Start-ups 

Coup-Roller im Test: elektrischer Fahrspaß mit Macken

In Berlin können die schwarz-grünen Scooter an jeder Ecke gemietet werden.  Wir haben die Alltagstauglichkeit der Coup-Roller getestet.
In Berlin können die schwarz-grünen Scooter an jeder Ecke gemietet werden. Wir haben die Alltagstauglichkeit der Coup-Roller getestet.
Foto: Coup
Wir haben uns den Roller-Sharing-Service des Start-ups mal genauer angeschaut. Lest im Test, wie sich die E-Scooter im Verkehr der Hauptstadt schlagen und wo es noch Mängel gibt.

Letzten Sommer gründete Bosch das Sharing Economy Start-Up Coup. Das Ziel: E-Scooter zu einem Teil des Stadtbildes Berlins zu machen. Statt auf hauseigene Bosch-Technik setzt das junge Unternehmen auf den taiwanischen Hersteller Gogoro.

Dieser verkauft im Mutterland nicht nur die elektrischen Zweiräder, sondern betreibt auch zusätzlich 377 GoStations. Dort können Kunden gegen eine kleine monatliche Gebühr die Akkus ihres Scooters innerhalb weniger Sekunden austauschen.

Wir haben uns den Sharing-Anbieter in der Hauptstadt mal genauer angeschaut und sagen euch, was uns besonders an den kleinen E-Flitzern gefällt und wo es manchmal noch hakt. Zunächst beschäftigen wir uns mit dem Fahrerlebnis. Dann schauen wir uns die organisatorische Seite an: die Smartphone-App. Über diese wird der gesamte Mietprozess vom Aufschließen des Rollers bis zur Zahlung der Rechnung verwaltet.

Ein untypisches Zweirad

Ist der Roller per riesigem “GO” Knopf gestartet, wundert sich der Schwalbe-Fahrer zunächst: kein lautes Zweitakt-Kettensägen-Heulen ist zu hören, auch der charakteristische Geruch nach verbranntem Öl fehlt.

Stattdessen: absolute Ruhe im Stand, während der Fahrt sind überwiegend nur Reifengeräusche auszumachen. Dazu gesellt sich ein futuristisch klingendes Surren. Daher ist besondere Vorsicht bei der Fahrt geboten. Andere Verkehrsteilnehmer hören den E-Scooter schlichtweg nicht - und unterschätzen ihn.

Die kleinen 9-PS-Flitzer sind verdammt schnell. Dank der flinken Beschleunigung konnten wir beim Ampelstart beinahe jedes andere Fahrzeug hinter uns lassen.

Gut für den Stadtverkehr

Das ist auch der große Vorteil im Vergleich zu handelsüblichen Fahrzeugen mit Otto-Motor. Dank des Beschleunigungsbonus lässt es sich hervorragend im Stadtverkehr mitschwimmen, meist ist die nächste Kreuzung oder rote Ampel bereits vor allen anderen erreicht. Die Maximalgeschwindigkeit von 55 km/h laut Tacho war oftmals völlig ausreichend.

Nur auf längeren Etappen ohne Stopp oder Ampel überholt das ein oder andere Auto.

Trotz der kleinen Reifen liegt der Roller angenehm schwer und sicher auf der Straße. Ebenso ausbalanciert ist die Lenkung. Sie reagiert fix genug, ist aber auch nicht zu wackelig.

Eine Besonderheit, die man kennen sollte

Jedoch hat der Scooter eine kleine Eigenart. Gleichzeitiges Bremsen und “Gas” geben, mag er gar nicht. Passiert es dennoch einmal erscheint ein Warnsymbol auf dem Armaturenbrett und der Motor schaltet sich bei voller Fahrt ab .

Um ihn dann wieder zu aktivieren, muss die Miete per App beendet und neu gestartet werden. Grund für dieses Verhalten ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Beim Bremsvorgang leitet der Roller die anfallende Energie zurück in die Akkus. Wird zusätzlich beschleunigt, könnte das Strom-Rückgewinnungssystem Schaden nehmen. Der Force-Stop soll Schlimmeres verhindern.

Trotz dieser kleinen Macke macht es einfach Spaß, mit dem E-Scooter durch die Straßen Berlins zu fahren.

Daher würden wir diese neue Form der Mobilität auch gern uneingeschränkt weiterempfehlen – wenn denn nur das “Drumherum” stimmte.

Ohne Smartphone keine Miete

Die Organisation wird ausschließlich per App abgewickelt (erhältlich im Apple App Store und im Google Play Store). Leider weist sie noch unzählige Bugs auf, die eine sinnvolle Nutzung der Roller teilweise unmöglich machen.

Um loszulegen, muss ein Account erstellt werden. Anmelden darf sich jeder der mindestens 21 Jahre alt und seit einem Jahr im Besitz eines Auto-, Motorrad- oder Rollerführerscheines ist.

Als erstes müssen die Nutzerdaten verifiziert werden. Android-Nutzer machen dazu Fotos vom Personalausweis (alternativ reicht auch ein Reisepass) und vom Führerschein. Dazu noch ein Selfie, um die Echtheit der Dokumente zu bestätigen. Nutzer der iPhone-App können ihre Daten auch per Videochat beglaubigen. Leider waren dazu bei unserem Test drei Versuche nötig; das Programm hat die bestätigten Infos immer wieder “vergessen”.

Eine Karte zeigt Roller in der Nähe an, per Klick kann das gewünschte Gefährt für 15 Minuten reserviert werden.

Auch der Ladestand, geschätzte Reichweite des Akkus und Kennzeichen können eingesehen werden. Steht man vor dem Roller, kann er per App aktiviert werden. Das Smartphone baut dann eine Bluetooth-Verbindung zum Zweirad auf und entriegelt das Lenkerschloß.

Der Helm befindet sich unter der Sitzbank, die per Knopf am Lenker geöffnet wird. Sobald der Seitenständer eingeklappt ist, kann der Scooter per “Go”-Button gestartet werden.

Ist das Ziel erreicht und der Helm verstaut, wird die Miete per Wisch auf dem Smartphone beendet. Die App baut erneut eine Bluetooth-Verbindung auf und schließt den Roller ab – in der Theorie.

Bluetooth-Verbindung bricht oft ab

In unserem Test brach meist der Bluetoothverbindungsaufbau vom Handy zum Scooter ab. Ebenso fand die App plötzlich den Roller nicht mehr. Deswegen mussten wir oft die Miete umständlich per Hotline beenden.

Der Anruf ist glücklicherweise kostenfrei und die Betreuer äußerst freundlich, jedoch ist der Telefonservice nur bis 22:30 Uhr verfügbar. In den meisten Fällen klappte es dann auch reibungslos.

In einigen Fällen rastete die Lenkersperre jedoch nicht ein und der Roller blieb weiterhin aktiv, wobei die App bereits das Ende der Nutzung signalisierte. Zwar wird die Miete bei Inaktivität nach einigen Minuten automatische beendet, wer jedoch in Eile ist, hat ein Problem.

100 Prozent Ökostrom, jedoch ungewisse Produktionsbedingungen

Jeder Roller ist mit zwei entnehmbaren Akkus im Helmfach ausgestattet, die gemeinsam eine Reichweite von 100 Kilometern besitzen. Um den Ladeprozess muss sich der Nutzer keine Gedanken machen. Sind die knallgrünen Akkus leer, werden sie von Technikern vor Ort ausgetauscht und mit 100 Prozent Ökostrom in der Zentrale wieder aufgeladen

Zur Umweltverträglichkeit des Herstellungsprozesses in Taiwan und einer möglichen Recyclebarkeit der Akkus wollte Coup allerdings keine Angaben machen.

Preis und Verfügbarkeit

Für jede Fahrt werden bei Antritt 3 Euro fällig. Dafür darf der Roller 30 Minuten genutzt werden. Danach kosten angebrochene 10 Minuten je einen Euro. Für eine 20-Euro-Pauschale kann der Roller von 7-19 Uhr genutzt werden. Für zehn Euro darf die ganze Nacht von 19 bis 7 Uhr gefahren werden. Durch diese Staffelung sind leider kurze Fahrten verhältnismäßig teuer. Egal ob fünf, zehn oder 25 Minuten gefahren wurde, es bleibt bei 3 Euro.

Während der Fahrt ist der Roller Vollkasko versichert. Im Schadensfall zahlt der Nutzer eine 150 Euro-Selbstbeteiligung. Daneben erhebt Coup noch einige Extragebühren. An dieser Stelle nur ein Einblick in die Tarifbestimmungen. Für die Bearbeitung von Verkehrsverstößen werden 10 Euro fällig. Wird der Account verliehen, drohen 250 Euro Vertragsstrafe.

Nur wenige Zahlungsmöglichkeiten

Derzeit kann nur per Kreditkarte bezahlt werden. Gerade junge Menschen werden durch diese Einschränkung leider ausgeschlossen – wenigstens Paypal als Alternative wäre wünschenswert. Laut Coup werde an weiteren Zahlungsmitteln gearbeitet.

Die kleinen Elektroflitzer sind derzeit in Berlin und bald in Paris verfügbar. In der Hauptstadt sind 1.000 Roller auf einem Gebiet verteilt, das ungefähr dem Berliner S-Bahnring entspricht.

Der Feinschliff fehlt noch

Richtig rund läuft es noch nicht bei Coup. Leider! Der Fahrspaß ist jetzt schon da, nur benötigt die Organisation noch Feinschliff. Ohne die vielen Fehler würden wir die Roller definitiv öfter nutzen.

Empfehlen können wir den Sharing-Dienst im Moment nur einem technikaffinen Publikum, das sich an dem einen oder anderen Bug nicht stört. Auch genug Zeit sollte mitgebracht werden, falls sich der Roller mal wieder nicht abschalten möchte.

Dem Alltagsnutzer, der schnell von A nach B kommen möchte, können wir Coup noch nicht empfehlen. Zu sehr schränkt die verbuggte Smartphone-App die Nutzererfahrung ein. Doch die Grundlage für ein neues Mobilitätserlebnis ist da, nur etwas Zeit und ein paar Updates braucht es noch.

Start-ups 

Prototyp: Autonomer Elektro-LKW aus Schweden

Das Start-up folgt einem straffen Zeitplan und will schon ab Herbst in Produktion gehen.
Das Start-up folgt einem straffen Zeitplan und will schon ab Herbst in Produktion gehen.
Foto: Einride

Das schwedische Start-up Einride entwickelt selbstfahrende E-LKWs. Der Prototyp überzeugt durch futuristisches Design.

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