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Ja, es gibt Bitcoin, aber was noch?

Bitcoin ist nicht die einzige Kryptowährung auf dem Markt. Es gibt durchaus Alternativen, die technologisch mehr zu bieten haben.
Bitcoin ist nicht die einzige Kryptowährung auf dem Markt. Es gibt durchaus Alternativen, die technologisch mehr zu bieten haben.
Foto: Roslan Rahman / APA/AFP/ROSLAN RAHMAN
Spätestens seit den massiven Wertsteigerungen der Kryptowährung ist den meisten Bitcoin ein Begriff. Weniger bekannt sind dagegen alternative digitale Zahlungsmittel.

Die Kryptowährung Bitcoin eilt von einem Rekordhoch zum nächsten und durchbrach erst kürzlich zum ersten Mal die 10.000-Dollar-Marke. Spätestens jetzt ist die digitale Währung in aller Munde. Doch rein technologisch betrachtet, ist Bitcoin nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss. Andere Kryptowährungen sind mit ihren ausgefeilteren Technologien und flexiblen Anwendungsmöglichkeiten weitaus vielversprechender als Bitcoin selbst.

Während Bitcoin lediglich darauf ausgelegt ist, Transaktionen von A nach B zu schicken, sind die Geschäftsfelder anderer Coins wesentlich differenzierter. Meist versprechen die Unternehmen und Entwickler dahinter eine Branche nach der anderen zu revolutionieren. Andere wiederum wollen mit ihren Blockchain-Varianten Geschäftsfelder überhaupt erst ermöglichen beziehungsweise zum Durchbruch verhelfen.

Es ist allerdings schwierig über die zahlreichen verschiedenen Coins einen Überblick zu behalten. Coinmarketcap listet derzeit 1326 Kryptowährungen, die auf 6906 Marktplätzen gehandelt werden.

Bitcoin-Alternative 1: Ethereum

Ähnlich wie Bitcoin basiert auch Ethereum auf der Blockchain-Technologie. Das heißt, dass auch bei Ethereum die Daten nicht auf zentralen Servern gespeichert werden, sondern kryptografisch verifiziert auf den vernetzten Rechnern der Teilnehmer. Allerdings ist die technische Basis, auf der Ethereum aufbaut, wesentlich ausgereifter und umfangreicher als dies bei Bitcoin der Fall ist. Damit ist Ethereum weit mehr als eine reine digitale Währung.

Die Ethereum-Gründer rund um den kanadisch-russischen Programmierer Vitalik Buterin sehen in ihrer Blockchain die Zukunft des Internets, ein Art Web 3.0. ohne Server mit dezentralen Anwendungen, so genannten dApps. Denn über die Open-Source-Plattform Ethereum sind Messaging- und Social-Networking-Anwendungen genauso möglich wie Finanzanwendungen oder Micro-Payments.

Die Geschichte von Ethereum
Digital Assets Bitcoin

Ein spannender Anwendungsfall für Ethereum sind so genannte Smart Contracts. Dabei werden Verträge zwischen zwei Parteien über die Blockchain abgeschlossen und öffentlich, dezentral hinterlegt. Die Blockchain wird hier quasi zum Notar und segnet Geschäfte ab.

Beispielanwendung für Smart Contracts

Durch Wenn-Dann-Schleifen lassen sich beliebige Konstellationen von Smart Contracts erstellen. Ein einfaches Beispiel: Jemand hat Solarzellen auf dem Dach seines Hauses und produziert überschüssige Energie im Wert von X, welche ins Stromnetz eingespeist wird. Ein Nachbar benötigt genau in diesem Moment Energie im Wert von X. Wenn überschüssige Energie eingespeist wird und wenn jemand diese Energie bezieht, dann fließt Geld und zwar genau so lange wie die Energie gebraucht/ eingespeist wird. Baut nun das Energie-Management auf der Blockchain auf, kann das Geschäft zwischen den zwei Nachbarn direkt mithilfe von Smart Contracts ohne Mittelsmänner abgeschlossen werden. Die Abrechnung dieses Geschäfts müsste dann nicht der Netzbetreiber übernehmen und den beiden Parteien Rechnungen ausstellen, sondern sie könnte völlig automatisiert über die Blockchain abgewickelt werden.

Dieses Beispiel lässt sich auf beliebig viele Anwendungsmöglichkeiten übertragen. Etwa im Video- oder Musikstreaming-Bereich, beim Laden von E-Autos, in Videospielen oder bei Mietverträgen.

Skalierbarkeit als Herausforderung für die Blockchain

Treibt man das Gedankenspiel von Smart Contracts und anderen dezentralen Ethereum-Anwendungen weiter, so muss die Plattform im Stande sein, Millionen von Usern und deren Anfragen quasi in Echtzeit zu behandeln. Und genau hier liegt die große Herausforderung von Blockchain-Technologien: Skalierbarkeit.

Visa kann bis zu 24.000 Transaktionen in der Sekunde absegnen, während Ethereum derzeit ein gutes Dutzend in der Sekunde bearbeiten kann. Die Entwickler sind sich dessen natürlich bewusst und arbeiten an entsprechenden Lösungen. Doch für langfristige und nachhaltige Implementierung derartiger Blockchain-basierter Massenanwendungen steht meist die Frage nach der Skalierbarkeit im Mittelpunkt. Ebenso ist noch unklar, wie die Sache mit den Transaktions-Gebühren, die bei Ethereum anfallen, in Zukunft geregelt werden sollen.

Aktuell wird Ethereum um gut 510 US-Dollar gehandelt. Seit Juni 2017 bewegt sich sein Wert konstant zwischen 240 und 350 Dollar. Langfristig gesehen wird Ethereum wesentlich mehr Potenzial zugeschrieben als etwa Bitcoin, da eben die Ethereum-Plattform wesentlich flexibler ist als die Bitcoin-Technologie.

Bitcoin-Alternative 2: Ripple

Die Anwendungsmöglichkeiten der vom US-Unternehmen Ripple entwickelten Blockchain-Variante sind ebenso zahlreich wie verschieden. Spezialisiert hat sich Ripple auf Zahlungsprotokolle für Banken. Es soll die Art und Weise wie Banken Zahlungen unter einander abwickeln revolutionieren, da die Beglaubigung von Zahlungen dezentral von der Blockchain erledigt wird. Damit schickt sich Ripple an, das international gängige Zahlungsprotokoll SWIFT zu ersetzen.

Ripple, die Bitcoin-Alternative

Banken auf aller Welt schließen ihre Systeme an das SWIFT-Netzwerk an und erhalten darüber Anweisungen beziehungsweise Anfragen über Zahlungen und Überweisungen. Als Antwort auf Technologien wie Ripple hat das SWIFT-Konsortium die "Global Payments Innovation"-Initiative (gpi) ins Leben gerufen. Damit soll der internationale Inter-Banken-Zahlungsverkehr schneller, sicherer und zuverlässiger werden.

Banken entdecken Ripple für sich

Der Transaktionsverkehr von weltweit mehr als 10.000 Banken wird aktuell über das SWIFT-Netz standardisiert abgewickelt. Die Implementierung des neueren SWIFT-Standards läuft zögerlich, während immer mehr Banken Ripple für sich entdecken. Mit mehr als hundert Banken hat Ripple mittlerweile Partnerschaften abgeschlossen beziehungsweise experimentieren dutzende Banken mit der Ripple-Technologie.

Da die Überweisungen durch Ripple wesentlich schneller, kostengünstiger und sicherer sein sollen als es bei SWIFT der Fall ist, wird Ripple eine goldene Zukunft vorausgesagt.

Als Gegenwert zu den Überweisungen dient der Coin (XRP), der vom Unternehmen Ripple ausgegeben wird. In Sachen Marktkapitalisierung belegt XRP derzeit den vierten Platz mit einem Gesamtwert von 670 Millionen US-Dollar. Der XRP-Preis liegt aktuell bei rund 0,28 Dollar.

Bitcoin-Alternative 3: IOTA

Transaktionen kosten Geld - zumindest bei Bitcoin und Ethereum. Miner, die die Rechenleistung für die Blockchain aufbringen, lassen sich ihre Dienste auch was kosten. Daneben wird auch das Skalierbarkeitsproblem der meisten Blockchain-Technologien als ein Hindernis für massenhafte Anwendungen gesehen.

Genau hier setzt IOTA mit seiner Technologie an: dem Tangle. Tangle braucht keine Miner, hat keine Gebühren und weder Blocks noch Chains. Tangle ist aber dezentral organisiert, manipulationssicher und verwendet etwas Ähnliches wie Hashs, um die Transaktionen zu beglaubigen. Die IOTA-Technologie soll auch vor Quantencomputern sicher sein und soll sogar offline verwendet werden können. Und zu guter Letzt sei sie skalierbar.

Tangle hat wesentliche Vorteile gegenüber Blockchain

Die Tangle-Technologie soll so leichtgewichtig sein, dass sogar kleinere Rechner, etwa in Autos, Smartphones, Drohnen, Laptops oder anderen vernetzten Geräten Transaktionen verarbeiten können.

Tangle soll vor allem beim Internet der Dinge beziehungsweise der Machine-to-Machine-Kommunikation zum Einsatz kommen. Denn genau hier könnte die Blockchain-Technologie an ihre Grenzen stoßen, wenn sie plötzlich von Millionen von vernetzten Geräten verwendet würde.

Bei der Blockchain kann immer nur eine Transaktion nach der anderen durchgeführt werden. Weil bei Tangle die Verifizierung anders abläuft als bei der Blockchain, können mehrere Transaktionen zur selben Zeit durchgeführt und geprüft werden.

Bei der Blockchain werden die Transaktionen von Minern geprüft. Bei Tangle passiert das über das Web; einem indirekten, netzwerkartigen Zusammenschluss aller Teilnehmer. Vor allem bei Micro-Payments im IoT ist das ein wesentlicher Vorteil.

IOTA-Coins steigen im Wert

Der IOTA-Coin pendelt seit seiner Ausgabe Mitte des Jahres meist zwischen 0,4 und 0,8 Dollar. Seit diese Woche bekannt wurde, dass IOTA eine Partnerschaft mit Microsoft, Fujitsu, Deutsche Telekom, Bosch, Accenture und PwC für die Entwicklung eines Daten-Marktplatzes für das Internet der Dinge abgeschlossen hat, ist der Wert des Coins stark gestiegen wird derzeit bei rund 1,5 Dollar gehandelt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf futurezone.at.

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