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Strohhalme aus Pappe & Co.: Diese Exemplare sind „potentiell schädlich“ (Studie)

Strohhalme können zum Gesundheitsrisiko werden. Forschende empfehlen auf bestimmte Materialien zu verzichten.

Frau mit Getränk samt Strohhalm
u00a9 puhimec - stock.adobe.com

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Seit Mitte 2021 sind Strohhalme aus Plastik in der Europäischen Union verboten. Die Industrie hat für Verbraucherinnen und Verbraucher, Restaurants und Bars etliche Alternativen bereitgestellt. Doch nicht alle von ihnen sollte man bedenkenlos verwenden, wie nun eine Studie aufdeckte.

Darum setzt man auf Pappstrohhalme und Co.

Eigentlich sollten die Strohhalme aus Pappe gleich an zwei Fronten angreifen. Zum einen wollte man die Konsumierenden schützen, da die Vorgänger aus Plastik häufig PFAS enthalten. Das steht für per- und polyfluorierte Chemikalien, erklärt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von mehreren tausend Mitteln, die etliche Anwendungsbereiche aufweist.

Durch ihre wasser-, schmutz- und staubabweisenden Komponenten sind sie in der Industrie vielerlei gefragt, allerdings haben sie negative Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt, da sie oder ihre Abbauprodukte giftig sein können. Zum anderen versucht man mit den Strohhalmen aus Pappe die Umwelt zu schonen, indem man weniger schwer abbaubaren Müll produziert, wie es bei Plastik-Trinkhalmen der Fall wäre.

Untersuchung zeigt PFAS-Belastung

Allerdings sorgt nun eine Studie für Aufsehen. Sie rückt das löbliche Vorhaben in ein neues Licht und zeigt, wieso Strohhalme aus Pappe immer noch nicht die optimale Wahl sind. So beschäftigte sich die Biologin Pauline Boisacq genauer mit diesem beliebten Artikel. Sie und ihr Team von der Universität Antwerpen haben den Ersatz für Kunststoffe bei Trinkhalmen genauer untersucht. Dabei stellten sie fest, dass auch Strohhalme aus Pappe PFAS beinhalten. Diese Stoffe werden dabei vor allem als wasserabweisende Beschichtung verwendet, sodass sie länger halten.

„Als Ersatz für Kunststoffe werden im gewerblichen Bereich häufig Papier und andere pflanzliche Materialien verwendet. Dies gilt auch für Trinkhalme, bei denen zunehmend pflanzliche und andere vermeintlich umweltfreundliche Trinkhalme eingesetzt werden, um die Plastikverschmutzung zu reduzieren. Um diese Materialien wasserabweisend zu machen, werden PFAS bei der Herstellung zugesetzt, können aber aufgrund der Verwendung kontaminierter Rohstoffe auch schon früh in der Lieferkette vorhanden sein.“

„Assessment of poly- and perfluoroalkyl substances (PFAS) in commercially available drinking straws using targeted and suspect screening approaches“, Food Additives & Contaminants: Part A, August 2023

Insgesamt haben die Forschenden 39 Strohhalme untersucht. Neben Exemplaren aus Pappe nahmen sie auch Bambus, Glas, Edelstahl und Kunststoff unter die Lupe. Eine Belastung mit PFAS konnten sie bei allen Optionen ausgenommen von Edelstahl feststellen.

Weder unbedenklich noch biologisch abbaubar

Die Produkte sind damit „potentiell schädlich“ für den Menschen. Gerade bei Pappstrohhalmen kann das lange Nutzen oder gar Zerkauen das Risiko untermalen. Aber auch Tiere und die Umwelt leiden darunter. Durch die Verwendung von PFAS bei der Herstellung gelten diese Produkte eben nicht mehr als biologisch abbaubar und verschmutzen unseren Planeten zunehmend.

Eine andere Studie, die ein Team an der schwedischen Universität in Göteborg durchführte, zeigt die Folgen beispielhaft an einer Population aus Wassermückenlarven. Hier bezog man sich speziell auf Einweg-Trinkbecher, die mit PFAS kontaminiert waren. Da Strohhalme dieser Art aus denselben Materialen hergestellt werden, können die Studienergebnisse ergänzend zu den Betrachtungen des Antwerpener Teams herangezogen werden.

Auswirkungen auf die Umwelt vorbeugen

Die Forschenden haben die Materialen selbst hergestellt, orientierten sich dabei jedoch an Produkten, die so auf dem Markt erhältlich sind. Dann erschufen sie ein künstliches Biotop für Wassermückenlarven und beobachteten die Entwicklungsfolgen in mit PFAS kontaminierten Wasser und Gestein. In beiden Fällen mussten sie feststellen, dass die Mückenlarven in ihrer Entwicklung gehemmt wurden.

„Insgesamt deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass alle getesteten Lebensmittelverpackungsmaterialien negative Auswirkungen auf Chironomiden [Zuckmücken] haben können. Diese Effekte können bereits nach einer Woche Materialauslaugung unter Umgebungsbedingungen beobachtet werden und nehmen tendenziell mit zunehmender Auslaugungszeit zu. Darüber hinaus wurden in kontaminierten Sedimenten weitere Auswirkungen beobachtet, was darauf hindeutet, dass benthische Organismen [in der Bodenzone eines Gewässers lebende Organismen] besonders gefährdet sein könnten. Diese Studie verdeutlicht das Risiko, das von Take-away-Verpackungen und den damit verbundenen Chemikalien ausgeht, wenn sie einmal in die Umwelt entsorgt werden.“

„Single-use take-away cups of paper are as toxic to aquatic midge larvae as plastic cups“, Environmental Pollution, August 2023

Willst du dich, deine Familie und die Umwelt also vor diesen gesundheitlichen Auswirkungen schützen, solltest du der ersten Studie entsprechend zu Edelstahlstrohhalmen greifen. Bei Besuchen von Restaurants und Bars lässt sich generell auf Strohhalme verzichten. Oft reicht es, das Personal einmal über diesen Wunsch zu informieren.

Quellen: „Single-use take-away cups of paper are as toxic to aquatic midge larvae as plastic cups“, Environmental Pollution, August 2023, „Assessment of poly- and perfluoroalkyl substances (PFAS) in commercially available drinking straws using targeted and suspect screening approaches“, Food Additives & Contaminants: Part A, August 2023, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz

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