Digital Life 

Retro-Serie #ThrowbackThursday: Diskette – Vom Datenträger zum Internet-Meme

Ein charmantes Relikt aus vergangenen Tagen: die Diskette.
Ein charmantes Relikt aus vergangenen Tagen: die Diskette.
Foto: imago
In unseren Throwback Thursdays wird es retro. Diesmal widmen wir uns der Floppy Disk, einem Datenträger aus einer längst vergangenen Zeit – den 80ern und 90ern.

Wenn wir heute an unseren Laptops sitzen, Texte verfassen, Kalkulationstabellen anlegen, Monatsreportings anfertigen oder an Grafiken basteln, klicken wir am Ende der Arbeit auf das Save-Icon. Ähnlich wie die Schere (Ausschneiden) oder das Clipboard (Einfügen) nehmen wir das Symbol, auf das wir da klicken, kaum mehr wahr. Trotzdem hat sich das Bild einer 3,5 Zoll-Diskette, das wir als Speichersymbol verwenden, in unser Bewusstsein eingebrannt.

Mittlerweile sind Generationen an Computernutzern herangewachsen, die die Diskette (auch „Floppy Disk“) gar nicht mehr als das kennen, was sie eigentlich ist – ein portabler Datenträger –, sondern nur mehr als Save-Icon. Das führt in sozialen Medien immer wieder zu einiger Belustigung, wenn Disketten (es gibt sie tatsächlich noch) als 3D-Modelle des Save-Icons identifiziert werden.

Hinter Geschichten dieser Art steckt womöglich oftmals eher eine lustige Idee als eine tatsächliche Begebenheit, aber das tut der Popularität solcher Postings und vergleichbarer Memes und Sprüche keinen Abbruch. Die antiquierten Speichermedien scheinen die Kreativität der Internet-Community geradezu zu Höchstleistungen zu beflügeln. Ein persönlicher Favorit: „Floppy disks are like Jesus. They died to become an icon of saving.”

Es war einmal ein Datenträger

Um als Plastikscheiben im Jahr 2017 Stoff für exzellente Internetkomik bieten zu können, mussten sie erst einmal erfunden und zu einem Fixpunkt des täglichen Arbeitslebens werden. Ihre Geburtsstunde hatte die Diskette 1969, als sie nach zweijähriger Entwicklungsphase von IBM auf den Markt gebracht wurde.

Die damaligen 8-Zoll-Disketten waren mit den späteren Modellen, denen das Save-Icon nachempfunden ist, aber kaum zu vergleichen. Auch technisch steckten sie noch in den Kinderschuhen: Die ersten Disketten konnten nur gelesen und nicht beschrieben werden und fassten rund 80 KB an Daten. Das mag aus heutiger Sicht wenig klingen, war aber immerhin das Tausendfache des Fassungsvermögens einer Lochkarte, dem damals gebräuchlichen Speichermedium.

Trotzdem dauerte es eine Weile, bis sich die Scheiben gegen frühere Technologien durchsetzen konnten. Mit der Weiterentwicklung der Diskette durch IBM war ihr Erfolgszug jedoch nicht mehr aufzuhalten: 1971 wurden die ersten Disketten kommerziell vertrieben (davor wurden sie nur dazu genutzt, IBM-Kunden mit Softwareupdates zu versorgen). 1972 kam die erste beschreibbare Diskette auf den Markt, ein Jahr später dann auch ein Lese- und Schreiblaufwerk für den Heimgebrauch.

Mitte der 70er wurde das ursprüngliche 8-Zoll-Format schließlich durch 5,25-Zoll-Disketten ersetzt. Da sich auch diese Größe als zu unhandlich und fehleranfällig herausstellte, einigten sich die Diskettenhersteller 1982 auf einen neuen Standard. Die 3,5-Zoll-Disketten, die Sony popularisierte, brauchten aber bis 1988, um die 5,25-Zoll-Scheiben von der Spitze des Markts zu verdrängen.

CDs und auch Apple beenden Disketten-Epoche

Mit Ende der 80er Jahre war der Höhepunkt der Geschichte der Floppy Disk gekommen: Die 3,5-Zoll-Disketten hatten die Form erreicht, die wir heute vom Save-Icon kennen und fassten Datenmengen von mehreren MB. Ab diesem Zeitpunkt veränderte sich die Diskette kaum mehr – kleinere Formate wie 3 Zoll und 2 Zoll setzten sich nicht durch, einzig die Datendichte wurde verbessert.

Mit dem Aufkommen der CD ging die Ära der Diskette schließlich zu Ende. Größere Speichermengen, höhere Übertragungsgeschwindigkeiten, längere Lebensdauer und geringere Fehleranfälligkeit sorgten dafür, dass sich die optischen Speichermedien als Standard für portable Datenträger durchsetzten. Apple, in den 80er Jahren mitentscheidend für die Etablierung der 3,5-Zoll-Disk, verabschiedete sich bereits 1998 als einer der ersten Hersteller vom Diskettenlaufwerk.

Heute verbleibt – seit dem Produktionsstopp durch Sony 2011 – einzig der US-Konzern Verbatim als Hersteller von Disketten. Produziert wird noch für einige wenige Spezialbereiche (unten erfahrt ihr mehr), in denen Disketten zur Anwendung kommen. Aus dem Alltag sind die Disketten seit gut 15 Jahren fast gänzlich verschwunden – und zwar aus gutem Grund: Jeder USB-Stick kann heute tausendmal mehr Daten speichern als eine Floppy Disk.

Floppy Disks sind nicht vintage, sondern retro
Great Big Story

Wie funktionieren Disketten eigentlich?

Disketten sind Plastikscheiben, die mit magnetisierbarem Material beschichtet sind. Daten werden also, im Unterschied zu optischen Datenträgern wie CD und DVD, magnetisch gespeichert. Ein Diskettenlaufwerk ist mit einem Magnetkopf ausgestattet, der die gespeicherte Information lesen beziehungsweise die Diskette beschreiben kann. Beim Ablesen und Beschreiben der Disk folgt der Lese- und Schreibkopf einem bestimmten Muster, nachdem die Dateien auf der Diskette organisiert sind. Das gängigste Dateisystem für Disketten war FAT12 (File Allocation Table) von IMB, das aufgrund der Marktdominanz von IBM später auch von Microsoft für DOS und Windows übernommen wurde.

Weil der Magnetkopf direkt auf der Oberfläche schleift und die beschichtete Oberfläche auch an der Hülle schleift, ist der Datenträger schnell abgenutzt. Obwohl Hersteller mit bis zu 100 Jahren Lebensdauer warben, sind unter günstigen Lagerbedingungen schon zehn Jahre ein Erfolg. Bei häufiger Benutzung waren viele Disketten bereits nach einem Jahr defekt. Zudem ist das System extrem anfällig für Verschmutzung und darf unter keinen Umständen Magnetismus ausgesetzt werden – selbst der natürliche Erdmagnetismus hat Einfluss auf die Lebensdauer einer Diskette.

Floppy Disks werden heute noch vor allem dort gebraucht, wo alte Hardware im Einsatz ist, etwa in der Musikproduktion, wo noch gelegentlich alte Synthesizer und Sampler genutzt werden. Ältere Computer, für die Disketten benötigt werden, findet man meist nur noch in technischen Archiven. Angesichts der kurzen Lebensdauer und der beschränkten Speicherkapazität sowie der notorischen Fehleranfälligkeit von Disketten sind sie wohl zu Recht von neuerer Technologie abgelöst worden. Weder CD-Laufwerke noch ein USB-Anschluss ist allerdings dazu fähig:

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