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Google kennt immer deinen Standort und wird dafür jetzt verklagt

Google kennt immer dein Standort: Das könnte jetzt Konsequenzen haben
Google kennt immer dein Standort: Das könnte jetzt Konsequenzen haben
Foto: AFP/Getty Images
Google verfolgt jeden eurer Schritte, selbst wenn die Standortfunktion deaktiviert ist. Dafür droht dem Tech-Riesen nun in den USA eine Sammelklage.

Eine Untersuchung der Assosiated Press ergab, dass diverse Google-Dienste – sowohl auf Android- als auch auf iOS-Geräten – selbst dann die Standortdaten speichern, wenn man zuvor die Berechtigung verweigert hat. Auf eine Anfrage APs hin haben dies auch Computerwissenschaftler der Princeton bestätigt. Dafür droht dem Unternehmen nun jetzt juristische Konsequenzen.

Google droht Sammelklage

Ein Mann aus Kalifornien reichte bereits vergangenen Freitag eine Klage gegen Google ein. Das Unternehmen wird wegen Irreführung und Verletzung der Privatspäre angeklagt, heißt es in der Anklage. Der Konzern wird beschuldigt auch dann den Standort der Nutzer bestimmt zu haben, wenn der Standortverlauf ausgeschaltet war. Der Kalifornier strebt eine Sammelklage mit Schadensersatzzahlungen in nicht genannter Höhe an. Zur Anklage äußerte sich der Tech-Riese bisher nicht.

Auf Googles Support-Seite heißt es bezüglich des Standortverlaufs: „Du kannst deinen Standortverlauf jederzeit abschalten. Wenn dein Standortverlauf abgeschaltet ist, werden die Orte, die du besuchst, nicht länger gespeichert“. Nichtsdestotrotz speichern einige Google-Apps auch bei gestopptem Verlauf deine Standortdaten ohne weiter nachzufragen – und das mit Zeitstempel. Neben Apps wie Google Maps oder Wetter-Dienste speichern auch einige Spiele deine Aufenthaltsdaten.

Das hat zur Folge, dass deine Privatsphäre nicht gesichert ist. Zwar ist es noch immer möglich, die gespeicherten Daten zu löschen, dennoch ist dadurch nicht gewährleistet, dass die Aufzeichnung damit beendet ist. Diese Lücke in den Privatsphäre-Einstellungen Googles betrifft gut zwei Milliarden Android- und hunderte iPhone-Nutzer.

Google gibt Überwachung zu

„Wenn Sie zulassen, dass Benutzer den Standortverlauf deaktivieren, sollten alle Orte, an denen Sie den Standortverlauf verwalten, deaktiviert sein“, sagt Jonathan Mayer, ein Computerwissenschaftler der Princeton. Google besteht jedoch darauf, dass es bei der Standortdaten-Speicherung darum gehe, das Erlebnis der User zu verbessern. So berichtet ein Sprecher des Konzerns gegenüber AP, man biete eine klare Beschreibung der entsprechenden Tools und gebe den Nutzern mit robusten Steuerelementen die Möglichkeit, sie jederzeit zu aktivieren, zu deaktivieren oder ihre Historien zu löschen.

Als jüngste Reaktion auf die Beschwerden hat Google nun seine englischsprachige Hilfe-Seite minimal angepasst. Sie beinhaltet jetzt den Zusatz "Diese Einstellung beeinflusst nicht die anderen Standort-Dienste Ihres Gerätes". Zusätzlich heißt es: "Einige Standortdaten können als Teil anderer Aktivitätsdienste wie Google Maps und Google Suche auch gespeichert werden."

In Deutschland müssen wir anscheinend noch etwas auf eine solche Klarstellung warten. Hier heißt es bei Google weiterhin: „Sie können den Standortverlauf jederzeit deaktivieren. Wenn Sie den Standortverlauf deaktivieren, werden die von Ihnen besuchten Orte nicht mehr gespeichert.“

Standortbasierte Werbung

Viele der von Google und ähnlichen Unternehmen gespeicherten Daten werden dazu genutzt, den Usern individuelle, personalisierte Werbung zu präsentieren. Häufig werden hierfür App- und Webverläufe genutzt – wenn man sich beispielsweise gerne auf den Seiten von Online-Händlern tummelt. Doch auch Standortdaten können hierfür genutzt werden. Ähnlich wie bereits Facebook, dass einen Sonderdeal für Datenspeicherung bekam, könnte auch Google sich durch das Verschweigen von Details bezüglich der Privatsphäre seiner Nutzer massiver Kritik aussetzen. Vor allem im Blick auf die jüngsten Sanktionen der EU gegen Google begibt man sich damit in Gefahr.

So schaltet ihr Googles Standortlokalisierung ab

Pausiert ihr die Standorthistorie, wird tendenziell verhindert, dass entsprechende Daten auf einem Gerät, das mit eurem Account verknüpft ist, gespeichert werden. Lasst ihr dabei allerdings die „Web & App Aktivitäten“ aktiviert, verhindert ihr nur das Hinzufügen zur „Timeline“. Es hält Google nicht davon ab, weitere Standortdaten zu sammeln. Dieser „Marker“ lassen sich immerhin händisch löschen.

  • Android: Einstellungen > Google > Google-Konto > Daten & Personalisierung > Web- und App-Aktivitäten > Den Slider auf deaktivieren und mit "Pausieren" bestätigen.
  • iOS/ Desktop: Im Browser bei Google anmelden und auf euer Profilbild oben rechts klicken > Google-Konto > Persönliche Daten & Privatsphäre > Meine Aktivitäten > Aktivitätseinstellungen > Web- und App-Aktivitäten > Den Slider auf deaktivieren und mit "Pausieren" bestätigen.
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