natürlichen Lagerstätten. Bisher musste er daher durch teure chemische Verfahren wie Wasserelektrolyse oder Methanreduktion gewonnen werden.

Wasserstoff in rauen Mengen entdeckt

Truches Team fand in tiefen Bergwerksabschnitten ungewöhnlich hohe Wasserstoffkonzentrationen. Intensive Blasenbildung in Wasser zeigte, dass das Gas zu 84 Prozent aus Wasserstoff besteht. Konkret schätzten die Forschenden die Menge im Rahmen ihrer Studie auf mindestens 200 Tonnen jährlich allein von diesem Standort. „Die Menge übertrifft die wenigen bisher dokumentierten Wasserstoff-Ausgasungen aus hyperalkalischen Quellen und Gasaustritten bei weitem“, so das Team.

Die Mine liegt über einer chromitreichen Ophiolithformation. Ophiolithe sind durch tektonische Aktivität verschobene ozeanische Krusten. Die Öl- und Gasindustrie hat sie bisher ignoriert, weil sie als rohstoffarm galten. Doch die Entdeckung zeigt, dass Ophiolithe generell reich an hochwertigem Wasserstoff sein können.

Die Forschung deutet darauf hin, dass Wasserstoffgewinnung aus natürlichen Reserven machbar und nachhaltig sein könnte. Wenn sich großflächige Wasserstoffreserven in Ophiolithen bestätigen, würde dies die Energieproduktion revolutionieren. Die Möglichkeit, Wasserstoff nachhaltig zu extrahieren, könnte den Prozess wirtschaftlich machbar machen.

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Chancen für die Industrie

Diese Entdeckung hebt das Potenzial bisher übersehener geologischer Formationen hervor. Ophiolithe könnten neue Quellen für ungenutzte natürliche Ressourcen bieten. Die Bulqizë-Mine könnte zwischen 5.000 und 50.000 Tonnen Wasserstoff speichern, was die Art und Weise, wie wir Wasserstoff nutzen, verändern könnte.

„Bestimmte Ophiolite können ökonomisch abbaubare Ansammlungen von H2-Gas enthalten“, schreibt das Team. „Man könnte den Wasserstoff in solchen geologischen Kontexten kommerziell rentabel extrahieren, weil sich das Gas in Verwerfungszonen fängt und konzentriert.“

Quellen: „A deep reservoir for hydrogen drives intense degassing in the Bulqizë ophiolite“ (Science, 2024)

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