Digital Life 

Schul-Cloud: Deutschlands Versuch des modernen, digitalen Unterrichts

Die Schul-Cloud soll den Unterricht an Deutschlands Schulen modern und vor allem digital machen. Gute Ideen treffen dabei auf grundlegende Probleme.
Die Schul-Cloud soll den Unterricht an Deutschlands Schulen modern und vor allem digital machen. Gute Ideen treffen dabei auf grundlegende Probleme.
Foto: imago/ Science Photo Library
Die Digitalisierung ist in vollem Gange, an Schulen mangelt es dabei aber oft schon an der technischen Ausstattung. Eine übergreifende Cloud soll hier helfen.

Bildung und Digitalisierung scheinen sich in Deutschland weiterhin im Weg zu stehen. Ein Grund dafür ist, dass Schulen kaum auf die damit einhergehenden Veränderungen vorbereitet sind. Das Problem reicht von überfordertem Lehrpersonal über schwach ausgestattete Unterrichtsräumlichkeiten bis hin zu unzureichend gewarteten Computernetzwerken.

Schul-Cloud will Rechner aus den Schulen verbannen

Die Initiative "Schul-Cloud", die vom Hasso-Plattner-Institut (HPI) entwickelt wurde und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, sieht eine erfolgversprechende Lösung dieses Problems darin, Rechner aus den Schulen zu entfernen und Bildungsinhalte stattdessen in eine gemeinsame Cloud zu überführen. Der Vorteil soll im erweiterbaren und anpassbaren Charakter des Projektes liegen, der das infrastrukturelle Potenzial bietet, zukünftig auch bundesweit eingesetzt zu werden.

So funktioniert die Schul-Cloud

Seit Mai 2017 nehmen nun deutschlandweit immer mehr Schulen, die dem Exzellenznetzwerk MINT EC angehören, an dem Projekt teil. Während es in der Pilotphase noch 27 waren, soll die Zahl mit der gegenwärtigen Roll-out-Phase sukzessiv auf 300 Schulen erhöht werden.

Digitaler Unterricht, der Lehrkräfte entlastet

Die Schul-Cloud dient dazu, den Unterricht digitaler zu machen und die Lehrer zu entlasten. Schüler und Lehrer loggen sich ein, machen Übungen, schauen Videos, legen Dateien ab und kommunizieren miteinander, sogar schulübergreifend. Gleichzeitig ist es auch ein Tool, dass von Eltern genutzt werden kann, um beispielsweise ohne große Umwege mit den Lehrkräften in Kontakt zu treten.

Die angegebenen Vorteile der Schul-Cloud definieren sich dementsprechend:

  • überall und jederzeit Zugang zu Lern- und Lehrmaterialien
  • teure Computerräume werden überflüssig
  • die aufwendige Wartung von Hard- und Software durch Lehrer entfällt
  • mehr Sicherheit durch digitale Medien
  • digitale Lern- und Lehrinhalte können direkt von den Nutzern bewertet werden
  • Schüler und Lehrer werden zum autonomen Lernen angeregt
  • Qualitätssteigerung des Unterrichts bei gleichzeitiger Kostenreduzierung

Einzig nötig für die Nutzung der Schul-Cloud sollen ein Internetzugang, ein webfähiges Gerät sowie die erforderlichen Berechtigungen sein.

So wird an Schulen mit der Schul-Cloud gearbeitet

Schüler mögen die Cloud, Probleme gibt es trotzdem

Während Schüler, Lehrer und Eltern die Cloud nutzen, kümmert sich das HPI im Hintergrund um die Software. Gemeinsam mit den Nutzern sollen die Angebote ständig erweitert werden. Schüler, die bisher mit der Schul-Cloud in Berührung gekommen sind, nehmen das neue Konzept laut der Süddeutschen Zeitung sehr gut an. Da sie mit der Bedienung kein Problem haben, freuen sie sich richtig auf die Alternative zum altmodischen Papier.

Die Hürden des Übergangs zum digitalen Unterricht zeigen sich an den meisten deutschen Schule dennoch deutlich. Oftmals mangelt es an der technischen Ausstattung - alte Computermodelle, die lange brauchen, um hochzufahren; eine Infrastruktur, die nicht dafür gemacht ist, dass gleich mehrere Klassen online sind. Auch die Verbindung kann eine einschränkende Rolle spielen, wenn nicht der gesamte Gebäudekomplex mit funktionsfähigem Internet abgedeckt ist.

IT-Ausstattung und Smartphone-Verbot stehen im Weg

Christoph Meinel, Leiter des Hasso-Plattner-Instituts, ist diese Problematik nicht neu: "Wenn Lehrer Schwierigkeiten haben, digitale Lerninhalte in den Unterricht einzubauen, liegt das häufig an der fehlenden oder langsamen Breitband-Internetanbindung und an der unzureichenden IT-Ausstattung. Die ist in Deutschland noch ein Stück weit eine Katastrophe", zitiert ihn die Süddeutsche.

Einfacher wäre es, wenn nicht die schuleigenen Computerräume zum Einsatz kämen, sondern Privatgeräte der Schüler, wie Tablets und Smartphones. Hier ergibt sich jedoch das nächste Problem. Was in Frankreich mit dem Smartphone-Verbot an Schulen bereits Bestand hat, gilt auch in einigen deutschen Bundesländern, wie Bayern. In Berlin fordert man zumindest erst noch, dass Grundschüler ihre Handys am Schuleingang abgeben.

Natürlich ist die Rechtsfrage noch offen

Aber auch rechtlich muss nicht lange nach kniffligen Fragen gesucht werden. Gehören sensible Daten, wie die Noten der Schüler, in die Cloud? Wie werden die Schülerprofile, die zwangsweise durch die Arbeit in der Cloud entstehen, datenschutzrechtlich verarbeitet? Welche Daten dürfen überhaupt hinterlegt werden? Die Kopie einer Buchseite könnte zu Urheberrechtsverletzungen führen. Zumindest für dieses Problem hat man sich wohlweislich Schulbuchverlage mit ins Boot geholt.

Bis Mitte 2021 wird die Schul-Cloud vom Bundesbildungsministerium noch mit acht Millionen Euro jährlich gefördert. Solange wird auch die Nutzung für alle Teilnehmer wahrscheinlich noch kostenlos sein. Ob das Projekt darüber hinaus Bestand hat oder später am begrenzten Budget der beteiligten Schulen scheitert, bleibt abzuwarten.

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