Derzeit steht das soziale Netzwerk Facebook erneut in der Kritik, da es Daten von Nutzern an die britische Firma Cambridge Analytica weitergegeben hat. Diese hat die Daten unrechtmäßig, so behauptet Facebook, genutzt, unter anderem, um damit Wahlen zu manipulieren.

Dass der Umgang von sozialen Netzwerken mit den Daten der Mitglieder wenig transparent ist, ist jedem klar. Welche konkreten Maßnahmen ein Nutzer ergreifen kann, um weniger durch die sozialen Netzwerke fremdbestimmt oder ausspioniert zu werden, darüber herrscht weniger Aufklärung.

Hier sind einige Maßnahmen, die man ergreifen kann, wenn man (noch) nicht bereit ist, den sozialen Netzwerken endgültig den Rücken zu kehren.

Manipuliert die Algorithmen

Die Wahlmanipulationen über soziale Netzwerke funktionieren zu einem großen Teil über die jeweiligen Algorithmen. Diese Algorithmen wählen aus, welche Inhalte dem individuellen Nutzer angezeigt werden. So können im Endeffekt Meinungen manipuliert werden, indem gezielt nur noch bestimmte Inhalte auf dem Dashboard des Nutzers erscheinen.

Forscher des Massachusetts Insitute of Technology (MIT) haben genau hier angesetzt. Ihr Projekt Gobo ist ein Tool, das sich mit dem Facebook oder Twitter-Profil verbindet, und über das man selbst steuern kann, welche Inhalte man sieht und welche nicht.

Über Gobo kann man beispielsweise auswählen, wie albern oder ernsthaft die Inhalte sein sollen, die einem angezeigt werden, oder auch, ob sie von einem Mann oder einer Frau verfasst wurden. Des Weiteren informiert einen das Tool darüber, welche Inhalte es nicht auf der eigenen Startseite angezeigt hat, und weshalb.

Stoppt das endlose Scrollen

Wer grundsätzlich keine Lust auf Facebook- oder Twitter-Inhalte hat, die sozialen Netzwerke zwecks Vernetzung aber dennoch nutzen möchte, kann die App Feedless ausprobieren. Diese ist derzeit nur für Safari erhältlich und nur kostenlos, wenn man sie auf Facebook anwendet. Für Twitter und Instagram zahlt man 10 US-Dollar jährlich.

Wenn man Feedless installiert hat, kann man Facebook weiterhin ganz normal nutzen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die App sämtliche durch den Facebook-Algorithmus gesteuerte Inhalte erkennt und blockiert.

Soziale Netzwerke für spezielle Interessen

Wem der Wust an sinnlosen Videos und unseriösen Artikeln auf Facebook zu viel ist, kann auf eine Bandbreite anderer, weniger bekannter sozialer Netzwerke ausweichen. Viele dieser Netzwerke sind auf eine bestimmte Interessengemeinschaft ausgerichtet, was durchaus für interessantere Inhalte sorgen kann.

Das soziale Netzwerk Litsy etwa, richtet sich an Bücherwürmer, ebenso wie Goodreads oder Lovelybooks. Letztere ist eine deutsche Website, während die anderen beiden International sind. Wer sich für Design interessiert, kann bei Dribble Gleichgesinnte finden. Über TeamBlind kann man sich mit den Kollegen vernetzen und sich über die Arbeitswelt austauschen.

Facebook und Twitter kennen dich

Es gibt darüber hinaus Möglichkeiten bei Facebook oder Twitter nachzusehen, welche Informationen die Netzwerke über einen gesammelt haben. Geht man etwa bei Twitter in seinem Profil zu „Deine Twitter Daten“, wird man aufgefordert sein Passwort einzugeben.

Danach kann man sehen, dass das Netzwerk weiß, an welchen Orten du es aufgerufen hast, und welche Interessen du bei Twitter verfolgst. Darüber hinaus kann man eine Liste der Werbekunden anfordern, die Twitter als für dich relevant eingestuft hat, und deren Werbung du folglich erhalten sollst.

Bei Facebook kann man unter Einstellungen -> Werbeanzeigen einsehen, auf welcher Basis das soziale Netzwerk einem Werbung zeigt. Unter „Deine Interessen“ kann man zudem sehen, welche Interessen Facebook einem zuweist, beispielsweise in den Kategorien Branchen, Hobby und Aktivitäten oder Orte.

Ein klein wenig Kontrolle lässt einem sogar Facebook, wenn es darum geht, welche Werbeanzeigen gezeigt werden. Unter „Einstellungen für Werbeanzeigen“ kann man anklicken, ob einem Werbung auf Basis der Nutzung von Apps gezeigt werden soll oder auch auf Basis von Websiten, die nicht zu Facebook gehören.

Kreiere dein eigenes Netzwerk

Noch eine schöne Möglichkeit für mehr Eigenregie ist es, einfach ein eigenes soziales Netzwerk zu gründen. Das Start-up Mighty Networks macht es möglich. Für ein offenes Netzwerk muss man eine monatliche Gebühr zahlen.

Will man sich nur mit Freunden und Familie vernetzen, ist der Dienst kostenlos.

Die effektivste Methode: Lösche deine Accounts

Der wohl letzte Schritt auf dem Weg zur viralen Selbstbestimmung ist es, die eigenen Profile zu löschen. Bei Twitter geht dies durch Anklicken des Profilbilds, dann zu „Account“ gehe und runter scrollen. Dort steht „Deinen Account deaktivieren“.

Jedoch sollte man wissen, dass der Account nicht sofort gelöscht wird, sondern in der Regel erst einen Monat nach der Deaktivierung. Bei offiziellen Accounts (ausgewiesen durch das blaue Häkchen), dauert es sogar ein Jahr.

Auf Facebook gibt es diverse Möglichkeiten, von der Pausierung des Accounts bis zur Löschung. Unter „Einstellungen“ und „Allgemein“ findet sich ganz unten die Option „Konto verwalten“. Hier kann man den Account deaktivieren, ihn aber nicht löschen. Man kann zudem angeben, wer den eigenen Account verwalten soll, sollte man sterben.

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Lade deine Daten herunter

Zudem kann man dort anweisen, dass der Account gelöscht werden soll, wenn man stirbt. Man kann hier aber auch eine Kopie seiner Facebook-Daten anfordern. Über diesen Link kann man sein Konto wirklich löschen, wobei dies bis zu drei Monate dauern kann.

Bei Twitter kann man ebenfalls eine Kopie der Daten anfordern. Hier findet man diese Option unter „Account“ ganz unten unter „Dein Archiv anfordern“.

Diese Möglichkeiten zeigen: es gibt zwar kaum Wege, Facebook und Twitter seine Daten vorzuenthalten, jedoch kann man sich weigern, beeinflusst zu werden. Darüber hinaus gibt es Optionen, in andere Netzwerke abzuwandern. Und auch der komplette Austritt aus dem Social Media-Circus ist möglich, wenn auch nicht leicht durchzuführen.

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