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Augen auf beim Online-Dating: Ein Experte zum Umgang mit flirtenden Fake-Profilen

Wieder fanden Verbraucherschützer heraus, wie schnell man sich beim Online-Dating täuschen kann.
Wieder fanden Verbraucherschützer heraus, wie schnell man sich beim Online-Dating täuschen kann.
Foto: imago
Verbraucherschützer haben weitere Missstände auf Online-Dating-Portalen aufgedeckt. Diesmal: Fake-Profile. Paarberater und Single-Coach Eric Hegmann darüber, wie Nutzer sie erkennen können.

Missstände beim Online-Dating gehen über Abzocke und schlechten Datenschutz hinaus. Sogenanntes Fake Dating wird dabei immer mehr zum Thema. Die Marktwächter Digitale Welt der Verbraucherzentrale Bayern haben in einer aktuellen Untersuchung weitere unfaire Praktiken von Online-Dating-Portalen aufgedeckt. In der Recherche wurden 187 dieser Portale identifiziert, die Fake-Profile flirten lassen – und dies auch in ihren AGBs festgeschrieben haben.

Nicht nur Heiratsschwindler

Dabei kommunizieren die echten Nutzer nicht mit anderen Privatpersonen, sondern meist unwissentlich mit Mitarbeitern des Dating-Portale. „Chancen zum Kennenlernen eines potenziellen Partners gibt es bei Fake-Profilen nicht, obwohl mit echten Kontakten geworben wird“, sagt Susanne Baumer, Teamleiterin beim Marktwächter Digitale Welt in der Verbraucherzentrale Bayern, in einer Pressemitteilung. Zur vollständigen Liste der Portale, auf denen die Marktwächter Fake-Profile gefunden haben, geht es hier.

Zahlreiche Profile sind darauf ausgelegt, Geld aus den Taschen der Nutzer zu ziehen. Darunter sind nicht nur Heiratsschwindler zu nennen, sondern auch Accounts, die die Nutzer zu Ausgaben verleiten würden, die sie nicht zwingend tätigen müssten. So würden die erfundenen Profile sie beispielsweise dazu bringen, kostenpflichtige Kontakte aufzurufen oder Nachrichten zu schicken, um den Umsatz des Unternehmens in die Höhe zu treiben. Davor warnten Marktwächter der Verbraucherzentrale bereits im Oktober 2017.

Sex statt Partnerschaft

In der aktuellen Studie fällt eines auf: ElitePartner oder Parship sind nicht in der Liste. Unter den Portalen, auf denen die Verbraucherschützer Fake-Profile gefunden haben, sind vereinzelte, jedenfalls seriös anmutende Online-Partnerbösen wie wirfindenuns.de vertreten. Größtenteils besteht sie jedoch aus Websites für Sex und Seitensprünge wie deinsecretdate.com, jetztpoppen24.de, leaffair.com oder milfs.ch/.de. Ob sich die Gefahr von Fake-Profilen in diesem Kontext noch vergrößert, ist anzunehmen. Die genauen Nutzerzahlen dieser Seiten sind allerdings nicht bekannt.

Wie können sich Nutzer schützen? Wir fragen nach

Wir haben Eric Hegmann gefragt, was er davon hält. Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Lange Jahre hat er auch als Journalist gearbeitet, seit 2015 verbindet er beides als Chefredakteur des Magazins beziehungsweise.

Parship und ElitePartner nicht betroffen

Er meint, man müsse zunächst einmal unterscheiden zwischen Sex- und Seitensprung-Portalen und seriösen Dating-Portalen, bei denen die Nutzer meist entgeltlich nach ernsthaften Partnerschaften suchen. Zu Letzteren gehören die in Deutschland wohl bekanntesten Plattformen Parship (5 Millionen Mitglieder) und ElitePartner (4 Millionen Mitglieder). Seit 2006 ist Hegmann als Single- und Beziehungsexperte auch bei Parship tätig. "Mitarbeitergeführte Fake-Profile werden Sie bei den großen, seriösen Anbietern nicht finden", so Hegmann. Und warum nicht? "Sie haben Meldeverfahren, die die Nutzer selbst in Anspruch nehmen können", erklärt Hegmann. Im Zweifelsfall (und auch vor dem ersten Log-in) würden Profile überprüft, samt den Profilbildern.

"Deshalb geht es um die Sex- und Seitensprung-Portale." Sie würden gefälschte Angebote erstellen, die die Nutzer unwissentlich über ihren Nachrichtenaustausch oder die Zeit, die sie auf dem Portal verbringen, bezahlen. Denn wer schaut schon in die kleingedruckten AGB? Das sei die Währung der Seiten.

Fake-Dates

Daneben gebe es auch Fake-Angebote für Dates. "Die sollen den Nutzern aber lediglich vorgaukeln, auf der Plattform ist Leben", sagt Hegmann. Gerade dort, wo die Geschlechterquote nicht ganz ausgewogen sei – wenn beispielsweise auf einem Sexdate-Portal mehr echte Männer unterwegs seien – würden Fake-Profile eingesetzt, um diesen Männern etwa zu suggerieren, das Angebot an Frauen sei groß.

Bots

Neben Mitarbeitern der jeweiligen Firmen würden auch Bots den echten Austausch erschweren. Hier können Nutzer laut Hegmann allerdings schon Vorsicht walten lassen: Denn Bots nutzen, auch wenn sie immer besser würden, Formulierungen, die bei genauerem Hinsehen an denen von echten Menschen vorbeigingen. "Das sind Formulierungen, die Sie täglich auch im Spam-Ordner ihres E-Mail-Postfachs finden können", sagt Hegmann.

Außerdem tauchten grammatikalische Fehler in derartigen Nachrichten auf, allerdings nicht zu viele. Auch da seien die Bots besser geworden. Einfach mal nachzufragen, ob das Gegenüber noch an Themen aus dem vorangegangenen Chat anknüpfen könne, sei hilfreich.

Und was hilft sonst noch?

Das Lesen der AGB. Wenn allein 187 der 316 ausgewählten Online-Dating-Portale den Einsatz von Fake-Profilen in ihren Geschäftsbedingungen ankündigen, ist das ein folglicher erster Schritt vor der Registrierung. Allerdings gibt es auch Plattformen, die tricksen wollen: Die flirtano GmbH zum Beispiel hatte die gefälschten Accounts bei der ersten Prüfung der Marktwächter in den AGB angegeben, bei der späteren Kontrollprüfung war die Passage allerdings verschwunden. Bei derartigen Portalen hilft es dann, den Kommunikationsverlauf im Verdachtsfall wie oben beschrieben zu überprüfen.

Wie haben die Verbraucherschützer recherchiert?

Die Online-Dating-Portale wurden von den Marktwächtern im November und Dezember 2017 recherchiert. Dafür erstellten sie zunächst eine Liste aller Seiten, die potenziell fiktive Profile einsetzen. Dafür wurden Daten aus dem Frühwarnnetz der Verbraucherzentralen sowie von Beschwerdeseiten und von Facebook ausgewertet. Auf den Websites selbst identifizierten sie Suchphrasen mit Hinweisen auf Fake-Accounts in den AGB.

Die Liste umfasste 316 Portale, deren AGB und Startseiten gesichtet und dokumentiert wurden. Zum Schluss blieben die 187 Portale, die tatsächlich angeben, fiktive Profile einzusetzen.

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