Mit der gegenwärtigen Lockdown-Situation sind viele zwangsweise wieder ins heimische Arbeitszimmer oder die Küche eingekehrt, um von dort aus ihre Arbeit zu erledigen. Im Gegensatz zur letzten Welle ist die Technik inzwischen zwar professioneller im Einsatz. Gestiegen sein könnte deshalb im Homeoffice aber auch die Überwachung, denn laut Stiftung Warentest haben Vorgesetzte in manchen Situationen die Lizenz zum Bespitzeln.

Homeoffice und Überwachung: Stiftung Warentest klärt auf

Die Arbeit von zu Hause aus hat für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowohl Vor- als auch Nachteile. Während sich viele Angestellte im Home Office zum Beispiel produktiver fühlen und unter Umständen sogar mehr arbeiten als vorher, kann die Perspektive aus Arbeitgebersicht ganz anders aussehen. Ein Verdacht, der oft genug aufkommt: Ohne Aufsicht vor Ort arbeiten Angestellte auch weniger. Und die mögliche Konsequenz kann Homeoffice-Überwachung sein.

Schon 2020 haben sich die Verkaufszahlen von Software für Mitarbeitermonitoring laut Untersuchung der Stiftung Warentest stark gesteigert, nicht immer sind die Anwendungsfälle dabei auch legal. Erstaunlicherweise gibt es aber dennoch Situationen, in denen eine Homeoffice-Überwachung durchaus erlaubt ist.

Das ist technisch machbar und das darf dein Chef

Mit der neuen Trendwelle an Überwachungssoftware haben sich für Arbeitgeber ganz neue Bespitzelungsroutinen entwickelt. Die gute Nachricht zuerst: Generell ist es rechtlich nicht zulässig, permanent die Leistung der eigenen Angestellten zu kontrollieren, wie der Arbeitsrechtler Alexander Bredereck in einem Interview mit der Stiftung Warentest erklärt. Die Log-in-Zeiten von Mitarbeitern in das interne Netzwerk im Auge zu behalten, sei dagegen zur Zeiterfassung erlaubt, so der Fachanwalt weiter. Ebenso wie auch die folgenden Dinge.

Erlaubte Mittel zur Homeoffice-Überwachung

#1 Mitlesen des E-Mail-Postfachs: Da der Arbeitgeber E-Mail-Konten für seine Angestellten zur Verfügung stellt, darf er auch über deren Nutzung verfügen. Gibt es keine konkrete Regelung und hat der Arbeitgeber über einen längeren Zeitraum keinen Einspruch gegen einen private Nutzung erhoben, gilt diese laut Stiftung Warentest als erlaubt. Dann darf dein Chef zwar keine Überwachungsmaßnahmen anwenden, aber er hat das Recht, Einsicht in deine dienstliche Korrespondenz zu verlangen. Ohne Privatnutzungserlaubnis, sind nach vorheriger Ankündigung Stichproben zur Überprüfung zulässig.

#2 Browserverlauf auswerten: Gilt die private Nutzung des Internets vertraglich als verboten, ist der Arbeitgeber berechtigt, den Browserverlauf seiner Mitarbeiter einzusehen und auszuwerten. Dies bedingt allerdings einen konkreten Verdacht auf den Regelverstoß, darf dann jedoch auch ohne Zustimmung und Wissen des Angestellten durchgeführt werden. Ist private Nutzung zulässig, ist diese Art des Homeoffice-Monitoring erlaubt, wenn der Verdacht besteht, der Mitarbeiter nutzt die Vereinbarung über die Maßen aus.

#3 Webcamaufnahmen in Ausnahmen zulässig: Die Echtzeitüberwachung von Angestellten per Webcam, die durch manche Software ermöglicht wird, ist ebenfalls erlaubt, sofern bestimmte Umstände zutreffen. Dazu gehört der Verdacht auf Arbeitszeitbetrug, wenn die Webcam das einzig mögliche Mittel der Feststellung ist, und selbst dann nur in einem zeitlich stark beschränkten Rahmen. Eine heimliche Homeoffice-Überwachung per Kamera ist dagegen wie zu erwarten in jedem Fall rechtswidrig.

Ohne Erlaubnis im Homeoffice überwacht? Dazu rät Stiftung Warentest

Sollte der Verdacht bestehen, dass dein Arbeitgeber Informationen über dich sammelt oder einsieht, frag ihn zunächst. Er ist dazu verpflichtet offen zu legen, welche Daten er über dein Verhalten am Arbeitsplatz aufbewahrt.

Bei unzulässiger Überwachung konsultiere einen Fachanwalt für Arbeitsrecht (die Stiftung Warentest empfiehlt das Portal anwaltsauskunft. de. Er kann neben einer umfangreichen Beratung auch eine Aufforderung an deinen Arbeitgeber ausgeben, diese zu unterlassen. Zudem solltest du dich an den Datenschutzbeauftragten sowie den Betriebsrat wenden, sofern vorhanden.

Dass heimliches Beobachten vorkommen kann, zeigt Software wie Sneek. Sie ermöglicht unbemerkte Videoüberwachung am Arbeitsplatz. Selbst bekannte Programme sind nicht immer ohne Zweifel zu genießen. Ein Office 365-Update von 2020 stand in der Kritik, übertrieben Mitarbeiterüberwachung bereitszustellen.

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