WhatsApp zieht regelmäßig Kritik auf sich, was Datenschutz angeht. Mit den aktuellsten Änderungen seiner Nutzungsbedingungen hat es der Messenger aber womöglich übertrieben, denn bereits jetzt sollen diese rund elf Prozent der WhatsApp-User vertrieben haben. Die ersten WhatsApp-Alternativen freuen sich dagegen über unerwartete Nutzerzuwächse. Aber es gibt so viele mehr als nur Signal und Telegram.

7 WhatsApp-Alternativen im Überblick

Was schon vor Wochen angekündigt wurde, ist am 8. Jnauar 2021 in Kraft getreten: User müssen den veränderten AGB des Messengers zustimmen, die zumindest in den USA einen Datenaustausch mit Facebook bedeuten, oder sie können ihr Konto nicht weiter nutzen. Ein Grund mehr, von WhatsApp zu alternativen Messengersn zu wechseln.

WhatsApp-Alternative #1: Google Hangouts/ Google Chat – der Messenger der Datenkrake

Features:

  • + 4.0 Sterne (4 Millionen Bewertungen), 1 Milliarde Downloads
  • + kostenlos
  • + automatische Synchronisierung
  • + auf allen gängigen Plattformen vertreten
  • + Chats mit bis zu 150 Teilnehmern
  • – keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
  • – du „zahlst“ mit deinen Daten

Bei der WhatsApp-Alternative Google Hangouts sind bereits die Messenger-Basics eine Nummer größer gedacht. An Gruppenchats können bis zu 150 Personen teilnehmen, zudem ist das Programm auf allen gängigen Plattformen verfügbar und synchronisiert sich von selbst. Chats, die du auf deinem Handy beginnst, werden automatisch auf deinen Rechner gespiegelt. Für Meetings und Telefonkonferenzen wurde Google Hangouts, auch aufgrund der Corona-Pandemie, durch das Tool „Google Meet“ ersetzt. Als Messaging-Dienst im beruflichen Kontext wurde dagegen „Google Chat“ ins Leben gerufen. Aber: Auch im privaten Bereich soll die WhatsApp-Alternative 2021 durch Google Chat ersetzt werden.

Googles Datenschutzbedingungen unter Kritik

Eines muss dir bewusst sein: Da die WhatsApp-Alternative von Google kostenlos ist, bezahlst du den Service mit deinen Daten. Werbung wird keine geschaltet. Ob du Google vertrauen möchtest, ist dir selbst überlassen. Oft genug stand der Konzern allerdings in der Kritik wegen stetig geänderter Datenschutzbedingungen.

Für den User ist deswegen nicht immer ersichtlich, was sich geändert hat und wie mit persönlichen Daten umgegangen wird. Lobenswert sind jedoch das Dashbord und der Privatsphärecheck der WhatsApp-Alternative. Diese beiden Tools geben dir Auskunft über alle Daten, die Google über dich sammelt. Von Suchanfragen über Schnappschüsse in der Cloud bis hin zu Hangout-Nachrichten ist dort alles übersichtlich aufgelistet.

Keine Sicherheit für empfindliche Daten

Beim Thema Sicherheit hat Google allerdings noch Nachholbedarf. Der Messenger verschlüsselt die Nachrichten nicht per “Ende-zu-Ende”-Verschlüsselungen wie seine Konkurrenten, sondern setzt ausschließlich auf eine abgesicherte HTTPS-Verbindung, die leider nicht ausreicht, um deine empfindlichen Informationen vor Angreifern zu schützen.

WhatsApp-Alternative #2: Signal – der Messenger, den Elon Musk und Edward Snowden empfehlen

Features:

  • + 4,5 Sterne (640.000 Bewertungen), 10 Millionen Downloads
  • + kostenlos
  • + Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
  • + Open Source-Lizenz/ quelloffene App
  • + zusätzliche Sicherheitsfunktionen
  • – verlangt Zugriff auf überdurchschnittlich viele Informationen

Die WhatsApp-Alternative Signal überzeugt mit allen notwendigen Grundfunktionen, wie Gruppenunterhaltungen und Sprachanrufen. Auch Dateien können über den Messenger geteilt werden. Dank eines speziellen Netzwerkprotokolls können Nachrichten blitzschnell empfangen und gesendet werden, eine schlechte Netzabdeckung in ländlichen Regionen sollte die Benutzung nicht einschränken. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sorgt für die notwendige Sicherheit.

Signal lässt sich per offenem Quellcode nachvollziehen

Für besonders heikle Nachrichten kann ein “Zerstörungs-Countdown” eingestellt werden, nach dessen Ablauf sich die Mitteilung automatisch von allen Geräten löscht. Mit Signal kannst du auch unverschlüsselte SMS und MMS senden und empfangen. Zudem ist die App quelloffen. Programmierer und Cracks können sich den Code der App anschauen und die Funktionsweise nachvollziehen.

Es wird auf Sicherheit gesetzt

Signal wird von Open Whispers unter einer Open-Source-Lizenz entwickelt. Das Unternehmen sieht sich selbst als “Software Projekt” und bezeichnet sich als Non-Profit-Organisation, die besonderen Wert auf Privatsphäre und Verschlüsselung legt. Das Open Whispers‘ Selbstverständnis auch bei der Entwicklung von Signal eine Rolle gespielt hat, sieht man bei der Umsetzung der Sicherheitsfunktionen des Messengers.

Die WhatsApp-Alternative setzt auf eine unknackbare Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Die Entschlüsselungscodes werden dabei auf deinem Handy gespeichert, so dass der Entwickler keinen Zugriff auf deine Unterhaltungen hat. Auch Videochats und Gruppenunterhaltungen sind geheim.

Edward Snowden hält Signal für vertrauenswürdig, Elon Musk ruft zur Nutzug auf

Obwohl Signal kostenfrei ist, verkauft der Entwickler nicht deine persönlichen Daten, sondern finanziert sich über Spenden. Dank der konsequenten Umsetzung der Sicherheitsfeatures hat der Messenger mittlerweile einige prominente Nutzer. Der Whistleblower Edward Snowden hat alle anderen Messenger-Dienste deinstalliert und verwendet nur noch die quelloffene WhatsApp-Alternative. Die Oscar-Preisträgerin und Journalistin Laura Poitras lobt die Skalierbarkeit des Messengers. Und auch Tesla-CEO Elon Musk legte seinen Fans die Nutzung der WhatsApp-Alternative jüngst ans Herz.

Erstaunlich viel Zugriff nötig

Trotz der scheinbar guten Absichten verlangt Signal bei der Installation Zugriff auf mehr als nur Telefonie und Kontakte. Darunter Informationen zum WLAN, zum Kalender, zum Standort und zur Identität des Nutzers.

WhatsApp-Alternative #3: Telegram – der cloudbasierte Messenger

Features:

  • + 4,5 Sterne (6 Millionen Bewertungen), 500 Millionen Downloads
  • + kostenlos
  • + Dateien können auf dem gerät oder in der Cloud gespeichert werden
  • + Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
  • + Entwickler können eigene APIs und Tools für Telegram entwickeln
  • – nicht ohne Sicherheitslücken

Telegram ist anders als WhatsApp ein cloudbasierter Messenger mit Synchronisierungsfunktion. Das bedeutet, dass er auf diversen Geräten wie Handys, Tablets und Computern gleichzeitig genutzt werden kann. Dateien (Bilder, Videos, mp3 etc.) lassen sich bis zu 1,5 Gigabyte pro Datei in unbegrenzter Zahl teilen. Wer diese nicht auf dem Gerät speichern möchte, kann dafür die Cloud nutzen.

Hersteller verspricht mehr Sicherheit als bei WhatsApp

Die WhatsApp-Alternative erlaubt Gruppen für bis zu 30.000 Personen, das Erstellen eigener Kanäle, über die an ein unbegrenztes Publikum übertragen werden kann und das Verschicken sämtlicher bekannter Dateiformate. Die Kombination aus SMS und E-Mail soll sich gleichermaßen für private und geschäftliche Nachrichten eignen, dazu zählen unter anderem die Ende-zu-Ende-verschlüsselten Anrufe via Telegram.

Laut Hersteller ist die WhatsApp-Alternative aufgrund der Multi-Datenzentren-Infrastruktur schneller und deutlich sicherer als beispielsweise WhatsApp. Als Argument dafür gilt das MTProto-Protokoll, das auf lang erprobten Algorithmen aufbaut, um Sicherheit mit Hochgeschwindigkeitszustellung und Verlässlichkeit bei schwachen Verbindungen kompatibel zu machen.

Verschiedene Sicherheitsoptionen

Darüber hinaus bietet Telegram sogenannte Geheimchats an, in denen Nachrichten mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verschickt werden und somit keine Spuren auf den Telegram-Servern hinterlassen. Geheimchats unterstützen „Selbstzerstörungs“-Nachrichten (es kann ein Timer bis zur automatischen Löschung der Nachricht gesetzt werden) und erlauben kein Weiterleiten. Sie sind nicht an die Telegram-Cloud gekoppelt und können nur über das Gerät genutzt werden, auf dem Telegram ursprünglich installiert wurde.

WhatsApp-Alternative #4: Threema – kostenpflichtig, aber ohne Datenspur

Features:

  • + 4,6 Sterne (ca. 63.800 Bewertungen), 1 Million Downloads
  • + eine der bekanntesten Messenger-Alternativen
  • + alle Server befinden sich in der Schweiz
  • + keine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse nötig
  • + kann auch vollständig anonym benutzt werden
  • – nicht kostenlos: 3,99 Euro (Android), 3,99 Euro (iOS)

Threema ist eine der bekanntesten WhatsApp-Alternativen auf dem Markt und taucht sehr häufig in den Top Ten der Download-Charts auf. Der Messenger aus der Schweiz ist, im Gegensatz zu vielen anderen Kurznachrichtendiensten, nicht kostenlos. Wer jedoch Wert auf Datenschutz und Privatsphäre legt, wird vor einer kleinen Investition nicht zurückschrecken.

Nutzung ohne Telefonnumer oder E-Mail-Adresse

Die Firma betont, dass sämtliche Kommunikation komplett verschlüsselt über Schweizer Server läuft. Wer möchte, kann den Dienst auch komplett anonym nutzen. Laut Hersteller soll Threema außerdem so konzipiert sein, dass keine Datenspur entsteht. Im Gegensatz zu anderen Messengern erfordert Threema nämlich keine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse zur Einrichtung.

Nutzer erhalten eine ID, die Kommunikation läuft ausschließlich auf diesem Weg. Der Funktionsumfang unterscheidet sich kaum von anderen Anbietern. Egal ob Text- und Sprachnachrichten, das Versenden von Dateien, die Erstellung von Gruppenchats oder Sprachanrufe. Die Schweizer WhatsApp-Alternative muss sich vor den großen Konkurrenten aus den USA nicht verstecken.

WhatsApp-Alternative #5: Wickr Me – verschlüsselt, anonymisiert und löscht nach Bedarf

Features:

  • + 4,8 Sterne (ca. 83.000 Bewertungen), 5 Millionen Downloads
  • + kostenlos
  • + Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
  • + verschickte Nachrichten können mit Löschzeitpunkt versehen werden
  • + Daten werden angeblich nicht gespeichert oder analysiert
  • – weniger Funktionen als andere Messenger

Wickr Me ist eine weitere kostenlose WhatsApp-Alternative, die die Privatsphäre der Nutzer in den Vordergrund stellt. Der Hersteller des Nachrichtendienstes gibt an, dass sämtliche Daten über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung übertragen werden. Der Dienst beherrscht die gängigsten Features (Text- und Sprachnachrichten, Gruppenchats, etc.). Eine Funktion, die von Snapchat abgekupfert worden zu sein scheint: Nutzer können jede einzelne Nachricht mit einem Verfallsdatum versehen. Ist dieses erreicht, werden die Nachrichten automatisch gelöscht.

Wickr gibt auf seiner Webseite an, die Daten der Nutzer nicht zu speichern, zu analysieren oder zu verkaufen.

WhatsApp-Alternative #6: iMessage – nicht plattformübergreifend und vorinstalliert

Features:

  • + kostenlos
  • + Zusatzfunktionen, die andere Messenger nicht haben
  • + Synchronisierung via Apple-ID
  • – nur für Apple-Geräte verfügbar

Zugegeben: Diese WhatsApp-Alternative ist nicht für jeden geeignet, da sie ausschließlich auf Apple-Geräten verfügbar ist. Neben den gewohnten Funktionen (Text- und Sprachnachrichten, Gruppenchats, etc.) bringt Apples hauseigener Nachrichtendienst dafür einige witzige Gimmicks mit, die anderen Messengern fehlen.

Nutzer können zum Beispiel Nachrichten mit Effekten versenden. So kann die Sprechblase, in der der Text erscheint, mit „Geheimtinte“ geschrieben werden und gibt den Inhalt erst frei, wenn der Nutzer mit dem Finger hinüber streicht. Auch können die Nachrichten mit animierten Hintergründen weiter individualisiert werden. Bei Geburtstagsglückwünschen steigen dann Luftballons im Hintergrund auf.

Automatische Synchronisation auf iPad, Apple Watch, Mac und Co.

Durch die Vernetzung verschiedener Apple-Geräte anhand der Apple-ID werden Nachrichten automatisch auf ein eventuell vorhandenes iPad, eine Apple Watch oder einen Mac übertragen und können auch von dort beantwortet oder gelöscht werden. Eine Archiv-Funkion oder die Möglichkeit, Nachrichtenverläufe festzupinnen, gibt es in iMessage nicht.

WhatsApp-Alternative #7: Line – das WhatsApp Asiens

Features:

  • + 4,1 Sterne (12 Millionen Bewertungen), 500 Millionen Downloads
  • + kostenlos
  • + andere Line-Nutzer auf verschiedene Arten hinzufügbar
  • + zusätzliche Line-Addons, wie Virenscanner
  • + eigener Line-Store
  • – von Stiftung Warentest wegen fehlender Sicherheit bemängelt

Line ist das WhatsApp Asiens und kann weltweit über 400 Millionen monatliche Nutzer verzeichnen. Neben Japan ist der Messenger vor allem bei Usern aus Thailand, Indonesien, Taiwan und Mittel- und Südamerika beliebt, seit 2013 ist er aber auch in Deutschland verfügbar.

Zu den Grundfunktionen der WhatsApp-Alternative gehören Standards wie das Austauschen kostenloser Sofortnachrichten, entweder direkt oder in Gruppen-Chats, Video- und Sprach-Anrufe in Echtzeit und das Teilen von Fotos, Videos, Kontaktdaten und Standortinformationen.

Nutzer hinzufügen durch Schütteln, QR-Code oder Line-ID

Zusätzlich gibt es die Facebook-ähnliche Timeline, über die Nutzer ihre Freunde mit Nachrichten, Bildern, Videos und Stickern auf dem Laufenden halten können. Das Feature Keep dient dazu, die eigenen Lieblingsnachrichten, -bilder und -videos dauerhaft zu speichern. Um neue Freunde schnell und einfach hinzuzufügen, stehen außerdem mehrere Optionen zur Verfügung. Die Funktion „Shake it!“ erlaubt es, dass mehrere Line-Nutzer in unmittelbarer Nähe ihr Smartphone schütteln und so die nötigen Daten übertragen werden. Darüber hinaus lassen sich Freunde via QR-Code oder Line-ID hinzufügen.

Addons und Line Store

Was die WhatsApp-Alternative Line sonst noch vom Original unterscheidet, sind beispielsweise zusätzlich erhältliche Addons, dazu zählen Foto-Apps, LINE@, mit dem ein User ein zusätzliches Konto erstellen kann, eine Sammlung von Line-Tools und ein Virenscanner. Im eigenen Line Store lässt sich gegen Bezahlung die Stickersammlung erweitern, es gibt eine Auswahl an unterschiedlichen Designs und auch Spiele sind verfügbar.

Mit Line vergünstigt ins Ausland telefonieren

Via Line Out ist es außerdem möglich, einen 30-Tage-Tarif für kostengünstige Telefonie ins internationale Ausland zu buchen. Ruft man dagegen einen anderen Line-User an, bleibt die Telefonie kostenlos.

Bis vor kurzem noch Sicherheitsbedenken

In Bezug auf Sicherheit setzt Line seit 2015 auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, versteckte Chats und eine PIN-Sperre zum Schutz der Kommunikation. Im Jahr zuvor warnte allerdings noch Stiftung Warentest des Messengers. Bemängelt wurde unter anderem, dass der Anbieter die Chats der User mitlesen könne und sich in den AGB vorbehalte, die Nutzungsbedingungen ohne zusätzliche Information ändern zu können.

Fazit: Es gibt ein Leben außerhalb von WhatsApp

Mit über zwein Milliarde Nutzer weltweit kann WhatsApp zwar beeindruckende Zahlen vorweisen, das bedeutet aber noch nicht, dass der Messenger auch die beste Wahl ist. Die zunehmende Verknüpfung mit Facebook, die neuerdings auch den Datenaustausch mit dem Mutterkonzern außerhalb der EU zur Pflicht macht, sollte bei Usern die Alarmglocken läuten lassen.

Zum Glück wird dir der Wechsel leicht gemacht, denn es gibt einige WhatsApp-Alternativen, die deutlich attraktiver sind als die Facebook-eigene App. Selbst bekannte Persönlichkeiten wie Elon Musk und Edward Snowden empfehlen eine davon. Die Auswahl ist zwar überraschend groß, bringt dafür aber in Sachen Sicherheit einige Vorteile mit sich. Es lohnt sich also, über einen Wechsel weg von WhatsApp nachzudenken.

Wusstest du übrigens, dass WhatsApp in Deutschland überraschend verboten wurde? Dazu kommt, dass WhatsApp auf einige Handys bald nicht mehr funktioniert.

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